Musical-Premiere

Take That bringt sogar die Quadriga zum Schwingen

Im Theater des Westens feiert das Take-That-Musical „The Band“ rauschende Premiere. Da kann man schon mal einen Schuh verlieren.

Ein Mädchentraum wird wahr: Die Idole der Jungenband springen plötzlich aus den Spinds in der Schule ins Leben der Teenies.

Ein Mädchentraum wird wahr: Die Idole der Jungenband springen plötzlich aus den Spinds in der Schule ins Leben der Teenies.

Foto: Stage Entertainment

Rücksturz in die 90er-Jahre: Das Theater des Westens wirft einen zurück in die große Zeit der Boybands. Und das zu all den Hits von Take That. Das Musical „The Band“ feierte hier am 11. April rauschende deutsche Erstaufführung. Dabei geht es zwar nicht um die Band, das Stück ist aber auch nicht, wie etwa das Abba-Musical „Mamma Mia!“, nur Rahmen für eine gänzlich entrückte Komödie. Das Stück von Tim Firth handelt vor allem von dem, was solche Bands am Leben hält: den Fans.

Fünf 16-Jährige schwärmen für ihre Stars. Hören sie überall, haben sie ständig im Kopf. Und da macht es bühnentechnisch nur Sinn, wenn die Fünf dann auch aus dem Fernseher, dem Schrank oder dem Schulspind auf die Bühne springen. Doch das Stück begnügt sich nicht nur mit nostalgischem Teenie-Rückblick: Es wird plötzlich ganz ernst, wenn gleich nach ihrem ersten Konzert mit ihren Idolen eine der fünf bei einem Unfall stirbt. Ein Schicksalsschlag, der die fünf auseinanderreißt.

Schluss mit der Nostalgie. Plötzlich sind wir 25 Jahre weiter. Eine der Vieren, Rachel (Silke Geertz) träumt ihrer Jugend nach. Gewinnt eine Reise nach Prag, zu einem Reunion-Konzert der Band. Und lädt die drei Freundinnen von einst (Laura Leyh, Heike Kloss und Yvonne Köstler), die sie 25 Jahre lang nicht gesehen hat, dazu ein. Erstmals treffen sie sich wieder. Und alle ziehen eine Bilanz ihres Lebens.

Die Jungs müssen sich mit der echten Band messen

Zu alldem erklingen natürlich all die Hits der Band wie „Pray“ oder „Never Forget“. Und selbst wer nie etwas mit dieser Musik anfangen konnte, wird da mitgehen.

Die fünf jungen Sänger und Tänzer (Helge Mark Lodder, Taddeo Pellegrini, Alex Charles, Sario Solomon und Prince Damien, der Gewinner der 13. Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“) müssen sich dabei allerdings den steten Vergleich mit dem Original gefallen lassen, das natürlich jeder im Kopf hat.

Gesungen werden die Songs auf Englisch. Das ist bei „Mamma mia!“ dann doch charmanter, wenn die Bühnendialoge fließend in die Liedtexte übergehen. Aber hier sind die Songs halt mal Kommentar, mal Trost, mal kleine Lebensflucht.

Ein sechster Herr darf alle anderen Spießerherren spielen, den Hausmeister, den Bühnentechniker, einen Polizisten. Und auch die Jungs von der Band sind mal Flugpersonal, mal Polizisten, mal Statuen in einem Springbrunnen. Und als die Handlung für eine Sekunde von England nach Berlin springt, sind sie sogar die leibhaftige Quadriga. Und bringen das Brandenburger Tor zum Schwingen.

Dennoch sind die Boyband-Boys am Ende nur Backgroundsänger. Denn es geht um die Mädels von einst und heute. Die verpassen zwar letztlich das Reunion-Konzert, finden dafür aber zu sich selbst zurück und feiern ihre ganz eigene Reunion. Und ganz zum Schluss treffen die älteren Ladies auf ihre jugendlichen Egos – und singen bei dem Ohrwurm „Back for Good“ – dem mit den vielen Falsettsprüngen – alle zusammen: das Jungens-Quintett als Ladies‘-Oktett. Spätestens da bleibt kein Auge trocken. Gut, dass vorab auf jeden Sitz ein Taschentuch platziert wurde.

Das wird ein Hit an der Kantstraße

„The Band“ ist klug geschrieben. Und mit Verve inszeniert. Mal ist die Bühne Mädchenzimmer, dann Konzerthalle. Dann fährt auch mal ein Bus in die Szene. Und schließlich hebt man sogar mit einem Flugzeug ab.

Ein rasantes, fetziges Spektakel, ein Abend voller Lacher, zündenden Ideen – und auch manchem Kloß im Hals. Am Ende singen noch zahlreiche weitere Mädels mit: die im Publikum nämlich, die 1993 wohl auch noch Teenies waren.

Man darf jetzt schon sagen: Das wird ein Hit an der Kantstraße! Das hat so viel Schwung, dass Prince Damien zum Finale sogar einen Schuh verliert.