Was machen Haustiere eigentlich, wenn sich Frauchen und Herrchen auf den Weg zur Arbeit begeben, um erst Stunden später zurückzukehren? Vor drei Jahren lüftete der Animationsfilm „Pets“ dieses Geheimnis: Sie reden und verhalten sich nicht anders, als wir Menschen.

Max, ein Jack Russell Terrier aus Manhattan, hängt gerne mit seinen Nachbarn ab, der Tabby-Katze Chloe oder der Zwergspitzdame Gidget. Man trifft sich, frisst zusammen, hört Musik, macht Smalltalk und hin und wieder gibt es einen kleinen Flirt oder Zwist.

Wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht, wenn etwa Max Frauchen Katie sich mit der stattlichen Neufundländer-Mischung Duke einen zweiten Hund anschafft und die beiden prompt in einen Konflikt mit dem Straßenkaninchen Snowball geraten, werden die Konflikte mit herzerwärmender Solidarität gemeinsam gelöst.

Auch der träge Pops darf in der Fortsetzung nicht fehlen
Auch der träge Pops darf in der Fortsetzung nicht fehlen © Foto: Illumination Entertainment

So wurde „Pets“ zu einem der erfolgreichsten Filme der Saison, an den „Pets 2“ nun nahtlos anknüpft. Wieder bekommen Max, Duke und Katie Zuwachs. Zunächst in Gestalt von Chuck, den Katie bald heiratet. Einige Monate später bringt Baby Liam mächtig Leben in die Bude.

Max und Duke reagieren zunächst eher genervt, aber spätestens als Liam laufen lernt und die beiden Hunde mit rückhaltloser Liebe überschüttet, hat vor allem Max seine neue Bestimmung gefunden.

Auf dem Land, in der Stadt und im Zirkus

Er wird Liams persönlicher Wachhund und hat nicht zuletzt auf den von E-Rollern heimgesuchten Gehwegen von New York alle Pfoten voll zu tun, damit dem aufgeweckten Kleinkind nichts passiert.

Als dann Katies Familie samt Hunden zu einem Urlaub auf dem Bauernhof aufbricht, teilt sich die Geschichte in drei Parallelhandlungen: Duke und Max erleben Abenteuer auf dem Land. Daheim in Manhattan ist Gidget Max’ Lieblingsspielzeug, ein quietschendes Plastikbienchen, vom Balkon gefallen.

Wie hier nach der Devise „Weniger ist mehr“ eine scheinbare Banalität als existenzielles Drama erzählt wird, ist ganz große, hinreißende Kunst. Wohl nach dem Motto „Mehr ist eben doch mehr“ wird dann auch noch die Tiger-Katze Hu aus dem Zirkus befreit und muss von Snowball und Chloe in den teuren Appartements der Nachbarschaft in Sicherheit gebracht werden.

Unerhörter Spaß und große Beobachtungsgabe

Während „Pets“ sich ein wenig zu brachial des Tempos handelsüblicher Actionreißer bediente, könnte man hier unken, dass ein Handlungsstrang weniger aus „Pets 2“ wohl einen noch besseren, souveräneren Film gemacht hätte. Aber das ist Mäkeln auf hohem Niveau.

Einmal mehr zeigen sich hier die besonderen Talente von Regisseur Chris Renaud und Autor Brian Lynch, die neben „Pets“ zuvor auch die „Ich, einfach unverbesserlich“- Reihe in die Welt gesetzt hatten: Mit unerhörtem Spaß, großer Beobachtungsgabe und Sinn für Genauigkeit erschaffen sie unverwechselbare Charaktere, die in diesem Fall menschliche Archetypen mit spezifischem tierischem Verhalten kombinieren.

Ansonsten fallen jede Menge pink blühender Kirschbäume auf, möglicherweise eine absichtsvolle Verbeugung in Richtung der konkurrierenden Zeichentrick-Großmacht Japan. Und mit popkulturelle Referenzen von Paul Simon, der alten TV-Serie „Batman“, bis hin zu Jay-Z dürfen sich auch ältere Zuschauer jeder Generation angesprochen fühlen. „Pets 3“ kann kommen.