Was tut man, wenn man nicht schreiben kann? Man setzt sich intensiv mit dem Zustand des Nicht-Schreiben-Könnens auseinander. Das Ergebnis könnte ein Film wie „Das melancholische Mädchen“ sein. Lauter Episoden, die nicht auf den Punkt kommen, in Details abschweifen und nichts Ganzes ergeben. Oder doch? Am Ende der kurzen und kurzweiligen 80 Minuten Film ist es mehr ein Gefühl, als dass man es in Worte fassen könnte: Es ist doch etwas Erstaunliches passiert.
Dabei darf von Anfang an nicht verschwiegen werden, dass „Das melancholische Mädchen“ kein Film für jedermann ist. Nicht nur, dass er eine Offenheit für formale Experimente voraussetzt, er unterstellt sogar, dass der Zuschauer ganz froh ist, wenn mal keine Geschichte im Format „Boy meets Girl“ vorgespielt wird, ja wenn der Geschichtenhaftigkeit an sich eine Absage erteilt wird. Worum es geht? Schwer zu sagen. Um ein melancholisches Mädchen? Eine junge Frau mit Schreibblockade?

So viel immerhin lässt sich an Handlung herausziehen: Das melancholische Mädchen, das ohne Namen bleibt, kommt über den ersten Satz des zweiten Kapitels ihres Buchs nicht hinaus. So steht und sitzt sie herum, vor einer Fototapete, die einen Palmenstrand suggeriert, oder auf Vernissagen, wo abstrakte Gemälde wie zur Entzifferung an der Wand hängen.
Außerdem scheint die junge Frau wohnungslos zu sein, zumindest erzählt sie das in den 14 Episoden, in die der Film eingeteilt ist, immer wieder den Männern, die sie so trifft. Die meisten verstehen es als Einladung zum Sex. Aber wenn es anders kommt, sind sie auch zufrieden.
Gefühles Deklamieren in die Kamera
Das irritierendste Moment des Films liegt in der Sprache: Nicht nur Marie Rathscheck in der Titelrolle, auch alle anderen sprechen ihre Dialoge in gefühllos-getragenem Ton oft direkt in die Kamera. Das, was sie sagen, ist oft von schlagender Bündigkeit, aber der deklamierende Tonfall verhindert ein allzu schnelles Sichwiedererkennen.
Über weite Strecken gelingt Heinrich hier ein skurriles, aber auch präzises Mosaik heutiger Lebensformen und Geschlechterbeziehungen. Wenn auch die Mühe, die in jedem sorgfältig komponierten Bild steckt, um immer noch etwas schlauer zu wirken, mit der Zeit etwas anstrengt.
Komödie 80 min., von Susanne Heinrich, mit Marie Rathscheck, Nicolai Borger, Yann Grouhel


