Vom Fensterbrett aus schaut Suzanne (Andie MacDowell) lächelnd auf Nicholas (Chris O’ Dowd). „Bist du glücklich?“ will der Mann. Man wähnt sich im Beziehungsgespräch eines jahrzehntelang vertrauten Paares. Kurz darauf stellt Nicholas einer anderen Frau, Rebecca (Juliet Rylance), die Frage: „Bist du sauer auf mich?“ Schließlich fängt er das Lächeln einer Dritten namens Emilie (Dree Hemingway) auf. Bald landen beide – nicht im Bett, sondern im Kofferraum eines Familienwagens, was aber auf dasselbe herauskommt.

Tatsächlich ist Suzanne Nicholas’ Mutter, Rebecca war seine langjährige Freundin, die er für eine Affäre mit Emilie verließ. Sein Einfühlungsvermögen kommt Nicholas nicht nur in seinem Job, in der Kommunikation mit Autoren seines Verlag zugute, er nutzt es offenbar auch kühl kalkulierend bei allen Frauen seines Lebens. Wenn er jedoch beim Flirten auf Granit beißt oder etwas sich seiner Kontrolle entzieht, reagiert er gekränkt und übergriffig.

Eifersüchteleien und Hahnenkämpfe

So verliert er den Boden unter seinen Füßen, als sein Vater Glenn (Gareth Williams) den Kampf gegen den Krebs verliert. Als sich Suzanne nach einer Phase der Trauer wieder dem Leben zuwendet, beleidigt Nicholas eifersüchtig ihre neuen Männer. Mit seinem Bruder Chris (James Adomian), einem talentierten, aber eher erfolglosen Standup-Comedian, liefert er sich postpubertäre Hahnenkämpfe.

Nicholas und seine Ex Rebecca (Juliet Rylance).
Nicholas und seine Ex Rebecca (Juliet Rylance). © Kinostar

Es ist kein leichter Stoff, den sich der junge US-Regisseur Russell Harbaugh für sein Filmdebüt ausgewählt hat. Gleichwohl gelingt ihm eine stimmige Balance zwischen dokumentarisch wirkenden Szenen und intensivem Kammerspiel, in dem sich die jeweiligen Beziehungen zuspitzen.

Dass man der souveränen Andie MacDowell ihr Alter so wenig ansieht und sie auch als Nicholas’ Geliebte durchgehen könnte, wirft einen ungewohnten, sanft ironischen Blick auf die ödipalen Dimensionen einer Mutter-Sohn-Beziehung.

Und die klassisch-jazzige Filmmusik vom mittlerweile 82-jährigen Komponisten David Shire verleiht „Love After Love“ eine geheimnisvolle, geradezu schicksalhafte Note, die irgendwo zwischen Ernst und Spiel auch hörbar macht, das kein Leid und Streit für immer dauern muss. Und dass das Ende einer Liebe niemals das Ende der Liebe bedeutet.

Drama USA 2017 93 min., von Russell Harbaugh, mit Andie MacDowell, Chris O’Dowd, Juliet Rylance