Konzerthaus

Der souveräne Auftakt des neuen Chefdirigenten

Echte Inspiration: Christoph Eschenbach beweist im Konzerthaus, dass er auch Gustav Mahlers Pathos bewältigen kann

Chefdirigent Christoph Eschenbach beim Saisoneröffnungskonzert.

Chefdirigent Christoph Eschenbach beim Saisoneröffnungskonzert.

Foto: Martin Walz

In den Vorreden zur großen Saisoneröffnung des Konzerthausorchesters am Gendarmenmarkt herrscht eine euphorische Spannung der Mitwirkenden, man spürt sie in den Worten des Intendanten Sebastian Nordmann und des Kultursenators. Ja, dieses Konzert mit Gustav Mahlers Achter Sinfonie, der sogenannten „Sinfonie der Tausend“, ist nicht nur aufgrund der wilhelminisch monströsen Klangarchitektur dieses Werks ein außergewöhnlicher Abend, nichts soll schiefgehen.

Wenn ein Orchester sich in Berlin von einem neuen Chefdirigenten dermaßen aus dem Häuschen bringen lässt wie das Konzerthausorchester von Eschenbach, dann kann das bekanntlich viele Gründe haben. Zum Beispiel, dass ein Orchester, wenn es keinen Chef gefunden hätte, vielleicht geschlossen worden wäre. Das ist bei diesem, am repräsentativen Gendarmenmarkt beheimateten Klangkörper eher unwahrscheinlich. Oder dass der Vorgänger fast 40 Jahre lang die Macht in den Händen hielt und dass das Orchester seiner überdrüssig geworden wäre. Auch das ist nicht der Fall, der Ungar Iván Fischer war sechs Jahre da und ist heute bei den Musikerinnen und Musikern höchst beliebt.

Der Dirigent beherrscht die Materialschlacht

Es wird also im Fall Eschenbach in der Tat keine außermusikalische Taktik, sondern durchaus echte Inspiration auf beiden Seiten sein. Das Spiel der Achten lässt es vermuten: Eschenbach dirigiert den monumentalen Schinken mit seinen Pfingsthymnus- und „Faust“-Versen schlank und flott und hält Mahlers Materialschlacht gut im Zaum. Zum tatsächlich rund tausendköpfigen Ensemble lassen der Tschechische Philharmonische Chor aus Brno und die Knaben des Staats- und Domchors Berlin den Klangkörper wachsen, fulminant homogen und weich, aber auch durchschlagskräftig an den zahlreichen dramatischen Stellen klingen die Verse. Die Bläser lassen ihre Farben außergewöhnlich kräftig leuchten, die Streicher spielen bemerkenswert frei, nicht zuletzt in den solistischen Passagen von Bratsche, Cello, Geige.

Das Konzerthaus hat sich für diesen Anlass acht exquisite Solisten geleistet, darunter der in Berlin bestens bekannte Michael Nagy sowie die dem Konzerthausorchester besonders verbundene Gerhild Romberger. Die charismatische Sopranistin Marisol Montalvo hat kurz vor Schluss die anspruchsvolle Aufgabe, den Gesang von Goethes Mater gloriosa von hinten durch den ganzen Saal zu schicken. Überraschend: die beeindruckenden Doktor-Marianus-Passagen des US-Tenors Robert Dean Smith. Über das Riesenorchester zu dringen, ist keine Kleinigkeit. Smith erweist sich einmal mehr als Weltklasse-Sänger, obwohl man ihn nach einigen Einbrüchen auf Wagnerbühnen hierzulande ein wenig vergessen hatte.

Wiewohl man das ruhige Temperament Christoph Eschenbachs in der kommenden Saison nicht lediglich solche Überwältigungsliteratur gestalten hören möchte, ist dieser Antritt im Konzerthaus eines solchen Altmeisters durchaus würdig.

Am heutigen Sonntag, 1. September, findet im Konzerthaus ein Willkommenstag statt. Weitere Informationen unter www.konzerthaus.de