Das letzte Konzert vor der Sommerpause ist immer etwas Besonderes. Das Konzerthausorchester musste diesmal Abschied nehmen vom diesjährigen Artist-in-Residence András Schiff. Er präsentierte sich noch einmal mit all seinen Talenten in einer fulminanten One-Man-Show. Nicht genug, dass er den ganzen Abend über abwechselnd Klavier spielte und dirigierte, er griff auch zum Mikrofon und gab eine kleine Einführung in sein Konzertprogramm.

Er erzählte von dem Gänsehauterlebnis, das er hatte, als er tags zuvor das originale Manuskript von Beethovens 1. Klavierkonzert in der Staatsbibliothek einsehen durfte und von dem dreigestrichenen Fis, das er in den Noten gefunden hat. Typisch András Schiff, möchte man sagen. Auch bei einem Werk, das er seit Jahrzehnten verinnerlicht hat, blickt er immer wieder ehrfürchtig in die Handschrift, um nach Neuem zu suchen. Nichts geht ihm über das Quellenstudium und die Werktreue.

Das Thema des Abends: das Konzert

Der Abend im Konzerthaus schlug nicht nur einen weiten Bogen vom Barock bis in die Moderne. Er hatte auch ein schönes Thema: das Konzert. Schließlich gibt es nicht nur die üblichen Konzerte mit einem Solisten und Orchester, sondern auch Konzerte nur für Orchester und sogar Konzerte für ein einzelnes Instrument. Bachs Italienisches Konzert ist so ein Fall. Da ist ein ganzes Orchester samt Solisten in einem Tasteninstrument versteckt. Bach hat das Stück für ein zweimanualiges Cembalo geschrieben. Auf dem Flügel ist es schon schwieriger, die Lautstärken und Klangfarben entsprechend abzustufen. Für einen Bach-Kenner wie András Schiff ist das kein Problem. Er spielt mit extrovertiertem Schwung, allerdings eher routiniert als inspiriert.

Mit Beethovens 1. Klavierkonzert wird das anders. Da musiziert er so frei und übermütig, als würde das Werk aus dem Augenblick heraus entstehen. Aufbrausendes Temperament und Humor liegen dicht beieinander, Schiff überrascht mit kleinen Gefühlsexplosionen. Man spürt, wie sehr er sich in dem Werk zuhause fühlt. Er ist ein Ganzkörpermusiker. An seinem Minenspiel und seiner Haltung sieht man, in welcher emotionalen Verfassung sich das Werk gerade befindet. Er liebt es auch, das Orchester zu dirigieren. Wenn er nichts zu spielen hat, springt er auf und leitet die Musiker an. Wenn auch nur eine Hand nicht gebraucht wird, fliegt sie hoch und dirigiert.

Beim Konzert für Orchester seines ungarischen Landsmanns Béla Bartók kann er sich ganz aufs Dirigieren konzentrieren. Er formt den Klang mit bloßen Händen, beschwört dämonische und zärtliche Momente. András Schiff nennt das Stück, das im amerikanischen Exil entstanden ist, ein „Wunderwerk voller Resignation und Heimweh“. Für das Orchester ist es eine Herausforderung, denn die Musiker sind als Solisten gefragt. Das Konzerthausorchester zeigt gern, was es kann. Ein glänzendes Finale für die Saison.