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„Zwischen uns die Mauer“: Romeo und Julia in der Zone

Unmögliche Ost-West-Beziehung: Der Film „Zwischen uns die Mauer“ ist leider ein allzu naiver Beitrag zum 30-Jähriges des Mauerfalls.

Für mehr als ein Oststraßenzug hat es nicht gereicht: Anna (Lea Freund) und Philipp (Tim Bülow).

Für mehr als ein Oststraßenzug hat es nicht gereicht: Anna (Lea Freund) und Philipp (Tim Bülow).

Foto: Alpenrepublik

Die Mauer – war da was? Es ist 30 Jahre her, dass die innerdeutsche Grenze fiel. Eine ganze Generation ist inzwischen ohne sie aufgewachsen. Es ist daher durchaus legitim, einem jüngeren, vor allem westlichen Publikum zu erklären, was denn die Mauer und die DDR war.

Katja Hildebrandt hat schon 2001 ein Jugendbuch darüber geschrieben: über die unmögliche Liebe eines Teenager-Mädchens aus der West-Provinz zu einem Ost-Berliner. „Zwischen uns die Mauer“ war sogar eine dieser Geschichten, die das Leben schrieb. Den Roman zu verfilmen, ist ebenfalls durchaus legitim. Nur: Ihn gerade jetzt zu starten, so kurz vor den Feierlichkeiten zum 30-Jährigen des Mauerfalls, ist doch kühn.

Zarte Bande hinter dem Eisernen Vorhang

Denn da werden sie wieder überall gezeigt, die ewigen Bilder von dem Mauerfall und wildfremden Menschen, die sich in den Armen liegen. Es werden auch wieder all die Spielfilme wiederholt, die es zum Thema gibt. Und gegen die nimmt sich Norbert Lechners Adaption doch, gelinde gesagt, sehr naiv aus.

Erste Bilder: der Trailer zum Film

Die 16-jährige Anna (Lea Freund) aus Westdeutschland kommt 1986 bei einer Reise ihrer kirchlichen Jugendgruppe nach Ost-Berlin. Die Jugendlichen bestaunen die Mauer erst mal von der Westseite und sind dann schockiert über die Tristesse im Osten. Aber dann lernt Anna Philipp (Tim Bülow) kennen, den Sohn eines Ost-Berliner Pastors (Götz Schubert).

Es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie beginnen sich zu schreiben. Und immer wieder reist Anna nach Berlin, um Philipp zu besuchen. Was Annas Eltern (Franziska Weisz und Fritz Karl) mit zunehmender Sorge verfolgen. Weil sie darüber die Schule vernachlässigt. Und weil aus den zarten Gefühlen ja doch nichts werden kann.

Allzu kalkuliert konstruiert und routiniert abgedreht

So autobiografisch die Handlung sein mag, ist sie doch sehr kalkuliert angelegt und routiniert abgedreht. Anna wird bei den ständigen Einreisen zunehmend skeptisch beäugt, Philipp denkt immer häufiger an Flucht und spricht das auch offen aus, obwohl er weiß, dass die Stasi seinen Vater überwacht. Das ist nur eine von vielen Details, die man dem Film schwer glauben mag. Eine andere ist es, dass das Paar nach seinem ersten Beischlaf einschläft und Anna nicht bis Mitternacht zur Grenze zurückkehrt. Weshalb die Stasi vor der Türe steht und das junge Pärchen die ganzen Mühlen des Systems zu spüren bekommen.

Lechners Adaption mag ideal sein als Anschauungsmaterial für den Schulunterricht. Als Kinofilm ist er gar nichts. Es gibt keine Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Jede Wendung ist vorhersehbar. Zwischen den Hauptfiguren gibt es keine Chemie, alle Nebenfiguren bleiben bloße Stichwortgeber.

So sah es damals weder hüben noch drüben aus

Und dann gab es wohl nicht genug Geld für eine überzeugende Ausstattung. Von Ost-Berlin gibt es deshalb fast nur einen Straßenzug zu sehen. Und Westdeutschland sieht auch immer schicker und moderner als in den 80-ern aus.

Da sehnt man sich nach Filmen wie „Good Bye, Lenin!“, die die untergegangene DDR aufwändig bis ins Kleinste wiederauferstehen ließen. Zum Jubiläum 30 Jahre Mauerfall ist „Zwischen uns die Mauer“ der falsche Film. Möglich, dass man ihn zu einem späteren Zeitpunkt gnädiger aufnehmen könnte. Aber nur für das Zielpublikum Jugendliche, und auch da vornehmlich für solche aus dem Westen.

Drama D 2019 100 min., von Norbert Lechner, mit Lea Freund, Tim Bülow, Fritz Karl, Franziska Weisz