Man kennt das Setting in letzter Zeit vor allem aus Serien wie „Walking Dead“. Die Erde wurde von einer Seuche heimgesucht, heißt es zu Beginn von Carolina Hellsgårds „Endzeit“. Als Heimat von Überlebenden werden zwei Städte genannt, die man im Zusammenhang mit einer Zombie-Apokalypse nur selten hört: Weimar und Jena.
Spannend selbst wenn man weiß, was kommt
Dann sieht man menschenleere Straßen, auf denen Übrigbleibsel auf hektische Fluchten hindeuten. Auf dem Theaterplatz geben sich Goethe und Schiller die Hand wie als Zeugen von etwas Unfasslichen. Ausgerechnet in der Stadt der Dichter und Denker wird jeder Verdachtsfall einer Infizierung sofort erschossen.
Das muss die Waise Vivi (Gro Swantje Kohlhof) hautnah miterleben, als man sie zu einer Art Grenzdienst rekrutiert. Dort beiß ein herbeilaufender Zombie einem unerfahrenen Mädchen in den Arm. Die kampferprobte Eva (Maja Lehrer) ist zwar sofort zur Stelle und schlägt der jungen Frau fix den Arm ab.

Aber die offizielle Linie ist es, kein Risiko einzugehen: Das Mädchen wird erschossen. Vivi und Eva wollen daraufhin unabhängig voneinander Weimar verlassen und sich nach Jena durchschlagen, wo angeblich nach einem Heilmittel gegen die Zombieseuche geforscht wird.
Eine grüne Hexe tritt auch noch auf
Genrekino in Deutschland funktioniert nicht, heißt es immer wieder – und immer wieder versucht es dann doch jemand. Hellsgårds Film ist einer der Beispiele fürs Gelingen gegen alle Widerstände. Mit viel Fingerspitzengefühl greift sie auf die Konventionen des Genres zurück und macht doch genug neu und anders, dass „Endzeit“ die Spannung hält, auch da, wo man eigentlich weiß, was passiert.
Fesselnd ist schon das deutsche Setting, das dem Genre Assoziationen an den Holocaust und die Ost-West-Trennung im Kalten Krieg öffnet. Hinzu kommt Hellsgårds feministische Ausrichtung – als handelnde Personen treten fast ausschließlich Frauen auf – und eine Konzentration auf die innere Entwicklung ihrer Figuren, die nur auf den ersten Blick das klassische Gegenteilspaar von „stark“ und „schwach“ vertreten.
Dass sich die Zombie-Apokalypse zuletzt ins Ökologie-Kritische wendet (mit einem Gastauftritt von Trine Dyrholm als einer Art grüner Hexe), erscheint indes fast des Guten zuviel.
Horror D 2019, 90 min., von Carolina Hellsgård, mit Gro Swantje Kohlhof, Maja Lehrer, Trine Dyrholm


