Museum

Josef Schuster übt scharfe Kritik am Jüdischen Museum

„Außer Kontrolle geraten“: Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, kritisiert die Leitung des Museums.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden (Archivbild).

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden (Archivbild).

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Berlin. „Das Maß ist voll“, meint Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Das Jüdische Museum Berlin scheint gänzlich außer Kontrolle geraten zu sein.“ Unter diesen Umständen müsse man darüber nachdenken, ob die Bezeichnung „jüdisch“ für das Museum noch angemessen sei.

Die ungewöhnlich scharfe Kritik ist die Folge eines Tweets. Das Museum hatte am vergangenen Donnerstag im Kurznachrichtendienst Twitter einen „taz“-Artikel empfohlen, der unter der Überschrift „240 Akademiker gegen BDS-Votum“ erschienen war. „BDS“ steht für „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“ – eine propalästinensische Organisation, die zum Boykott Israels aufruft.

Bundestag hatte Boykottaufrufe gegen Israel verurteilt

Der Bundestag hatte am 17. Mai diese Boykottaufrufe gegen Israel verurteilt. Die „Argumentationsmuster“ der BDS-Bewegung seien antisemitisch, hieß es. Im Tweet des Museums steht nun, der Beschluss der Parlamentarier helfe im Kampf gegen Antisemitismus nicht weiter. Das sehen auch die besagten 240 Wissenschaftler so, die alle selbst israelisch und jüdisch sind.

Jeremy Issacharoff, der israelische Botschafter in Deutschland, bezeichnete den Vorgang als „beschämend“. Er twitterte: „Das Jüdische Museum soll eine kulturelle Einrichtung sein, ist aber sehr politisch, wenn es den Boykott Israels unterstützt und den Bundestag dafür kritisiert, Antisemitismus zu verurteilen!“

Bereits am Sonntag versuchte das Museum eine Schadensbegrenzung und erklärte, man habe sich „in keiner Weise gegen den Bundestagsbeschluss positioniert, sondern auf einen Diskussionsbeitrag von 240 Wissenschaftlern hingewiesen“. Der Zentralrat stellte am Dienstag auch die Frage, ob Museumsdirektor Peter Schäfer seiner Aufgabe noch gewachsen sei. „Das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft hat die Leitung des Hauses verspielt“, so Schuster.

Peter Schäfers Vertrag wurde bis 2020 verlängert

Das Jüdische Museum Berlin war in den vergangenen Monaten mehrfach wegen umstrittener Positionen in die Diskussion gekommen. Das führte sogar dahin, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte, die seinerzeit laufende, große Themenausstellung über die Stadt Jerusalem zu schließen. Im Raum stand der Vorwurf, die Ausstellung stelle vor allem die palästinensische Haltung zur umstrittenen Stadt dar.

Das Museum hatte auf Vorwürfe eher ungeschickt reagiert. Direktor Peter Schäfer (75), ein hochgeschätzter Judaist, geriet zunehmend als Führungsfigur in die Kritik. Im April wurde mitgeteilt, dass der Stiftungsrat seinen bis Ende August 2019 laufenden Vertrag um ein Jahr verlängert hat. Wodurch ihm ermöglicht wird, noch die Vorbereitungen für die neue Dauerausstellung zu begleiten. Die neue Dauerausstellung und ein geplantes Kindermuseum sollen gemeinsam im Mai 2020 eröffnet werden.