Neu im Kino

Fotograf Billingham erzählt nun auch mit bewegten Bildern

Als Fotograf ist er berühmt. Nun legt Richard Billingham seinen ersten Film vor. Mit dem altbekannten Sujet: seinen eigenen Eltern.

Er trinkt, sie raucht: Ella Smith als Liz, Justin Salinger als Ray

Er trinkt, sie raucht: Ella Smith als Liz, Justin Salinger als Ray

Foto: Rapid Eye Movies

Viel Drama gibt es in diesem Sozialdrama nicht: Richard Billinghams Film „Ray Liz“ zeigt Szenen mit denselben Personen, die stets dasselbe tun. Ray trinkt, Liz raucht. Dazwischen geht Ray zum Amt, die Stütze abholen. Liz sitzt zuhause und löst Puzzle. Ab und zu kommt Rays Bruder Lol zu Besuch, der das ist, was man „ein bisschen langsam“ nennt, und dafür von Untermieter Will gehänselt wird. Drum herum wachsen ihre Söhne Jason und Richard auf, in unbeobachteter Einsamkeit. Das ist eigentlich schon alles.

Mit „Ray Liz“ setzt der Fotograf Billingham seine künstlerische Beschäftigung mit dem eigenen Aufwachsen im sogenannten „Black Country“ in Mittelengland nun im Kino fort. Der Film ist sein Regiedebüt, diverse Foto- und Videoarbeiten über seinen alkoholkranken Vater Ray und die kettenrauchende Liz gingen ihm voraus.

Die Konzentration aufs Private hat bei Billingham Methode: Mit ihr will der Künstler gewissermaßen den wahren Verheerungen auf die Spur kommen, die Margaret Thatchers Austeritätspolitik im ehemaligen Kerngebiet der Industrialisierung, besagtem Black Country, hinterlassen haben.

Die Herkunft aus der Foto- und Videokunst ist dem Film dabei deutlich anzumerken. Billingham schildert kontemplativ, wenig zuspitzend, gleichsam beiläufig. Vignettenhaft wird das Familienleben in drei Epochen abgebildet.

Bilder, die lange nachwirken

Es beginnt mit dem alten, alkoholkranken Ray. Dann geht die Zeitreise zurück in die 80er-Jahre, als Sohn Jason zwei und Sohn Richard zehn Jahre ist. Im nächsten Zeitsprung ist Jason ein streunender Zehnjähriger und Richard ein feindseliger Teenager. Zum Schluss geht es wieder zum alten Ray, der nur noch Flüssigkeiten zu sich nehmen kann.

Die einzelnen Vignetten zeigen ein Leben ohne Höhepunkte, voller Nichtigkeiten, markiert allein von Tiefschlägen. Es finden keine Gespräche statt, nur Zankereien; selbst wenn die Beengtheit der Wohnverhältnisse sie zusammen zwingt, ist hier jede Figur ganz sich selbst überlassen. Eine Achtlosigkeit, die vor allem im Hinblick auf die Kinder richtig wehtut.

Gerade wenn man als Zuschauer den Blick abwenden will, merkt man, dass die Bilder nachwirken, dass man sie kaum mehr abschütteln kann. Billingham gelingt auf einzigartige Weise ein Porträt der sozialen Haltlosigkeit und Leere im gesellschaftlichen Abseits der Dauerarbeitslosigkeit.