Neu im Kino

Dreh’s noch einmal: Der Trend geht zum Auto-Remake

Immer mehr Regisseure aus dem Ausland drehen für Hollywood eigene Filme noch mal neu. Jüngstes Beispiel ist Sebastían Lelios „Gloria“.

Sie ist über 50, will aber trotzdem noch etwas vom Leben haben:  Julianne Moore als Titelfigur im Remake von „Gloria“.S

Sie ist über 50, will aber trotzdem noch etwas vom Leben haben: Julianne Moore als Titelfigur im Remake von „Gloria“.S

Foto: Square One Entertainment

Mach’s noch einmal. Das ist eine Devise, nach der viele Regisseure aus dem Ausland ihren Hollywood-Einstand geben. Zwar wurde Amerikas allmächtige Traumfabrik ja durch einen Erfolgsfilm in ihrer Heimat auf sie aufmerksam. Amerikaner machen sich aber nur in ganz wenigen Großstädten die Mühe, sich Filme mit Untertitel anzuschauen. Und synchronisiert wird schon gar nicht.

Da dreht man den Film doch lieber gleich neu. Und das dann auch mit den eigenen Stars. Das kommt besser an. Das kurbelt auch die eigene Filmindustrie an. Und da Hollywood in seinem Stoffhunger und seiner Fantasielosigkeit oft auf Remakes ausländischer Erfolge setzt, stellt sich auch für die Filmemacher der Originale die Frage: Warum nicht das Schlimmste verhindern – und den Film lieber selber noch einmal drehen?

Ein Win-Win-Geschäft ohne großen Mehrwert

So verfuhr etwa der dänische Regisseur Ole Bornedal, der seinen Thriller „Nightwatch – Nachtwache“ (1994) mit Nikolaj Coster-Waldau drei Jahre später als „Freeze – Alptraum Nachtwache“ mit Ewan McGregor neu auflegte. Oder die Französin Lisa Azuelos, die mit der Komödie „LOL“ 2008 mit Sophie Marceau einen Erfolg landete und diesen vier Jahre danach unter selbem Titel mit Demi Moore wiederholen konnte.

Und selbst der Österreicher Michael Haneke, der sonst keinerlei Konzessionen an die Filmindustrie macht, hat sein frühes Meisterwerk „Funny Games“ (1997), zehn Jahre später noch einmal gedreht, mit Tim Roth und Naomi Watts statt Ulrich Mühe und Susanne Lothar.

Diese Auto-Remakes, wie man sie nennen könnte, haben in letzter Zeit merklich zugenommen. Erst im Februar dieses Jahres lief in den deutschen Kinos „Hard Powder“ mit Liam Neeson an, mit dem der Norweger Hans Petter Moland seine schwarze Komödie „Einer nach dem anderen“ von 2014 mit Stellan Skarsgard kopierte.

Auto-Remakes nehmen deutlich zu

Im März legte dann Til Schweiger nach: Er hatte „Honig im Kopf“, seinen Hit aus dem Jahr 2014 mit sich und seiner Tochter Emma Schweiger neu aufgelegt als „Head Full of Honey“, diesmal mit Nick Nolte und dessen Tochter Sophia Lane Nolte.

Und nun also der Chilene Sebastían Lelio. Nachdem er vergangenes Jahr den Auslands-Oscar für „Eine fantastische Frau“ gewann, klopfte Hollywood bei ihm an. Und warum dann gleich an den Erfolg anknüpfen und einen eigenen Film aufbereiten, der schon mal erfolgreich war?

Erste Bilder: der Trailer zum Film

„Gloria“ lief 2013 auf der Berlinale, damals gewann Paulina García einen Silbernen Bären als beste Schauspielerin. Danach trat der Film einen Siegeszug durch die ganze Welt an. Nur in den USA kam er eben nicht an. Dort verfilmte Lelio noch im selben Jahr 2018 „Gloria: Das Leben wartet nicht“. Diesmal mit Julianne Moore in der Titelrolle.

„Gloria“: Schon das Original ist überschätzt

Gegen diese Auto-Remakes ist im Prinzip nichts einzuwenden. Es ist ja ein Win-Win-Geschäft: für die Regisseure wie für die Filmindustrie. Seltsam wird es allerdings, weil Hollywood dank seiner Macht und Präsenz auch die Remakes wieder im Ausland startet, wo man das Original durchaus schon kennt.

Die Neuversion von „Gloria“ macht das besonders deutlich. Schon das Original, seien wir ehrlich, ist doch etwas überschätzt worden. Es ging um eine Frau Mitte 50, die noch etwas vom Leben haben will und sich das mutig ertrotzt. Das ist erst mal ein toller Stoff. Dazu schallte dann auch der Erfolgs-Song „Gloria“, der quasi zum Selbstbehauptungs-Schlager geriet.

„Warum tun Sie sich das noch mal an?“

Und der einsame Höhepunkt war, wenn Gloria mit einem Paintball-Gewehr ihren Ex-Lover beschoss, weil der sie für seine Ex-Frau gleich mehrfach stehen ließ. Aber der Rest der Komödie war doch ein bisschen behäbig. Und wenn man ehrlich ist, kann man sich nur an diese wenigen Momente erinnern. Wenn Gloria zu „Gloria“ tanzt. Oder wenn sie zum Farb-Gewehr greift.

„Gloria: Das Leben wartet nicht“ ist jetzt so ziemlich eins zu eins verfilmt worden, teils bis in Kameraeinstellungen identisch. Nur spielt nun Julianne Moore diese Frau, die nicht vorzeitig versauern will. Lelio hat dem Star dafür eine Brille mit großen Gläsern aufgedrückt. So wie man sich im Kino gemeinhin vorstellt, aus einem Schwan ein hässliches Entlein macht. Das hat schon im Original bei Paulina García nur geklappt, weil sie im Großteil der Welt nicht so bekannt war. Bei Julianne Moore scheint das geradezu absurd. Jeder kennt sie, aus zahllosen Filmen, als aufregende Frau. Und die soll keinen Mann mehr abkriegen?

Die Frage ist eh, warum man sich Hollywood-Remakes auch jenseits des US-Markts anschauen soll. „Warum tun Sie sich das noch mal an?“, fragte selbst Michael Haneke, als er für „Funny Games U.S.“ auch in Europa noch mal Interviews mit Journalisten führte. So brillant der Film ist und so lange er einen beschäftigt, ist es in der Tat ein verstörendes Werk, das man eigentlich nicht noch einmal sehen möchte.

Man wartet nur auf den Paintball-Beschuss

Neuversionen haben selten einen Mehrwert. Meist ist es eher so, dass die originale Handschrift des Regisseurs ein wenig verwässert und dem Mainstream-Geschmack angepasst wird. Wie Hans Petter Moland, der seinen beißenden Witz bei „Hard Powder“ ziemlich zügeln musste. Aus der rabenschwarzen wurde eher eine mausgraue Komödie.

Bei Eins-zu-Eins-Remakes wie „Gloria“ bleibt bloß der Vergleich, wie dem neuen Star die alte Rolle steht. Überrascht wird man hier nicht. Man wartet eher, wann sie denn zum Paintball-Gewehr greift. Und nicht immer ist garantiert, dass der Erfolg des Originals einfach kopiert werden kann, selbst wenn sich derselbe Regisseur daran setzt.

Das abschreckendste Beispiel liefert hier ausgerechnet der sonst so erfolgsverwöhnte Til Schweiger: Während sein „Honig im Kopf“ in Deutschland 7,2 Millionen Zuschauer ins Kino lockte, waren die Einspielergebnisse von „Head Full Of Honey“ nicht nur hierzulande, sondern auch auf dem US-Markt, für den der Film ja produziert wurde, verheerend. „Das war die bitterste Niederlage meiner Karriere“, gestand Schweiger denn auch ein.

Julianne Moore drehte gleich zwei Remakes hintereinander

Hollywood ficht das nicht an. Die Traumfabrik setzt momentan in ihrer bestürzenden Risikoarmut fast nur noch auf Nummer Sicher: auf die derzeit angesagten Comic-Filme, auf Fortsetzungen – oder eben auf Stoffe von außerhalb, die dann noch mal neu verfilmt werden. Julianne Moore ist da der Star der Stunde.

Am 17. Oktober startet mit ihr „Nach der Hochzeit“ – ein Remake des dänischen Films von 2006. Diesmal allerdings hat nicht die Dänin Susanne Bier Regie geführt, sondern der Amerikaner Bart Freundlich. Und diesmal wurden aus den Männern des Originals Frauenfiguren. Immerhin ein neuer Ansatz.