Schloss Rheinsberg

Georg Quander veranstaltet erstmals Osterfestspiele

Barenboims früherer Staatsopern-Intendant Georg Quander veranstaltet erstmals Osterfestspiele Schloss Rheinsberg.

Georg Quander war Intendant der Staatsoper Unter den Linden, jetzt leitet er die Musikakademie und Kammeroper Schloss Rheinsberg.

Georg Quander war Intendant der Staatsoper Unter den Linden, jetzt leitet er die Musikakademie und Kammeroper Schloss Rheinsberg.

Foto: Reto Klar

Berlin. Georg Quander wagt sich gleich mit seinem Amtsantritt an ein großes neues Projekt: die Osterfestspiele Schloss Rheinsberg. Der langjährige Staatsopern-Intendant an der Seite von Daniel Barenboim und spätere Kölner Kulturdezernent leitet jetzt die Musikeinrichtungen am einstigen Musenhof des Preußenprinzen Friedrich. Im Gespräch erklärt Quander, warum sich ein Ausflug nach Rheinsberg lohnt.

Berliner Morgenpost: In Rheinsberg sind Sie erst seit Oktober künstlerischer Direktor und gründen als erstes Osterfestspiele. Glauben Sie, dass es dafür parallel zu den von Daniel Barenboim geleiteten Festtagen in der Staatsoper einen Bedarf gibt?

Georg Quander: Die Festtage hatten Barenboim und ich gemeinsam gegründet und es war damals auch ein Experiment. Viele haben uns für verrückt erklärt, das über Ostern zu machen. Wir bewegen uns in Rheinsberg natürlich in einem viel kleineren Format. Aber ich denke, dass es einen Bedarf gibt, weil viele Kulturinteressierte zu Ostern aus der Großstadt rauswollen. Ich glaube, dass wir einen Nerv treffen. Es wird eine Zeit brauchen, aber auch die Festtage waren nicht von Anfang an ausverkauft.

Haben Sie etwas aus der Festtage-Zeit mit Barenboim gelernt?

In Berlin haben wir bewusst mit Palmsonntag begonnen und bis Ostermontag geplant. In Rheinsberg gehen wir auf die Osterfeiertage und das Wochenende darauf. Man muss leider sagen, dass die Nachfrage dafür schlechter läuft. Das werden wir wohl nachjustieren müssen. In Berlin sind die Festtage klar auf die Person Barenboim und die Musik fixiert. Wir sind anders strukturiert, weil ich mit Blick auf den Rheinsberger Musenhof bewusst die Sparten stärker mische, wir setzen auf Oper, Schauspiel, Konzert, Architektur oder Schlossgeschichte.

Mit dem Renaissance-Theater und der Lautten Compagnie haben Sie sich Berliner Partner ins Boot geholt. Weil es Vertraute sind oder die Künstler ihr Publikum mitbringen?

Es ist eine Qualitätsfrage. Ich wollte einen guten Schauspielabend haben, den wir selber nicht produzieren können. Da ist Johanna Schalls Inszenierung von Peter Hacks’ „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ aus dem Renaissancetheater genau das Richtige. Auf der anderen Seite wollte ich ein Ensemble haben, das auf Originalinstrumenten spielt. Die Lautten Compagney spielt zum Auftakt Joseph Haydns Oper „L’isola disabitata“.

Was soll der Besucher nach den Festspielen darüber erzählen?

Dass er ein tolles Kulturangebot in einer wunderschönen Landschaft genossen hat. Dann soll er von seinem einmaligen Osterspaziergang erzählen.

Sie sind Chef der fusionierten Musikakademie und der Kammeroper Schloss Rheinsberg. Ein Sommerfestival und eine ganzjährige Ausbildungsstätte passen nicht zusammen, sagt Kammeropern-Gründer Siegfried Matthus. Was sind Ihre ersten Erfahrungen?

Ich habe das Gefühl, es passt gut zusammen. Natürlich sind es unterschiedliche Aufgabenstellungen. Deswegen arbeiten wir bei den Osterfestspielen mit jungen Opernsängern der Kammeroper und holen uns externen Sachverstand wie Regisseure, Bühnenbildner oder eben die Lautten Compagney dazu. In Zukunft werden wir vielleicht im Bereich des Instrumentalensembles etwas entwickeln, was stärker aus der Musikakademie hervorgeht.

Sie wollen ein Akademie-Orchester gründen?

Nein, wir denken im Moment darüber nach, ob wir den jährlich neu vergebenen Titel Rheinsberger Hofkapelle anders handhaben. In diesem Jahr haben wir den Titel erstmals öffentlich in ganz Europa ausgeschrieben, 16 Ensembles haben sich für den Titel beworben. Drei Ensembles werden sich am 1. Mai einer Jury im Schlosstheater zur Wahl stellen. Der Sieger bekommt dann Arbeitsaufgaben, es könnte künftig auch die Bildung eines Opernorchesters für den Festivalbetrieb beinhalten. Das wäre dann für 2020 oder 2021.

Siegfried Matthus war ziemlich empört darüber, dass sein Sohn Frank Matthus die Leitung der Kammeroper an Sie abgeben musste. Haben sich die Wogen geglättet?

Frank hat die Leitung nicht an mich abgegeben, die Entscheidung fiel vorher. Anschließend wurde ein gemeinsamer Leiter für Akademie und Kammeroper gesucht. Zu Frank Matthus habe ich ein sehr entspanntes und kollegiales Verhältnis. Wir sind im Gespräch, dass er in den nächsten Jahren eine Inszenierung bei der Kammeroper machen wird. Zu Siegfried Matthus gibt es leider nach wie vor keinen Draht.

Was werden Sie bei der Kammeroper Schloss Rheinsberg im Sommer aus der Ära Siegfried und Frank Matthus übernehmen und was verändern?

Wir übernehmen, dass im Heckentheater gespielt wird und die Operngala im Schlosshof. Was wir konkret nicht übernehmen können, ist die Veranstaltung „Der singende See“ und die Festspielfanfare von Siegfried Matthus. Das hat er uns untersagt. Ich werde neu einführen, dass wir die Opernaufführungen mit thematischen Konzerten begleiten. In diesem Sommer zeigen wir Friedrich von Flotows Oper „Martha“, dazu gibt es ein Sinfoniekonzert mit Werken von Mendelssohn und Flotow, das die Brandenburgischen Symphonikern unter Peter Gülke spielt. Geplant ist auch ein Kammerkonzert im Spiegelsaal des Schlosses.

Rheinsberg lebt von der Schlossanlage. Die Stiftung Preußische Schlösser & Gärten Berlin-Brandenburg hatte den Zugang über die Jahre hinweg immer schwieriger gemacht. Wie laufen Ihre Absprachen, um das Areal zu nutzen?

Für die Osterfestspiele sind sie völlig problemlos, weil wir im Schlosstheater spielen, wo wir selber der Hausherr sind. Darüber hinaus haben eine wunderbare Kooperation mit der Schlossverwaltung, die extra dafür thematische Sonderführungen aufgelegt hat. Dazu gehört auch der Osterspaziergang durch den Park. Wir haben bereits besprochen, dass wir in der nächsten Saison eine kleine Konzertreihe im Spiegelsaal anbieten wollen. Schwierig ist es manchmal, wenn es um historische Stätten wie den Schlosshof geht. Unsere geltende Vereinbarung ist vielleicht ein bisschen restriktiv, wir können kaum ein Bühnenbild hinstellen. Das würden wir uns anders wünschen. Ich denke gerade darüber nach, ob wir andere Plätze im Schlossareal für theatralische Aufführungen nutzen können.

Die Stadt war sicherlich auch für Sie eine Neuentdeckung. Was empfehlen Sie einem Rheinsberg-Besucher?

Offen gestanden hatte ich den Schlosspark, der ja weit bis in den Wald hinein geht, in seiner Dimension unterschätzt. Man entdeckt immer wieder etwas aus der Zeit, als der Park vom Schloss aus bespielt wurde. Er ist einmalig schön und lädt zu Spaziergängen ein, bei denen man den Kopf frei bekommt.