Konzert

Pink im Olympiastadion: Ein Höhenflug der Weltklasse

Pink tourt - und turnt - wieder. Die "Beautiful Trauma"-Tour zeigt eindrucksvoll, warum die Amerikanerin so problemlos Stadien füllt.

Begeistert ihr Publikum: Pink live im Berliner Olympiastadion.

Begeistert ihr Publikum: Pink live im Berliner Olympiastadion.

Berlin. Es konnte eigentlich gar nicht so viel anders kommen, wenn man ehrlich ist. Natürlich präsentiert Pink ihre erste Nummer im Olympiastadion nicht einfach so, sitzend, stehend oder laufend. Pink ist inzwischen gleichermaßen für ihre kraftvolle Stimme wie für ihren kraftvollen Einsatz bei Konzerten bekannt.

Und so erstaunt es die 60.000 Zuschauer gar nicht so sehr, dass sie zum Opener "Get The Party Started" ihre eigene große Party an einem von der Bühnendecke baumelnden Kronleuchter startet, auf dem sie herumturnt wie Spiderman an Hochhäusern.

Pink in Berlin: Alltagsaufstand in einer traumatischen Welt

Pink ist inzwischen im 20. Jahr ihrer Karriere angekommen, mit gerade 39 Jahren. Eine der wenigen Konstanten im schnelllebigen Popgeschäft und eine der ganz wenigen Frauen, die problemlos Stadien auf der ganzen Welt füllen. Anfangs noch flexibel im Erreichen ihres Publikums - das an diesem Abend ignorierte Debütalbum "Take Me Home" wilderte noch im damals enorm populären R'n'B - schwenkte sie zeitnah auf einen überwiegend gefälligen Pop-Rock um, den sie vor allem mit der Rolle als selbstbewusste Frau ohne Rücksicht auf Verluste vereinnahmte und ans Volk brachte.

Aufgebaut als Anti-Britney brachte sie etwas Anarchie ins Popgirl-Genre, auch, wenn das meistens kaum punkiger war, als zum Beispiel über eine rote Ampel zu gehen. Alltagsaufstand. Gegen Männer, gegen Vorurteile, gegen den Präsidenten - jetzt auch wieder in "Can We Pretend" als Ausdruck der Sehnsucht nach einer besseren Welt: "Können wir kurz so tun, als müssten wir nicht gegen den Präsidenten kämpfen?".

Pinke Laternen, Selfies und große Momente

Pink verwöhnt Berlin auf der "Beautiful Trauma"-Tour nach der anfänglichen Artisterei mit einer perfekt inszenierten Stadionshow, die halb Greatest Hits ("Who Knew", "Just Like A Pill", "Funhouse") ist, halb ein Einblick in die neueren Album. Zum einen das, nachdem die Tour benannt wurde, zum anderen "Hurts 2 B Human", das jenem recht zeitnah nachgereicht wurde.

Pink ist sich der Notwendigkeit einer gewissen Inszenierung im Stadion bewusst. So rollt sie bei "Beautiful Trauma" auf pinken Laternen über die Bühne, in "Try" spielt sie das tolle Musikvideo in einer Art “Tanz der Vampire auf Crack”-Version und begibt sich in eine Mischung aus Ballett und Prügelei mit einem Tänzer.

Zwischendurch gibt sie sich nahbar. Pink war noch nie beliebt, weil sie so eine Diva ist oder so abgehoben. Sondern weil sie für viele "eine von uns" ist, mit allen Höhen und Tiefen, die das so mit sich bringt. Und bereitwillig Kuscheltiere, T-Shirts und selbstgebastelte Werkzeuggürtel als Geschenke für ihre Kinder entgegen nimmt. “Ihr seid so liebenswert, danke.”

Abschuss in höhere Sphären

Zur Mitte hin dreht Pink dann auch mal etwas runter, das neue "Walk Me Home" wird entschleunigt dargeboten, besonders tief geht das neue "90 Days", gesungen mit Wrabel, der tags zuvor - gut beobachtet von Teilen der hervorragenden Band von Pink - im Badehaus vor einem Bruchteil der Zuschauer aufgetreten ist. Zwischendurch noch ein Cover, “River” von Bishop Briggs. Was ‘ne Stimme.

Dazu gibt Pink mehrfach zu Protokoll, wie toll alle sind, signiert noch schnell das Tattoo eines Fans (von ihrem Gesicht). Bevor sich dann die letzte halbe Stunde so ziemlich alles entlädt, was gut grölbar ist und Spaß macht. "Fuckin' Perfect" (bisschen bizarr, dass Pink sich hier selbst zensiert), "Raise Your Glass", "Blow Me (One Last Kiss)". Und weil die Künstlerin dann tatsächlich noch Luft hat, lässt sie kurz von ihrer radschlagenden Tochter Willow besuchen und dann zu “So What” an diversen Seilen durch das ganze Stadion schießen. Sie schwebt über den Köpfen, zirkuliert so wild, dass im Cirque-du-Soleil eine zweite Karriere wartet, sollte sie mal nicht mehr singen wollen.

Nach diesem Irrsinn dann noch einmal Gefühl, “Glitter In The Air”. Pink mal nicht mehr, sondern ganz geerdet in Jeans und weißem Shirt, zum Ende einer großen Party. Sie ist 20 Jahre hoch geflogen. Und wird dort wohl noch lange bleiben.

Diese Songs spielte Pink im Berliner Olympiastadion

Get the Party Started
Beautiful Trauma
Just Like a Pill
Who Knew
Revenge Land
Funhouse (mit Elementen von "Just a Girl" by No Doubt)
Hustle
Secrets
Nature
Try
Just Give Me a Reason
River (Bishop Briggs cover)
Just Like Fire
What About Us
For Now
90 Days (with Wrabel)
Time After Time (Cyndi-Lauper-Cover, Akustik-Version)
Walk Me Home (Akustik-Version)
I Am Here
F**kin' Perfect
Raise Your Glass
Blow Me (One Last Kiss)
Can We Pretend
So What
Glitter in the Air

Pink fotografiert Kinder am Holocaust-Mahnmal und erntet Kritik

Ihren Besuch in Berlin nutzte die Popsängerin auch für einen Besuch am Holocaust-Mahnmal in Mitte. Sie postete ein Foto ihrer beiden Kinder, die durch die Stelen des Berliner Holocaust-Mahnmals rennen. Schon vorab verteidigte sie das Bild gegen Kritik.

„Die Person, die dies erschaffen hat, glaubte daran, dass Kinder Kinder sein können. Für mich hat es die Bedeutung, das Leben nach dem Tod zu feiern“, erklärte die 39-Jährige am Sonntag auf Instagram. Außerdem seien ihre Kinder genauso wie sie und die gesamte Familie mütterlicherseits jüdisch.

Immer wieder gibt es Kritik, wenn Besucher des Mahnmals Selfies in dem Stelenfeld machen oder sich lachend dort zeigen. Der US-Architekt Peter Eisenman hatte dagegen erklärt, er habe keine Probleme damit, wenn etwa Kinder in dem gigantischen Stelenfeld spielen.