Neu im Kino

„Blinded by the Light“: Die Liebe zu Springsteen

Musikfilme haben derzeit Hochkonjunktur. Jetzt ist Bruce Springsteen dran. Doch nicht „The Boss“ steht im Mittelpunkt, sondern sein größter Fan.

Die Songs von „The Boss“ bringen Jayed (Viveik Kalra) auch mit Eliza (Nell Williams) zusammen.

Die Songs von „The Boss“ bringen Jayed (Viveik Kalra) auch mit Eliza (Nell Williams) zusammen.

Foto: Warner

England im Jahr 1987. Margaret Thatcher regiert das Land mit eiserner Hand in Grund und Boden. Auf den Straßen lebt die rassistische National Front ihren Hass gegen Immigranten aus. Der Synthiepop von Gruppen wie den Pet Shop Boys dominiert die Hitparaden. Und im Londoner Vorort Luton versucht der 16-jährige Javed (Viveik Kalra), Sohn pakistanischer Einwanderer, seinem Leben einen Sinn zu geben.

Zwischen all den Wham-Jungs und Bananarama-Mädels ist Javed der Außenseiter. Er schreibt Gedichte. Er will Schriftsteller werden. Er ist hin- und hergerissen zwischen den Verlockungen westlicher Popkultur und den Traditionen seiner Familie. Und findet seine Erlösung, als er erstmals die Lieder von Bruce Springsteen hört.

Filme mit Popthemen haben Konjunktur

„Blinded By The Light”, der neue Film der britischen Regisseurin Gurinder Chadha, die mit „Kick It Like Beckham“ bekannt wurde, ist eine liebevolle Coming-of-Age-Story und eine hemmungslose Hommage an die lebenserhaltende Kraft des Rock ’n’ Roll.

Erste Eindrücke: der Trailer zum Film

Filme mit Popthemen haben ja derzeit Konjunktur. Ob die Hymne „Leto“ auf die Leningrader Rockszene, die aktuellen Bio-Pics über Freddie Mercury („Bohemian Rhapsody) und Elton John („Rocketman“) oder das skurrile Märchen „Yesterday“, das auf wundersame Weise der Musik der Beatles huldigt.

Ein Film voller Leichtigkeit

Und nun Springsteen. Doch nicht der Musiker steht hier im Mittelpunkt, sondern einer seiner größten, wenn nicht sein größter Fan. „Blinded By The Light“ basiert auf dem Buch „Greetings from Bury Park” von dem „Guardian“-Journalist und „Boss“-Fan Sarfraz Manzoor, der auch am Drehbuch mitschrieb. Daran mag es liegen, dass dieser Film mit solch einer Leichtigkeit, ja geradezu Blauäugigkeit daherkommt.

Denn obwohl die hässlichen Seiten der 80er-Jahre wie Arbeitslosigkeit, Rassismus oder interkulturelle Konflikte keineswegs ausgespart werden, ist „Blinded By The Light“ ein sympathischer, leichtgängiger Feelgood-Film, der vor allem mit seinem großartigen Hauptdarsteller und dem liebevollen Zeitkolorit punkten kann.

Hier werden, in einer Zeit lange vor Internet und Musikstreams, noch Schallplatten aufgelegt. Hier werden noch Musikkassetten für den Walkman aufgenommen. Hier hatte Musik noch einen hohen ideellen Wert.

Der direkte Draht zur Wahrheit

„Bruce ist der direkte Draht zur Wahrheit in dieser beschissenen Welt“: Mit dieser Bemerkung bekommt Javed von seinem Schulkumpel Roops (Aaron Phagura) zwei Springsteen-Kassetten zugeschoben: „Born In The U.S.A.“ und „Darkness on the Edge of Town“.

Er ignoriert sie zunächst. Doch als er an seiner Umwelt zu verzweifeln droht, schiebt er sie in den Walkman und fortan ist nichts mehr, wie es war.

Bisher war Javed sich mit seinem besten Freund, dem aufstrebenden New-Wave-Sänger Matt (Dean-Charles Chapman) einig, dass die Pet Shop Boys das größte der Gefühle sind. Nun aber öffnet sich für ihn eine andere Dimension. „Ich hatte keine Ahnung, dass Musik so sein kann, als würde Bruce alles kennen, was ich je gefühlt habe, alles, was ich je wollte“, schwärmt er. Matt hat dafür nur ein „Das ist doch Musik für Väter“ übrig.

Ein Film, der einfach nur Spaß macht

Regisseurin Chandra illustriert die Szenen immer wieder mit Songtexten, die über die Leinwand mäandern, und versucht sich auch zaghaft an dezenten Musical-Anleihen. Das will nicht immer klappen, hat aber durchaus seinen Charme.

Durch Springsteen findet Javed zu sich selbst, findet mit Eliza (Nell Williams) eine feste Freundin und schafft es schließlich auch, seinem Wunsch, Schriftsteller zu sein, ein Stück näher zu kommen. Happy End auf der ganzen Linie. „Blinded By The Light“ ist ein Gute-Laune-Film, der einfach Spaß macht. Frei von Ironie und Zynismus, dafür mit jeder Menge Empathie für seine Figuren.

Musikkomödie GB 2018 118 min., von Gurinder Chadha, mit Viveik Kalra, Nell Williams, Kulvinder Ghir, Meera Ganatrar