Mit makelloser Bikinifigur startet die junge, blonde Skandinavierin Sascha (Victoria Carmen Sonne) in den Urlaub. Sie landet auf dem verwaist wirkenden Flughafen von Bodrum, entdeckt in einem Touristenresort, dass ihre Kreditkarte nicht mehr funktioniert.
Und schon sitzt sie bei einem älteren Mann im Sportwagen. Allerdings trügt der erste Schein. Sascha arbeitet für den Drogendealer Michael (Lai Yde), dem älteren Mann soll sie 50.000 Euro übergeben.
Nach dem Kreditkartendesaster sind davon aber nur noch 49.600 übrig. Der Mann versteht keinen Spaß. Er maßregelt die junge Frau mit Ohrfeigen. Wenig später fährt Sascha mit einem Moped an einer Baustelle vorbei, ihr langer Schal weht im Wind. Ein Bauarbeiter warnt sie mit großen Gesten vor der drohenden Gefahr.
Sascha versteht ihn nicht oder sucht einfach die Gefahr. Wer weiß? Einen Schnitt später liegt ihr Gefährt auf dem Boden. Sascha rappelt sich mühsam hoch, mit aufgeschürften Armen und Knien. Es wird nicht bei diesen Verletzungen bleiben.
Kühl kalkuliert, mit sicherer Hand inszeniert
Als Co-Autorin von Ali Abbasis grandiosem Fantasyfilm „Border“ hat sich die Schwedin Isabella Eklöf gerade einen Namen gemacht. Ihr eigenes Regiedebüt „Holiday“ verschränkt nun die lakonisch-melancholischen „Bling-Ring“-Bilderwelt von Sofia Coppola mit expliziten Gewaltakten, wie sie Gaspard Noé in seinen Filmen immer wieder zeigt.
Das wirkt kühl kalkuliert, aber die Rechnung geht auf. Mit sicherer Hand und statisch-distanzierter Kameraarbeit folgt Eklöf dem Passionsweg ihrer streitbaren Heldin, von einem Postkartenmotiv mit Palmen zur nächsten Eruption männlich konnotierter Willkür.
Unheimlich. Großartig
Und die Moral? Wer will, kann danach lange suchen und bekommt sie dann wohl über den Soundtrack serviert, von der im letzten Jahr verstorbenen, schwedischen Rocklegende Jerry Williams, der mit seiner Band The Violents einst mit den Beatles auf Tour war. Er knurrt, raunt, zelebriert jenes Traditional, das durch Nina Simone berühmt wurde: „Sinnerman“.
In ihm fleht der Sänger einen Berg an, ihn zu verstecken. Aber der Berg schreit: Nein, das kann ich nicht. Saschas gebräunter Rücken bäumt sich derweil im Fahrtwind auf, an Deck einer Yacht, über dem Blau der türkischen Riviera. Unheimlich. Großartig.
Drama DK NL / S 2019 90 Min., von Isabella Eklöf, mit Victoria Carmen Sonne, Lai Yde, Thijs Römer


