Konzert in Berlin

Dieter Bohlen in der Zitadelle: Jetzt singt er auch noch

Pop-Titan Dieter Bohlen gibt in Spandau sein Bühnencomeback und singt tatsächlich live. Mutig, aber für die Stimmung nicht förderlich.

Dieter Bohlen (Archivbild) Foto: Henning Kaiser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Foto: Henning Kaiser / dpa

Er verstehe sich in erster Linie als Entertainer, hatte Dieter Bohlen im Vorfeld seines Konzerts am Sonnabend in der Zitadelle sicherheitshalber schon einmal angekündigt. Trotzdem stand die Befürchtung im Raum, der 65-Jährige könne bei seinem Comeback nach 16 Jahren Bühnenabstinenz tatsächlich singen. Auf Instagram hatte es dafür in den vergangenen Tagen einige Anzeichen gegeben. Mit der ehemaligen „Deutschland sucht den Superstar“-Kandidatin Sarah Lombardi fistelte er dort seine Castingshowhymne „We Have A Dream“. Spoiler vorab: Den 10.000 Besuchern in Spandau blieb das am Wochenende nicht erspart. Der Poptitan singt live, das muss man ihm lassen.

Bohlen, trotz Hitze in Hemd und Jacke, eröffnet das Konzert fast pünktlich mit dem Modern-Talking-Song „You Can Win If You Want“ von 1985. Dünn gehaucht bis gekrächzt mit einer Andeutung des typischen Falsettgesangs im Refrain: „Hold me tahahahahight!“ So geht das mehr als 20 Lieder lang. Von „Call My Name“ von Pietro Lombardi über Mark Medlocks „Mamacita“ bis zu einem Schlagermedley - alles aus der Feder des DSDS-Jurors. Stimmung will dabei allerdings auch bei Ohrwürmern wie „You‘re My Heart, You‘re My Soul“ oder „Cheri, Cheri Lady“ nicht aufkommen. Nur hier und da wird geklatscht oder mitgesungen. Das Publikum ist überraschend divers: Von der jüngeren DSDS-Zielgruppe bis zur älteren Modern-Talking-Generation. Vom Rotkäppchen- bis zum Wegchampagnertrinker.

Dieter Bohlen: Seine 1,3 Millionen Instagram-Follower haben ihn quasi gezwungen

„Hallo Schnuckelhasen. Was hier heute passiert, ist für mich ein Wunder“, begrüßt Dieter Bohlen seine Fans. Eigentlich habe er gar nicht wieder auf die Bühne gewollt. Seine 1,3 Millionen Instagram-Follower hätten ihn quasi dazu gezwungen. „Ich mache das hier nur für euch, nicht für irgendwelche Kritiker, die immer etwas zu meckern haben“, sagt er. „Am besten, ihr werft alle Zeitungen weg.“ Dieter Bohlen weiß schon, warum.

Dabei muss der Musiker sich oder der Presse gar nichts mehr beweisen. Insgesamt schrieb er Songs für über 150 Interpreten. Darunter Künstler wie Andrea Berg, Vanessa Mai, Chris Norman, Bonnie Tyler, Howard Carpendale, Roland Kaiser, Semino Rossi und Nino de Angelo. Modern Talking gelang es als einziger Musikgruppe mit fünf Titeln in Folge auf Platz 1 der deutschen Single-Charts zu landen. Mehr als 120 Millionen Tonträger wurden allein von seiner Band verkauft.

Die Fans lieben Dieter Bohlen und Dieter Bohlen liebt seine Schnuckelhasen

Auch für das Konzert in Berlin gab es am Sonnabend vorab keine Karten mehr. Im März hatte Dieter Bohlen ein einziges MEGA-Open-Air angekündigt. Mittlerweile ist eine ganze MEGA-Tour daraus geworden. Deutschlands erfolgreichster Musikproduzent ist nicht unbedingt für seine Bescheidenheit bekannt. Das zeigt sich in der Zitadelle auch beim Bühnenbild. Vor Beginn: zwei Leinwände mit Dieter Bohlen in Überlebens- beziehungsweise MEGA-Größe. Währenddessen: Einblendungen seiner Künstler und eigener alter Auftritte, bei denen sein ehemaliger Modern-Talking-Kollege Thomas Anders nicht zu existieren scheint.

Sein Entertainerversprechen hat Dieter Bohlen nach zwei Stunden dann aber tatsächlich eingelöst. Am meisten Applaus bekommt er für freche Sprüche und das Zumbestengeben der Geschichten seiner größten Erfolge. Beim Gesangspart hingegen verlässt er sich auf die stimmliche Unterstützung seiner Band - was spätestens bei Songs wie „Midnight Lady“ oder „Take Me Tonight“ bitter nötig ist. Das Publikum scheint das nicht weiter zu stören. „Geile Musik, geiles Wetter: Was wollt ihr mehr?“, fragt Bohlen. Widerworte gibt es nicht. Die Fans lieben ihren Dieter und Dieter liebt seine Schnuckelhasen. Nur ganz vereinzelt sind aus dem Publikum sehnsüchtige „Thomas!“-Rufe zu hören.