Neu im Kino

„Bruder Schwester Herz“: Weggehen ist keine Alternative

Die Spannungen eines Geschwisterpaars in deutscher Provinz, erzählt als Western: Das ist „Bruder Schwester Herz“ von Tom Sommerlatte.

Die Familie auf der Veranda: Vater Heinz (Wolfgang Packhäuser), Sohn Franz (Sebastian Fräsdorf) und Tochter Lilly (Karin Hanczewski ).

Die Familie auf der Veranda: Vater Heinz (Wolfgang Packhäuser), Sohn Franz (Sebastian Fräsdorf) und Tochter Lilly (Karin Hanczewski ).

Der Vater verbringt seine alten Tage im Schaukelstuhl auf der Veranda, der Sohn reitet mit Cowboyhut der Rinderherde nach, die Tochter flirtet gar mit einem „Indianer“: Regisseur Tom Sommerlatte verkleidet seinen Film „Bruder Schwester Herz“ an vielen Stellen in eine Art Western.

Zwar befinden wir uns auf einem Bauernhof in deutscher Provinz, aber weder Geschichte noch Politik sind je Thema, wenn Franz (Sebastian Fräsdorf) oder Lilly (Karin Hanczewski) mit anderen zusammenkommen, sei es auf dem Sommerfest oder in der Kneipe, die natürlich ein „Saloon“ sein will.

Der Ritt übers Feld endet an der Autobahn

Die westernhafte Unwirklichkeit, in der Sommerlatte seinen Film ansiedelt, ermöglicht ihm ein Erzählen, das das Eigene seiner Figuren betont und sich ganz auf ihre unausgesprochenen Konflikte konzentriert, die statt in Worten oft in der Landschaft ihren Ausdruck finden.

Erste Bilder: der Trailer zum Film

Seit der Vater durch einen Unfall arbeitsunfähig wurde, führen Bruder und Schwester den Hof. Sie tun es mit der Grandeur von Ranch-Besitzern, die selbst dann fast ungebrochen bleibt, wenn ihr Ritt übers Feld sie an einer Autobahn entlangführt.

Weggehen ist keine Alternative

Franz träumt davon, eine Ausfahrt bauen zu lassen, um allen Vorbeifahrenden etwas verkaufen zu können. Lilly weiß, dass auch solche Ideen sie nicht retten werden. Der Betrieb ist verschuldet, eine Zukunft gibt es hier nicht. Und dennoch scheint Weggehen keine Alternative.

Eng und vertraut zeigt der Film die beiden Geschwister im Zusammensein, die völlig natürlich und liebevoll erscheint, aber auch Abhängigkeit und gegenseitiges Kontrollieren verrät. Solange ihre jeweiligen Liebschaften One-Night-Stands bleiben, leben sie die Geschwisterbeziehung als die wichtigste.

Die Gefahr bleibt zum Frühstück

Aber dann bleibt Chris (Godehard Giese), den Franz wegen seines Stirnbands spöttisch „Indianer“ nennt, zum Frühstück. Das Liebesglück der Schwester löst in Franz ein ganzer Mischmasch unguter Gefühle aus, von denen Eifersucht noch das am einfachsten zu benennende ist.

Mit einer Leichtigkeit, die dem deutschen Film sonst eher fremd ist, schildert Sommerlatte die komplexe Familienkonstellation, in der Bruder und Schwester sich bei aller Liebe erst entzweien müssen, bevor sie erwachsen werden können.

Komödie D 2019 105 min., von Tom Sommerlatte, mit Sebastian Fräsdorf, Karin Hanczewski, Wolfgang Packhäuser, Godehard Giese.