Nein, sie haben nicht Wort gehalten. Vor drei Jahren wollten sich die britischen Rockarbeiter Status Quo mit ihrer „Last Night Of The Electrics“ in der Max-Schmeling-Halle von den großen Bühnen verabschieden. Es war ein großartiges Konzert. Es sollte das letzte Mal sein, dass die Band mit lauten elektrischen Gitarren auf einer Berliner Bühne steht. Nur noch Shows mit akustischen Instrumenten wollten sie geben. Doch es kam alles anders.
Schon damals fehlte neben Sänger und Gitarrist Francis Rossi die andere Konstante der Truppe. Gitarrist und Sänger Rick Parfitt hatte die Band nach einem schweren Herzinfarkt verlassen. Bei der Abschiedstournee wurde er vom irischen Gitarristen Richie Malone vertreten. Im Dezember 2016 ist Parfitt gestorben. Und nach dem tragischen Ende des Erfolgsgespanns Rossi und Parfitt schien das Schicksal von Status Quo besiegelt.
Status Quo in Berlin: Rocken, als hätte es nie eine Abschiedstour gegeben
Am Montagabend aber stehen Status Quo vor rund 2000 so treuen wie sichtlich langjährigen Fans im Tempodrom. Als hätte es nie eine Abschiedstournee gegeben. Und sie rocken, was das Zeug hält. An vorderster Front der schlaksige Francis Rossi, der in der vergangenen Woche 70 Jahre alt geworden ist. Und im Publikum aufkommende „Happy Birthday“-Gesänge freundlich aber bestimmt abwürgt. Was sei den bitte schön daran, immer älter zu werden, fragt der Mann mit dem so trocken britischen Humor. Und leitet über zum nächsten Stück.
Wie jedes Konzert von Status Quo beginnt auch dieses mit dem Quo-Klassiker „Caroline“, gefolgt vom poppigen „Something Bout You Baby I Like“ aus den Siebzigern. Anstelle von Parfitt gehört Richie Malone nun fest zur Gruppe. Bei Stücken, die Parfitt gesungen hatte, springt verstärkt Bassist John „Rhino“ Edwards in die Bresche. Keyboarder und Gitarrist Andy Bown und Schlagzeuger Leon Cave komplettieren die Mannschaft.
Rossi kokettiert mit den Lästigkeiten des Alters
Diese Musik ist von schlichter Größe. Die klassischen Quo-Riffs, der treibende Boogie-Rhythmus, die vertrauten Refrains bringen das Tempodrom schnell in Bewegung. „Softer Ride“ mit der verheißungsvollen Zeile „I ain’t gonna work no more“ spielen sie und das sich aufschaukelnde „Hold You Back“. Man habe das Programm in Vierergruppen sortiert, um es sich besser merken zu können, flachst Rossi und kokettiert immer wieder gern mit den Lästigkeiten des Alters. Immerhin sei er jünger als Keyboarder Andy Bown, der mit seinen 73 Jahren der Gruppenälteste ist.
Der Sound ist bestens, die Band prächtig eingespielt und die Stücke kommen mit ungeheurer Energie über die Rampe. Mit „Cut Me Some Slack“ und „Liberty Lane“ haben sie sogar zwei brandneue Songs im Repertoire, die sich nahtlos ins klassische Programm einfügen. Und danach folgt Hit auf Hit. „What You’re Proposing“ eröffnet ein Medley mit „Down The Dustpipe”, „Wild Side of Life” und „Railroad”. Sie stellen sich in Pose, sie schwingen die Gitarren, sie fegen durch mehr als 50 Jahre Bandgeschichte. „The Oriental“ spielen sie und natürlich „In The Army Now”, „Down Down“ und „Whatever You Want“.
And they like it!
Zum Finale, auch das ist bei Status Quo gesetzt, hämmert „Rockin‘ All Over The World“ durchs Tempodrom. John Fogerty hat es geschrieben, Status Quo aber haben es berühmt gemacht. Und alles singt lautstark den „And I like it“-Refrain mit. Zwei Zugaben noch, „Don’t Waste My Time“ und Chuck Berrys „Bye Bye Johnny“, dann sind die atemlos machenden 90 Minuten auch schon wieder vorüber.
Es sind Partyhymnen für die Ewigkeit, die mit dem Namen Status Quo verbunden sind. Und wer soll sie spielen, wenn nicht Francis Rossi und seine Crew. Daran mag es wohl liegen, dass sie das mit dem Abschied von den elektrischen Gitarren doch nicht ganz so ernst genommen haben. Die Fans freut es, auch wenn man Rick Parfitt vermisst. Der Schlussapplaus ist lang und herzlich. Bye, Bye, Status Quo. Bis zum nächsten Mal.


