Ausstellung

Zeitreise im Schloss Cecilienhof

Auf der Potsdamer Konferenz wurde 1945 über die Zukunft Deutschlands diskutiert. Dazu gibt es im nächsten Jahr eine Ausstellung.

Der Cecilienhof wurde von 1913 bis 1917 von Kaiser Wilhelm II. für seinen Sohn Kronprinz Wilhelm gebaut. Erst im vergangenen Jahr wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten an dem Anwesen abgeschlossen.

Der Cecilienhof wurde von 1913 bis 1917 von Kaiser Wilhelm II. für seinen Sohn Kronprinz Wilhelm gebaut. Erst im vergangenen Jahr wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten an dem Anwesen abgeschlossen.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Potsdam. Es war das letzte Schloss der Hohenzollern: Cecilienhof im Neuen Garten. Kaiser Wilhelm II. hatte es zwischen 1913 und 1917 für seinen ältesten Sohn Kronprinz Wilhelm errichten lassen. Bis 1945 lebte das Kronprinzenpaar in dem Anwesen. Weltbekannt wurde es aber als der Ort der Potsdamer Konferenz, bei der im Juli und August 1945 die die Staatschefs der drei Siegermächte – die „Großen Drei“ Truman, Stalin und Churchill – über die Zukunft Deutschlands und die Neustrukturierung Europas und der Welt debattierten.

Daran will die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) im kommenden Jahr, wenn sich das historische Ereignis zum 75. Mal jährt, mit einer großen Ausstellung erinnern. Mit Multimedia-Guide, Augmented-Reality-Angeboten, einem 3-D-Modell des Schlosses, bislang unveröffentlichten Filmaufzeichnungen aus einem Archiv nahe Moskau und Zeitzeugenberichten soll unter dem Titel „Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt“ von Mai bis November 2020 Geschichte erlebbar gemacht werden.

„Die Sonderschau ist ein Beispiel dafür, dass die Schlösserstiftung künftig die Interpretation des 20. Jahrhunderts stärker in ihre Vermittlungsarbeit einbeziehen will“, sagt SPSG-Geschäftsführer Martin Vogtherr, „auch die Folgen bis in unsere Zeit.“ Die nehmen für Vogtherr nun konkret in Person von Georg Friedrich Prinz von Preußen Gestalt an. Schon seit Jahren verhandelt der Chef des Hauses Hohenzollern hinter verschlossenen Türen mit dem Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg um die Rückgabe von Gemälden, historischen Zeugnissen und wertvollen Dokumenten. Betroffen sind die SPSG, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das Deutsche Historische Museum in Berlin.

Hohenzollern-Enkel fordert Wohnrecht im Cecilienhof

Am Wochenende sorgte der Ururenkel des Kaisers, der samt Familie in Potsdam lebt, mit einer neuen Forderung für Wirbel: Er beansprucht dauerhaft unentgeltliches Wohnrecht im Schloss Cecilienhof, alternativ im Schloss Lindstedt oder in der Villa Liegnitz, die aktuell für acht Millionen Euro saniert wird und in die die SPSG-Geschäftsführung einziehen will.

Als Vogtherr am Mittwoch auf der Terrasse von Schloss Cecilienhof die Pläne zur Sonderschau vorstellt, ist ihm die Überraschung über das Begehren der Hohenzollern noch anzumerken. Erst im Vorjahr ist die Sanierung von Schlosshülle und Gartenanlagen für knapp zehn Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm 1 abgeschlossen worden. Ab 2021 sollen mit Mitteln aus dem Sonderinvestitionsprogramm 2 die Innenräume denkmalgerecht in Schuss gebracht und Teile der geplanten Konferenz-Schau in die Dauerausstellung aufgenommen werden. Es sind eher diese Aspekte, für die er sich öffentliche Aufmerksamkeit gewünscht hätte. „Diese Überschneidung ist ein historischer Zufall“, kommentiert er.

Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil lässt derweil keinen Zweifel an der Zukunft von Cecilienhof und Co. aufkommen: In den Verhandlungen mit den Hohenzollern sei es nicht um Fragen der Eigentumsübertragung oder um Wohnrecht gegangen. „Ein Einzug ist ausgeschlossen“, macht sie klar. „Diese neuen Forderungen haben uns – den Bund, die Länder Berlin und Brandenburg – überrascht, vielleicht sogar ein bisschen verärgert“, sagt sie. Von einer schnellen Lösung gehe sie nicht aus. „Es handelt sich um eine sehr komplexe Auseinandersetzung, bei der es um sehr viele Gegenstände aus unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten geht.“

Woidke: Kein Wohnrecht im Cecilienhof

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) äußerte sich bereits am Dienstag unmissverständlich: „Brandenburger Schlösser werden nicht zu Wohnzwecken freigegeben. Sie sind Häuser des Volkes. Das ist unser Ziel in den Verhandlungen.“ Und: Brandenburg fürchte sich nicht vor einer juristischen Auseinandersetzung.

Die aktuelle Diskussion spiegle deutlich die Konflikte der deutschen Geschichte und die Folgen der Nachkriegsgeschichte wider, sieht sich Vogtherr zugleich bei der Themenwahl zur Sonderschau bestätigt. Die will erstmals aus unterschiedlichen Perspektiven das historische Geschehen in Potsdam erfahrbar machen. „Wir wollen den Gegensatz zwischen den abstrakten Entscheidungen der Siegermächte und dem konkreten Erleben der Konsequenzen sichtbar machen“, erläutert Kurator Matthias Simmich. Historische Persönlichkeiten wie Truman oder Stalin ständen dem Schicksal vieler „Namenloser“, ob Atombombenopfer, Vertriebene oder Kollaborateure, gegenüber.

Bei seinen Recherchen ist Simmich auf einen besonderen Schatz gestoßen. Die damals 20-Jährige Joy Milward diente Churchill während der Konferenz als Sekretärin. „Sie führte Tagebuch, beschrieb ihre Aufgaben, ihre Eindrücke und ihr Mitgefühl für die Menschen in den Ruinen von Potsdam und Berlin.“ Das wird in der Ausstellung zu sehen sein. Und: Die heute 95-Jährige, die nahe London wohnt, habe versprochen, eventuell zur Schau nach Potsdam zu kommen.