Hauptrolle Berlin

„Rosa Luxemburg“: Die zwei Gesichter einer Frau

Im Zoo Palast wird noch einmal „Rosa Luxemburg“ gezeigt. Und Margarethe von Trotta erzählt, wie sie den Film von Fassbinder geerbt hat.

Rosa Luxemburg (Barbara Sukowa) und Karl Liebknecht (Otto Sander) werden von einem Freikorps aufgegriffen.

Rosa Luxemburg (Barbara Sukowa) und Karl Liebknecht (Otto Sander) werden von einem Freikorps aufgegriffen.

Foto: imago stock

Gleich anfangs sitzt sie im Gefängnis. Es wird nicht das letzte Mal sein. Man bindet ihr ein Tuch vor die Augen, macht sie glauben, sie werde hingerichtet. Nur ein Jux. „Was nicht heißt“, so der russische Beamte, „dass wir Sie nicht doch eines Tages exekutieren.“

Später wird auch August Bebel, einer der Begründer der Sozialdemokratischen Partei, scherzen, wenn die Revolution komme, werde er sie aufhängen, um sich die Suppe nicht versalzen zu lassen. Am Ende haben das andere besorgt. Am 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die Anführer des linken Spartakusbundes, von einem Freikorps ermordet und ihre Leichen in den Landwehrkanal geworfen.

Keine Legendenbildung, kein Denkmal vom Sockel gestürzt

Rosa Luxemburg, eine streitbare, kämpferische Frau, die auf die Barrikaden ging. Und eine frühe Feministin. Noch heute wird jedes Jahr zum Andenken an die deutsch-polnische Sozialistin an ihrem Todestag demonstriert. Ein Platz in Mitte ist nach ihr benannt. Die Luxemburg, das ist ein Stück Berlin. 1985 hat Margarethe von Trotta ihr Leben verfilmt.

Am 7. Mai, nur vier Tage, nachdem sie in Berlin die Ehren-Lola erhält, wird die Regisseurin „Rosa Luxemburg“, einen ihrer bekanntesten Filme, noch einmal im Zoo Palast vorstellen, in der Reihe „Hauptrolle Berlin“, die das Kino mit der Berliner Morgenpost veranstaltet.

Ein Film, der weder Legendenbildung betreibt noch mit der Legende aufräumt. Sondern die Luxemburg einfach aus ihrer Perspektive zeigt: als Politikerin, als solche nicht selten allein unter lauter Männern. Aber auch als einsame Privatperson auf der Suche nach Liebe.

Ein Foto hatte es der Filmemacherin angetan. Eines, das die große Revolutionärin gar nicht kämpferisch zeigte. Das passte so gar nicht zu der Frau, die bei den 68er-Demos durch die Straßen getragen wurde. Das interessierte von Trotta. Sie wollte schon früh einen Film über Rosa Luxemburg machen, hätte sich das aber erst nach zehn Filmen zugetraut.

Den Grundstock bildeten private Briefe

Dann plante Fassbinder einen Film, hat sich auch ihre Einwilligung erbeten. Doch Fassbinder starb, und der Produzent meinte, von Trotta müsse übernehmen. Fassbinder hatte erst Hanna Schygulla und Romy Schneider im Kopf, dann Jane Fonda, letztere hatte auch schon zugesagt. Von Trotta entschied sich dagegen für Barbara Sukowa, die damit die Rolle ihres Lebens spielte.

Anfang der 80er-Jahre gab es nur zwei Biografien über die Luxemburg, beide waren hochpolitisch. Von der Privatperson erfuhr man nichts. Die Regisseurin hat dann aber lange im Ost-Berliner Institut für Marxismus-Leninismus gesessen und konnte dort all die privaten Briefe der Luxemburg studieren, die damals noch nicht veröffentlicht waren. Sie bildeten den Grundstock dieses Films, der eben sowohl die öffentliche Ikone als auch der private Frau zeigt. Die zwei Gesichter einer Frau.