Neu im Kino

„Golden Twenties“: Eine Generation in der Krise

Sophie Kluge, die Tochter von Alexander Kluge, wandelt in ihrem Regiedebüt „Golden Twenties“ auf den Spuren ihres Vaters.

Ava (Henriette Confurius) weiß nicht weiter. 20th Century Fox

Ava (Henriette Confurius) weiß nicht weiter. 20th Century Fox

Foto: 20th Century Fox

Nein, dieser Film schwimmt nicht auf der Welle halbnostalgischer Begeisterung für die 20er Jahre. Allenfalls erinnert Sophie Kluges Regiedebüt an den 1929 gedrehten Stummfilm „Menschen am Sonntag“. Wie damals geht es heute um das Jungsein in Berlin. Sonne scheint. Man trifft sich, trinkt und feiert am und auf dem Wasser. Liebe bahnt sich an und bleibt ein Rätsel.

Clash der Generationen

Große Themen finden nur nebenbei Erwähnung. Und doch mischt sich in diese Unbeschwertheit eine Melancholie des Übergangs, die auch Kluges stiller Heldin Ava (eine kongeniale Rolle für Henriette Confurius) ins Gesicht geschrieben steht. Sie hat ihr Studium abgeschlossen, bekommt gerade deshalb keinen Job und zieht erstmal zurück zu ihrer Mutter Mavie (Inga Busch).

Erste Eindrücke: der Trailer zum Film

Es ist ein Treffen der Generationen auf unsicherem Terrain. So tolerant sich die lebenshungrige Mavie auch gibt, sie versteht nicht, wieso ihre Tochter nicht einfach eine jüngere Version ihrer selbst sein möchte. Entfalten kann sich Ava in ihrer Nähe nicht. Eine Hospitanz führt sie an ein Theater, das vom Haus der Berliner Festspiele beherbergt wird, bei den Proben geht es aber so laut zu, wie einst auf der Volksbühne.

Deren Barde Sir Henry singt in der Kantine. Seine ehemalige Kollegin Hanna Hilsdorf spielt Avas engste Freundin: Lulu, natürlich, eine Femme Fatale, allerdings mit bürgerlichem Hang zu und Eheschließungen. Routiniert bezirzt ein junger Bühnenstar die unerfahrene Hospitantin.

Sowas wie intellektuelle Wärme

Ava verknallt sich ein bisschen, weiß weiter nicht so recht wohin und beginnt zu genießen, dass sie immerhin sich selbst gehört, sich selbst ganz allein.

Manchmal möchte man diesen Film wie eine Schneekugel schütteln, hoffend, dass noch etwas mehr Glitzer aufsteigt. Aber dann taucht die Ahnung auf, dass man es bei Sophie Kluge wohl mit dem Missing Link zwischen ihren Regiekolleginnen Anika Decker und Angela Schanelec zu tun hat. Zwischen den Polen doppelbödige Comedy und präzise Introspektion strahlt „Golden Twenties“ etwas aus, das man wohl als intellektuelle Wärme bezeichnen kann. Zumindest da folgt Sophie Kluge ihrem Vater Alexander, dem Grandseigneur des Neuen deutschen Films und selbsternannten „Chronisten der Gefühle“. Diese Wellen laufen weiter.

Tragikomödie D 2019 91 min., von Sophie Kluge, mit Henriette Confurius, Max Krause, Inga Busch