Neu im Kino

Diven plaudern aus dem Nähkästchen: „Tea with the Dames“

Vier britische Schauspielerlegenden erzählen aus ihrem Leben. Das ist nicht nur hochamüsant, man kann auch einiges lernen.

Sie geben einmal genüsslich Einblick in ihre Vergangenheit: die britischen Dames Maggie Smith, Joan Plowright, Eileen Atkins und Judi Dench (v.l.).

Sie geben einmal genüsslich Einblick in ihre Vergangenheit: die britischen Dames Maggie Smith, Joan Plowright, Eileen Atkins und Judi Dench (v.l.).

Foto: Mark Johnson / KSM

Sie sind ziemlich beste Freundinnen. Und sie treffen sich seit Jahrzehnten immer wieder zum Tee. Um zu plauschen. Um in Erinnerungen zu schwelgen. Und auch mal zu sticheln, auch gegenseitig. Sie tun das auch, als ausnahmsweise ein Filmteam sie dabei aufnehmen darf. Denn vor der Kamera zu stehen, das sind sie gewohnt.

Die reizenden vier Damen, das sind allesamt Legenden der britischen Bühnen und der Kinoleinwand: Zwei von ihnen darf man Stars nennen, Joan Plowright und Eilen Atkins, zwei sogar Weltstars: Judi Dench, populär geworden nicht zuletzt als „M“ in den James-Bond-Filmen, und Maggie Smith durch die „Harry Potter“-Filme und die „Downton Abbey“-Serie.

Vorschreiben lassen sich die Damen nichts

Privat lassen sie sich allerdings nicht so leicht inszenieren wie in ihren Rollen. Roger Mitchel, der Regisseur von „Notting Hill“, war es für „Tea With The Dames - Ein unvergesslicher Nachmittag“ immerhin gewährt, sie bei einem ihrer legendären Teerunden im Garten von Joan Plowright zu besuchen. Aber vorschreiben lassen sich die Damen dabei nichts. Und wenn mal was gegen ihren Strich geht, kann eine Judi Dench schon mal etwas gröber werden.

Nur eines kann die vier Freundinnen mal kurz auseinanderbringen: das englische Wetter. Es fängt während der Dreharbeiten nämlich schon recht früh zu regnen an. Ein Großteil des Gesprächs findet dann in dem luxuriösen Landhaus statt, in dem Plowright mit ihrem Mann Laurence Olivier, noch eine Schauspiellegende, gelebt hat.

Sie alle haben ihr Handwerk auf der Bühne gelernt. Haben nicht selten zusammen gespielt. Und so manche bittere Erfahrungen geschluckt. Etwa mit dem verblichenen Hausherrn: „Alle waren nervös, wenn sie mit Olivier zu tun hatten“, erinnert sich Maggie Smith mit Grausen. Joan Plowright, seine Witwe, weiß das besser als alle: „Er war wie eine Naturgewalt. Und manchmal auch ein Alptraum.“

Sie erzählen, wie grausam Regisseure Schauspieler manchmal behandeln können. Und wie schrecklich immer wieder das Lampenfieber sei. Alle denken ja immer, solch alte Damen könne nichts mehr erschüttern. Aber nein. Eileen Atkins versichert, sie würde sich vor jeder Theatervorführung überlegen, ob sie sich nicht doch lieber vor dem Theater von einem Auto überfahren lassen sollten.

„Haben wir zusammen drei funktionierende Augen?“

Sie alle eint noch etwas: Sie alle sind zur „Dame“ ernannt worden. Die einen von Queen Elizabeth, die anderen von Prince Charles. Auch darüber wissen sie hübsche Anekdoten zu erzählen, was so ein alter Titel eigentlich soll. Und ob man auch als „Dame“ noch weiter beherzt fluchen darf.

Am hübschesten ist es aber, wenn die Damen, die insgesamt auf 341 Jahren an Lebenserfahrung kommen, sich über ihre eigenen Gebrechen lustig machen. Als Joan Plowright meint, eins ihrer Hörgeräte sei ausgefallen, kontert Maggie Smith trocken: „Soll ich dir meins geben?“ Und Judi Dench fragt keck in die Runde: „haben wir zusammengerechnet überhaupt noch drei funktionierende Augen?“

Sicher hätte man sich einen runderen, dramaturgisch raffinierteren Film vorstellen können. Aber Regisseur Mitchell durfte mit seinem Team offensichtlich wirklich nur einmal zum Tee vorbeischauen. Und er hat das Beste daraus gemacht und lässt die Schauspiellegenden einfach aus dem Nähkästchen plaudern. Im Quartett oder auch mal paarweise.

Sofort mag man die alten Filme noch mal schauen

Dazwischen gibt es immer wieder Ausschnitte aus dem einen oder anderen bekannten Film, vor allem aber von frühen Theaterauftritten, die den Zuschauern außerhalb Großbritanniens, aber selbst auf der Insel dem jüngeren Publikum wohl nicht bekannt sein dürften.

Ein Teekränzchen also, bei dem man die großen Damen einmal ungewohnt nah sein darf. Bei dem man viel Süßes, aber auch manch Saures erfährt. Und bei dem man sofort Lust bekommt, mal wieder alte Filme mit ihnen zu schauen.

Dokumentarfilm GB 2019 84 min), von Roger Michell, mit Judi Dench, Maggie Smith, Joan Plowright und Eileen Atkins