Wenn Hollywoodstars für ihre neuen Filme auf Promo-Tour gehen, sind sie es gewohnt, dass sie in jeder Stadt, in der sie aufschlagen, von vorne bis hinten bedient und verwöhnt werden. Nicht so Will Smith. Als der am Sonnabend in Berlin erschien, hielt er erst mal seinem Regisseur Guy Ritchie den Stuhl hin, vergewisserte sich, dass er auch bequem saß, und strich ihm übers Haar.“ „Das musste ich auch bei den Dreharbeiten jeden Tag tun“, frotzelte er, „das war vertraglich festgelegt.“

Ist natürlich ein Scherz. Aber Servilität gehörte bei dem Film quasi dazu. Denn in „Aladdin“, der am 23. Mai in die deutschen Kinos kommt, schlüpft Will Smith in die Rolle des blauhäutigen Dschinni, jenes Geistes aus der Wunderlampe, der – das wissen Sie aus dem Märchen aus „Tausendundeiner Nacht“ – jedem, der ihn aus seiner Lampe rubbelt, drei Wünsche erfüllt.

Der Film feierte am 11. Mai im neuen UCI Luxe Kino am Mercedes Platz Deutschland-Premiere. Will Smith nahm sich dabei reichlich Zeit für seine Fans, für Autogramme und, das ist ja jetzt viel angesagter, für Selfies mit den Zaungästen. Am Mittag davor aber stellte er sich bereits im Ritz Carlton Hotel den Fragen der Journalisten. Von denen nicht wenige jegliche berufliche Distanz fallen ließen und ebenfalls zu Fans wurden, die ein Foto von dem Star erhaschen wollten.

Will Smith als blauhäutiger Dschinni in dem Realfilm-Remake von Walt Disneys Trickfilmklassiker „Aladdin“.
Will Smith als blauhäutiger Dschinni in dem Realfilm-Remake von Walt Disneys Trickfilmklassiker „Aladdin“.© Walt Disney | Courtesy of Disney

Auch darüber konnte Will Smith nur schmunzeln. Er war in diesem Fall ja auch ein Fan. Schließlich ist „Aladdin“ das Realfilm-Remake von Walt Disneys gleichnamigem Trickfilmklassiker von 1992. Und wirklich jeder, der dabei mitgewirkt hat, kennt und liebt den 27 Jahre alten Film. Wie ist das dann für einen Schauspieler, im Remake mitzuwirken? Und vor allem: Was sagen die eigenen Kinder dazu?

Der Filmstar war noch nie so nervös vor einer Rolle

Will Smith, lässig im roten T-Shirt, nickte. Er war sich sehr unsicher, gibt er zu. Er hatte noch drei andere Angebote zu der Zeit.

Und tatsächlich war es sein Sohn Jaden, mit dem er schon in den Filmen „Das Streben nach Glück“ und „After Earth“ gemeinsam vor der Kamera stand, den er zuerst gefragt hat, was er machen sollte.

Aber Jaden habe nur große Augen gemacht und „Wie bitte...?“ gesagt. Wie konnte Dad ernsthaft überlegen – und nicht sofort zusagen? Smith aber hatte Muffensausen. Denn es gab gleich „zwei Stufen von Stress“ zu bewältigen, wie er gestand.

„Da war erst mal die Tatsache, dass du in einem Kinderfilm spielst. Da musst du noch mal eine Extraportion Verantwortung drauflegen, sonst verzeiht man dir das nie.“ Das war der eine Hemmschuh.

Robin Williams, das große Vorbild

Der andere aber war, dass im Original kein Geringerer als sein großer, 2014 verstorbener Kollege Robin Williams den Dschinni gesprochen – und mit seiner Performance die Zeichner inspiriert hat. „Robin revolutionierte das, was man machen kann im Trickfilm, er hat das Spiel verändert“, schwärmte Smith.

Deshalb sollte sein Spiel eine Hommage an Robin Williams sein – aber zugleich wollte er etwas ganz Eigenes daraus machen.

Der Dschinn und sein Gebieter Aladdin (Mena Massoud, l.).
Der Dschinn und sein Gebieter Aladdin (Mena Massoud, l.).© Daniel Smith | Foto: Daniel Smith / Walt Disney

Was gar nicht so einfach war: „Robin hatte als Komiker eine ganz einzigartige Persona.“ Das durfte man gar nicht erst kopieren, da hätte man eh nur verloren.

Smith näherte sich deshalb über die Musik. Er ist ja nicht nur Schauspieler, sondern auch Rapper. Und „Aladdin“ war als Trickfilm mit den Songs von Alan Menken so erfolgreich, dass daraus 2011 auch ein Bühnen-Musical wurde.

Remake und Bühnenverfilmung zugleich

So ist der neue „Aladdin“ nicht nur ein Remake des Trickfilms, sondern auch die Musical-Verfilmung. Und Menken, der ebenfalls in Berlin zu Gast ist, hat extra neue Songs komponiert, auch „A New Friend“ für Will Smiths Lampengeist. Da konnte der Star auf eigenem Parkett punkten.

Es ist lange her, dass Smith in Berlin war. Früher war er regelmäßig mit großen Filmpremieren zu Gast und hat dann gern das ganze Sony Center mit Rap-Einlagen eingenommen. Seit zehn Jahren aber hat der Superstar nicht mehr ein ganz so glückliches Händchen bei der Rollen-Wahl. An die großen His wie „Independence Day“ oder „Men in Black“ konnte er nicht mehr anknüpfen.

Da täte ihm ein Kassenerfolg mal wieder ganz gut. Den dürfte er mit „Aladdin“ – Robin Williams hin oder her – sicher in der Tasche haben. Weil Smith eine herrlich komische Sing-, Tanz- und Spiel-Performance hinlegt. Und weil jedes Kind einen Disney-Film sehen will. Aber eben auch die Eltern.

Will Smith hasst „Dumbo“ - wegen der Ohren

Smiths liebster Disney-Moment ist übrigens der Tod von Mufasa in „Der König der Löwen“. Da sei er total geschockt gewesen, das nimmt ihn immer wieder mit. Den Disney-Film, den er am meisten hasst, verriet er auch: „Dumbo“. In seiner Kindheit hätten auch ihn alle Dumbo genannt. Wegen seiner abstehenden Ohren. Die aber sind längst ein Markenzeichen.

Die Vorlage: Der Trickfilm von 1992, in dem der Dschinni noch nach dem Vorbild von Robin Williams gestaltet war
Die Vorlage: Der Trickfilm von 1992, in dem der Dschinni noch nach dem Vorbild von Robin Williams gestaltet war© action press | EVERETT COLLECTION, INC.

Den Dschinni spielt Smith die meiste Zeit mit blauem und nacktem Oberkörper. Sind die imponierenden Brustmuskeln im Film eigentlich echt oder hat man da am Computer ein wenig nachgeholfen? Was man da sehe, seien nur CGI-Effekte, das sei 100 Prozent Computer, nichts davon sei echt, frotzelte der Star.

Und musste selbst schallend lachen. Man kann verstehen, warum Disney diesen Mann als Dschinni haben wollte: Er gibt mit seiner guten Laune und seiner Schlagfertigkeit ständig den Alleinunterhalter und bringt wirklich jeden zum Schmunzeln.

Lieber einen Politiker spielen, als selber einer sein

Eine Frage, die er nun sicher überall hört, wo er den Film vorstellt, musste man auch hier stellen: Wenn er selbst drei Wünsche frei hätte, welche wären das? Da ist er ganz bescheiden und nannte nur einen: mehr Verständnis.

Vor zehn, 20 Jahren hätte er sich sicher andere und mehr Dinge gewünscht. Aber inzwischen ist er 50 und ein wenig weiser. Und das sei es, was am meisten fehle auf der Welt: mehr Verstand. Und mehr Verständnis füreinander.

Davon mangelt es derzeit auch in der Politik, nicht zuletzt in seinem eigenen Land. Kann Smith sich vorstellen, selber mal ein politisches Amt auszuüben, um die Welt besser zu machen? Kurzes Nachdenken.

„Ich denke, ich gehe lieber meinem Hauptberuf als Unterhalter nach“, sagte er. Und ist da ausnahmsweise ganz ernst. „Es ist wahrscheinlicher, dass ich mal Barack Obama spiele, als selber einer zu werden.“