Neu im Kino

Thriller mit überraschender Wende: „Im Netz der Versuchung“

Steven Knight hat mit großen Stars eine Hommage auf den Film Noir gedreht. Mit kühnen Wendungen, die dem Film nicht immer gut tun.

Baker (Matthew McConaughey) steht vor einer schweren Entscheidung.

Baker (Matthew McConaughey) steht vor einer schweren Entscheidung.

Foto: dpa

Manchmal locken Filme mit falschen Versprechen. Regisseur Steven Knight gaukelt dem Zuschauer in der ersten Hälfte von „Im Netz der Versuchung“ einen dem Film Noir huldigenden Erotik-Thriller vor, der dann unvermittelt in eine ganz andere Richtung kippt. Das ist mutig für eine Hollywoodproduktion mit Starbesetzung, hat sich aber in den US-Kinos als Flop entpuppt.

Dabei streut Knight von Anfang an Hinweise ein, die die Genregrenzen sprengende Wendung andeuten. Nur achtet man kaum darauf, widmet sich zunächst ganz dem Kriegsveteranen Baker Dill (Matthew McConaughey), der sich auf der Karibikinsel Plymouth eine kleine Existenz aufgebaut hat. Mit seinem Boot schippert er Touristen zum Angeln aufs Meer.

Abends teilt er mit seiner Geliebten Constance (Diane Lane) das Bett. Oder er hängt in der einzigen Bar der Insel herum. Wie in Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ ist er hinter einem gewaltigen Fisch her, einem Thunfisch, den er Justice getauft hat und wie ein Besessener jagt. Dafür verprellt er notfalls auch seine Fahrgäste. Ansonsten lebt er ein eher langweiliges Leben, das Kameramann Jess Hall in klischeehafte Reiseprospektbilder taucht.

Dann aber erscheint seine Ex-Frau Karen (Anne Hathaway). Die Bilderbuch-Femme-fatale klagt ihm ihr Leid mit ihrem neuen, gewalttätigen Ehemann Frank (Jason Clarke), unter dem auch Bakers Sohn Patrick (Rafael Sayegh) leidet. Zehn Millionen Dollar will sie Baker zahlen, wenn er mit Frank zum Angeln rausfährt und ihn den Haien zum Fraß vorwirft.

McConaughey, Hathaway & Hemingway

Der Mann steckt in der Bredouille. Der Film langsam auch. Denn was bislang eine auf Hochglanz polierte Film-noir-Hommage mit einem Schuss Hemingway war, schwappt plötzlich auf eine völlig neue Ebene. Das überrascht, verwirrt und stößt vor den Kopf.

Nichts ist mehr, wie es scheint und irgendwann wird auch klar, dass Knight uns ein ganz anderes Familiendrama erzählt. Wer Lust auf experimentierfreudiges Hollywoodkino hat, ist bei „Im Netz der Versuchung“ möglicherweise richtig. Wer aber einen konventionellen Thriller vor karibischer Traumkulisse erwartet, sollte diesen ambitionierten, aber dennoch nicht ganz geglückten Film besser meiden.