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Christoph Eschenbach: „Ich glaube immer noch an Zukunft“

Wandelnde Musikgeschichte: Christoph Eschenbach (79) stellt sein Programm als neuer Chefdirigent am Konzerthaus vor.

Konzerthaus-Intendant Sebastian Nordmann (l.) präsentiert seinen neuen Chefdirigenten Christoph Eschenbach

Konzerthaus-Intendant Sebastian Nordmann (l.) präsentiert seinen neuen Chefdirigenten Christoph Eschenbach

Foto: Pablo Castagnola

Die junge Dirigentengeneration sei umgänglicher und kooperativer als die Pultherrscher alter Schule, wird gern behauptet. Da steckt viel Klischee drin. Wer Christoph Eschenbach, der bereits auf die 80 zugeht, am Dienstag bei seiner Antrittspressekonferenz im Konzerthaus erlebte, traf auf einen Chefdirigenten zum Anfassen. Offen, höflich, fit. „Ich glaube immer noch an Zukunft“, sagt er, als er auf seinen im Februar 2020 bevorstehenden Geburtstag angesprochen wird. Und der im Konzerthaus mit alten Weggefährten ausgiebig musikalisch gefeiert wird. Eschenbachs neue Orchestermusiker, die altersmäßig wohl wie Enkel zu ihm aufschauen, sprechen von einer Aufbruchsstimmung. Am 30. August dirigiert Eschenbach zu seiner ersten Saisoneröffnung Mahlers Achte. Drei Jahre geht zunächst sein Vertrag.

Der neue Chefdirigent startet einen Schostakowitsch-Zyklus

Der charismatische Pianist und Dirigent ist immer für eine Überraschung gut. Neben Beethoven, Brahms, Strauss will er in seiner Amtszeit einen Schostakowitsch-Zyklus starten, der auch mitgeschnitten werden soll. Zum Auftakt dirigiert er im Oktober die fünfte Sinfonie von Schostakowitsch. Eschenbach, der auch eine wandelnde Musikgeschichte ist, spielte in Berlin übrigens erstmals in den 60er-Jahren in der neuen Philharmonie unter Karajan.

Beiläufig erzählt er jetzt aus seiner Studienzeit, in der der Philosoph Theodor Adorno „wie ein Gott“ verehrt wurde. Adorno mochte Schostakowitsch nicht. Erst spät hat sich Eschenbach mit dem Komponisten befasst. Bei seinem neuen Orchester trifft er auf eine starke Schostakowitsch-Tradition, die der Dirigent Kurt Sanderling geprägt hatte. Das Notenmaterial, dessen Eintragungen noch auf Schostakowitsch zurückgehen, wie ein Musiker erzählt, wird wie ein Heiligtum im Orchester behütet. Mal sehen, wie Eschenbach damit umgeht.

Mit seinem neuen Chefdirigenten ist das Konzerthausorchester bei 21 Konzerten in Berlin und vier Gastspielen unter anderem in der Hamburger Elbphilharmonie zu erleben. Im Konzerthaus am Gendarmenmarkt sollen rund 550 Veranstaltungen stattfinden, davon 350 Eigenveranstaltungen. Das Konzerthausorchesters kündigt insgesamt 126 Konzerte. Die Auslastung lag im vergangenen Jahr bei gut 85 Prozent.

Christoph Eschenbach präsentiert seine Schlüsselwerke

Als neue Höhepunkte werden die „Hommage an Gidon Kremer“ im Oktober und das Islandfest im November genannt. Artist in Residence ist in der kommenden Saison der isländische Pianisten Víkingur Ólafsson. Eines seiner elf Residence-Programme wird ein Bach-Rezital sein. Eschenbach würde morgens immer etwas Bach am Klavier spielen, plaudert Intendant Sebastian Nordmann aus. Und Eschenbachs Amtsvorgänger Ivan Fischer ließ das Orchester zu Probenbeginn immer einen Bach-Choral spielen. Um den Kopf frei zu kriegen. „Bach ist das Fundament aller Musik“ sagt Eschenbach als gäbe es keine andere Erklärung. Eine neue Reihe am Haus heißt „Christoph Eschenbachs Schlüsselwerke“. Im Konzert am 2. März 202o wird Pianist Tzimon Barto Bach spielen.