„Es ist, wie wenn ein schwarzes Loch in deinem Bauch wäre.“ So beschreibt der junge Jakob (sensationell: Simon Frühwirth) – der Kosmologie studieren will und daher mit solchen Metaphern aufwarten kann – die Angstattacken, die den 17-Jährigen immer wieder überkommen und in Ohnmacht fallen lassen.

Der Aushilfsjob, den er bis zum Studium in der Schlachterei seines Vaters (Josef Hader) antritt, ist dabei nicht eben förderlich. Wenn da Schweinehälften zersägt werden und er das Blut abspritzen muss, wird auch mancher Kinobesucher am Rande einer Ohnmacht taumeln. Klar, dass der zartbesaitete Junge deshalb den Job verliert. Und bald beim Therapeuten sitzt.

Erst durch Kristjan (Paul Forman, l.) beginnt der verschlossene Jakob, sich zu öffnen.
Erst durch Kristjan (Paul Forman, l.) beginnt der verschlossene Jakob, sich zu öffnen. © Salzgeber

Aber als er beim nächtlichen Sex-Cam-Chat den 26-jährigen Künstler Kristjan (Paul Forman) kennenlernt, beginnt der verschlossene Junge, sich ein wenig zu öffnen. Sich jemandem anzuvertrauen. Und sich erstmals seinen Ängsten zu stellen.

Nur ein Köder fürs Publikum

Das ist schon fast zu viel Inhaltsangabe für diesen Film. Und klingt auch letztlich viel zu konventionell dafür. Vielleicht ist die aufkeimende Liebesgeschichte (bei der das Schwulen-Coming-Out einmal nicht im Zentrum steht), auch nur ein Köder, um den Zuschauer an der Leine zu halten.

Denn eigentlich geht es dem österreichischen Regisseur Gregor Schmidinger in seinem Spielfilmdebüt „Nevrland“ um die Vorstellung und Visualisierung von Angststörungen, unter denen er selbst zehn Jahre lang gelitten hat.

Und so läuft sein Film wie das Bewusstsein seiner fragilen Hauptfigur mehr und mehr aus dem Ruder, bis er am Ende ganz in eine irritierende Abfolge von Albträumen kippt, bei der man zwischen Wahn und Wahrheit nicht mehr unterscheiden kann. Eine für den Zuschauer hochinteressante, aber auch höchst verstörende Erfahrung.

Drama Ö 2019 88 min,. von Gregor Schmidinger, mit Simon Frühwirth, Paul Forman, Josef Hader.