Neu im Kino

„Jibril“: ein Liebesfilm, der über Gefängnisgitter geht

Die Babelsberger Filmstudentin Henrika Kulla, legt mit ihrem Erstling eine starke Romanze vor, die man so schnell nicht vergisst.

Die alleinerziehende Mutter Maraym (Susana Abdulmajid) verliebt sich stürmisch – in einen Mann im Gefängnis.

Die alleinerziehende Mutter Maraym (Susana Abdulmajid) verliebt sich stürmisch – in einen Mann im Gefängnis.

Foto: Missing Films

Eigentlich sollte Maryam (Susana Abdulmajid) nur ein Geschenk von Freuden in der Justizvollzugsanstalt abliefern. Doch als sie Jibril (Malik Adan) im Besucherraum gegenübersitzt, zum ersten Mal seit Jahren, springt der Funke über. Es spielt keine Rolle, warum der Charmebolzen zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde.

Maryam kümmert auch nicht, dass eine Beziehung zwischen seiner Einzelzelle und ihrer Freiheit zum Scheitern verurteilt scheint. Die Deutschlehrerin, die als alleinerziehende Mutter dreier Töchter ein leicht chaotisches Leben führt, verliebt sich.

Trotz mancher Selbstzweifel geht es Jibril genauso. Es folgen Besuche, Gespräche übers Münztelefon, schlaflose Stunden des Sehnens und schließlich erste Intimitäten, fatalerweise mithilfe eines illegal ins Gefängnis geschmuggelten Handys.

Henrika Kulla, eine aus dem Schwarzwald stammende Soziologin, studiert derzeit in Babelsberg Filmregie. „Jibril“ ist ihr erster langer Spielfilm, für den sie gerade mal das Budget eines Kurzfilms zur Verfügung hatte.

Das Patriarchat hinter Gittern

Doch mit viel Selbstausbeutung, Neugier und szenischem Gespür, Seite an Seite mit der auf Dokumentarfilme spezialisierten Kamerafrau Carolina Steinbrecher und ihrem charakterstarken Ensemble, gelang Kulla ein herausragendes Debüt.

Es lebt nicht zuletzt von der Gegenüberstellung der maskulinen Welt hinter Gittern und dem Matriarchat in Maryams Familie. In der kleinen Schnittmenge dieser beiden Welten lässt „Jibril“ eine postromantische Liebesgeschichte entstehen, die man so schnell nicht vergisst.