Neu im Kino

Synchron in der Krise: „Ein Becken voller Männer“

Ralf Krämer
Die unterschiedlichen Herren vor ihrem ersten Sprung ins kühle Nass

Die unterschiedlichen Herren vor ihrem ersten Sprung ins kühle Nass

Foto: Mika Cotellon / dpa

Männer in Frauensportarten, das ist derzeit in Mode. Und gelingt auch in „Ein Becken voller Männer“ mit Mathieu Amalric hinreißend.

Ein Sprung ins kalte Wasser – nichts läge in diesen Tagen näher. Für Betrand, Laurent, Marcus, Simon, Avanish, Basile und Thierry ist mit dem regelmäßigen Besuch ihrer Badeanstalt allerdings mehr verbunden, als eine kurze Abkühlung. Diese höchst unterschiedlichen Männer um die 50 bilden ein Synchronschwimmteam, das sich durch mangelnden sportlichen Erfolg, aber eben auch durch ein starkes Gruppengefühl auszeichnet.

So mancher Moment in der Umkleidekabine wird zur Gruppentherapie zum Thema Midlife-Crisis. Doch dann bewerben sich die chlorreichen Sieben aus einer Laune heraus bei der Synchronschwimmen-WM und nichts bleibt, wie es war.

Erste Einblicke: der Trailer zum Film

Seinem nicht immer glaubhaften Verlauf zum Trotz, gehört „Ein Becken voller Männer“ zu den besten Vertretern des in den letzten Jahren ein bisschen in Mode gekommenen Sportler-Film-Subgenres, in dem sich orientierungslose Männer in vermeintlich weiblichen Disziplinen wiederfinden.

Die leise Ahnung eines besseren Morgen

Das liegt vor allem an einer geschickten Dramaturgie, die den Einzelschicksalen, vom verhinderten Rockstar bis zum erfolgreichen Geschäftsmann mit mangelnder Impulskontrolle viel Zeit gibt und gleichzeitig den Fokus auf Betrand (Mathieu Amalric) richtet. Er ist depressiv, seit zwei Jahren arbeitslos und hat Angst, seiner Frau und Tochter nur noch zur Last zu sein. Betrand ist der am wenigsten schillernder Charakter, aber er trägt diesen rundweg unterhaltsamen Film mit seiner zurückhaltenden, anrührenden Art, die trotz allem auf der leisen Ahnung eines besseren Morgens insistiert.

Komödie Frankreich 2019 122 min., von Gilles Lellouche, mit Mathieu Amalric, Jean-Hugues Anglade, Guillaume Canet, Benoît Poelvoorde