„Bunt, verliebt und frei! Egal, welche Farbe. Genauso wie Berlin.“ So lautet Andrea Bergs Wunsch für das Leben. Ein knackiges Plädoyer für Toleranz und Vielfalt von der Schlagerkönigin kurz nach dem Beginn ihres Konzerts in der ausverkauften Waldbühne. Klingt fast so wie das Lied, das sie anschließend performt: „Jung, verliebt und frei“.

Die Zuschauer, unter ihnen Kollege Ben Zucker, singen ausgesprochen textsicher mit. Enthusiastisch gehen sie bei jedem einzelnen Song mit, als sei er die Krönung virtuoser Kompositonskunst mit nobelpreisverdächtigen Versen. Bei näherer Betrachtung handelt es sich allerdings um kreuzbraven Schlager, bevorzugt im Viervierteltakt mit begrenzter Metaphorik.

Andrea Berg feiert quasi unentwegt das Leben, fliegt zum Himmel. Trennt sich, hat Sehnsucht, verliebt sich. Dekliniert das ewige Hinfallen, Aufstehen, Krönchen richten und Weitermachen durch. Können andere doch auch, denkt man sich. Also was macht das Phänomen Andrea Berg eigentlich aus?

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Andrea Berg in der Berliner Waldbühne: „Das geilste wäre, wenn Ihr Euch küssen würdet“

Die Schlagerikone schenkt ihren Fans ein Berg-Fest. „Ihr sollt tanzen, singen springen. Das geilste wäre, wenn Ihr Euch küssen würdet“, fordert die Sängerin. Passiert nicht. Doch zumindest das berühmt-berüchtigte deutsche Mitklatsch-Gen ist vom ersten bis zum letzten Ton aktiviert.

Andrea Berg herzt derweil das Publikum, küsst und lässt Papierherzen aus einer Konfetti-Kanone regnen, weil sie nicht jeden einzelnen knutschen kann. Denn eines trifft bei ihr definitiv nicht zu: „Die Gefühle haben Schweigepflicht“. Das singt sie zwar. Schließlich ist das einer ihrer größten Hits. Doch live geht es bei ihr selbstverständlich emotional hochtourig zu.

Während Kollegin Helene Fischer sich am Trapez in die Lüfte schwingt und den Superstar gibt, geht es bei Andrea Berg um einige bodenständiger zu. 1966 als Andrea Zellen in Krefeld geboren und aufgewachsen, hat sich das einstige Funkenmariechen seine rheinische Frohnatur bewahrt. Ist authentisch und wagt auch schon mal erfrischend kernige Sprüche. Das kommt an.

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Her Bergness bietet dem Berliner Publikum eine gigantische Show

Und natürlich nicht zu vergessen: Her Bergness bietet dem Publikum eine gigantische Show mit reichlich Bombast. Mit Feuersäulen, Pyrotechnik, Tänzern, poetischen Videos, etwa zum Lied „Sternenträumer“. Die dominierenden Farben sind Pink und Rosa sowie Türkis und Blau in allen Schattierungen. Ein wahr gewordener Mädchentraum.

Früher trat Andrea Berg mit feuerroter Mähne, schwarzem Ledermini und schon mal mit Strapsen auf. Jetzt wählt sie farbenfrohe, glitzernde Kreationen mit rosaroten Satin-Overknees, die sie sexy und ladylike zugleich wirken lassen. Schreitet mit ihren langen Beinen die Showtreppe hinab, bespielt die ganze Bühnenbreite, ruft winkend „Huhu“ Richtung der oberen Reihen, tanzt auf dem Laufsteg auf „Wolke sieben“. Eine Entertainerin bei der Arbeit.

Musikalisch kann die achtfache Echo-Preisträgerin aus einem reichen Fundus aus Hits schöpfen. Blickt sie doch mittlerweile auf 27 Jahre Karriere zurück. Als sie von Produzent Eugen Römer entdeckt wird, arbeitet die gelernte Arzthelferin noch auf einer onkologischen Station im Krankenhaus. Mit ihrem Debütalbum „Du bist frei“ erregt sie erst bereits die Aufmerksamkeit der Schlagerfans. Den endgültigen Durchbruch bringt dann ihr zweiter Longplayer „Gefühle“ 1995.

Es ist der Anfang einer beispiellosen Laufbahn. Andrea Berg eilt von Erfolg zu Erfolg. Mit jedem ihrer insgesamt 17 Studioalben wächst die Zahl ihrer Fans. Sie erhält zahlreiche Gold- und Platinauszeichnungen, wird mit dem „Amadeus“ und der „Goldenen Stimmgabel“ geehrt. Wie auch für ihr soziales Engagement. So wurde ihr 2008 für ihre Hospizarbeit das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Privat lebt sie übrigens mit ihrem zweiten Ehemann, dem Sportmanager und Hotelier Ulrich Ferber, in Kleinaspach.

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Andrea Berg zelebriert eine rasante Party

In der Waldbühne, ihrer Liebkingsfreiluft-Arena, hat Andrea Berg auch ihr aktuelles Album „Mosaik“ im Gepäck. Die zweite CD, die sie auf ihrem eigenen Label Bergrecords veröffentlicht hat. Die Verse schmettern die Zuschauer nur zu gern mit. Den Titelsong oder „Hallo Houston“.

Die Texte hat Andrea Berg alle selbst geschrieben. An den Songs „Du musst erst fallen“ und „Davon geht mein Herz nicht unter“ hat Pop-Titan Dieter Bohlen mitgewirkt. Der hatte eigentlich die Zusammenarbeit mit Andrea Berg aufgekündigt, nachdem er ihre Alben „Schwerelos“ und „Abenteuer“ ganz sowie „Atlantis“ teilweise produziert hat.

„Mosaik“ indes wurde unter anderem produziert von DJ Bobo. Der Schweizer arbeitet ebenfalls seit vielen Jahren mit der Schlagerqueen zusammen, zeichnet für ihre Liveshows verantwortlich.

Begleitet von ihrer sechsköpfigen Band, zelebriert La Berg eine rasante Party. Spätestens bei der hereinbrechenden Dunkelheit ist die auch stimmungsvoll illuminiert. Dazu schwingt das Publikum die Arme wie es hier sonst bei Rockkonzerten üblich ist. Doch es sind Schlager wie „Diese Nacht ist jede Sünde wert“, die alle von den Plätzen reißen. Das schafft nur Andrea Berg. Die Frau ist wahrlich ein Phänomen.