Es muss nicht immer eine Nacht im Club sein. Oder eine Dating-App. Es gab auch eine Zeit und es gibt noch heute Gegenden, in denen Teenager altmodische Dinge tun, um unter Leute zu kommen. Daran erinnert „Dem Horizont so nah“, die Verfilmung von Jessica Kochs semi-autobiografischem Bestseller.

Hier lernt die 18-jährige Jessica (Luna Wendler) noch auf einem Rummelplatz ihre große Liebe kennen. An einem Schießstand macht ihr Danny (Jannik Schümann) schöne Augen, in einer Achterbahn kommen sie sich näher und sind auch am nächsten Morgen noch verschossen.

Mitreißend: die Neuentdeckung Luna Wendler

Die Tragik folgt auf dem Fuß: Danny ist HIV-positiv. Wie es dazu kam, diese traumatisierende Erfahrung teilt der junge Mann eigentlich nur mit seiner besten Freundin (Luise Belfort). Doch Jessica lässt nicht locker. Halb eifersüchtig, halb besorgt zwingt sie Danny dazu, ihr die ganz Wahrheit zu sagen.

Die Stars des Films, Luna Wedler und und Jannik Schümann, Schauspieler, bei der Premiere des Films.
Die Stars des Films, Luna Wedler und und Jannik Schümann, Schauspieler, bei der Premiere des Films. © dpa

Der vielseitige Regisseur Tim Trachte erzählt hier von Liebe im Schatten von Krankheit und Missbrauchserfahrungen und versucht, ein individuelles Drama (aus den frühen 90er-Jahren) als sogenannte „universale Geschichte“ (von heute) zu erzählen.

Tolle Darsteller, aber schales Pathos

Wenn er dabei zuweilen in ausgestellte Naivität und schales Pathos abgleitet, packt einen die Sehnsucht nach der unbarmherzigen Wucht, mit der Cyrill Collard 1992 in „Wilde Nächte“ eine ähnliche Geschichte erzählte.

Vor allem die mitreißende Präsenz des schweizerischen Jungstars Luna Wendler und manch kleine Szene, in der Schmerz und Trost geradezu mit den Händen greifbar scheinen, machen „Dem Horizont so nah“ dennoch sehenswert, für ein Publikum zwischen Pubertät und Mitte 20.

Romanze D 2019 117 min., von Tim Trachte, mit Luna Wedler, Jannik Schümann, Luise Befort