Classic Open Air

Anna Loos: „Toller Einstieg in die Klassik“

Zwischen Pop und Klassik: Festivalchef Gerhard Kämpfe stellt seine Künstler für das Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt vor.

Die Prinzen und ihre neue Prinzessin: Die Sänger Sebastian Krumbiegel, Anna Loos und Tobias Künzel posieren auf dem Gendarmenmarkt

Die Prinzen und ihre neue Prinzessin: Die Sänger Sebastian Krumbiegel, Anna Loos und Tobias Künzel posieren auf dem Gendarmenmarkt

Foto: Jens Kalaene / picture alliance/dpa/picture alliance

Berlin. Wenn Festivalchef Gerhard Kämpfe die Künstler seines „Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt“ präsentiert, passiert immer etwas Außergewöhnliches: Auf dem Podium sitzen Künstler nebeneinander, die normalerweise überhaupt keine Berührungspunkte haben. Beispielsweise saß an diesem Montag die Berliner Schauspielerin und Sängerin Anna Loos gleich neben dem elitären Stradivari-Geiger Yury Revich, der aus Russland stammt und heute zwischen Wien und London lebt. Beide Künstler lächelten sich fragend an, was fürs erste Kennenlernen immer gut ist. Anna Loos wird im Eröffnungsprogramm „First Night“ am 4. Juli singen, Yury Revich spielt am Tag darauf im Programm „Highlights der Klassik“. Insgesamt finden auf dem Gendarmenmarkt fünf Konzerte bis zum 8. Juli statt. Ein buntes Programm. Auf dem Podium saßen dafür Dirigent Florian Csizmadia, Boogie-Woogie-Pianist Axel Zwingenberger sowie Tobias Künzel und Sebastian Krumbiegel von den Prinzen.

Kämpfes Pressekonferenzen sind auch im 28. Festivaljahr wieder Plaudereien über das Künstlerdasein und sich selbst. Eine seiner Lieblingsfrotzeleien betrifft den auf dem Podium sitzenden Geschäftsführer Mario Hempel. Als sie gemeinsam anfingen, sagt Grauschopf Kämpfe, hätte er selbst schwarze und Mario noch Haare gehabt. Der Geschäftsführer verzieht keine Miene. Das hat er schon im vergangenen Jahr nicht getan. Einer muss halt mit ernster Miene die Geschäfte führen. Mit der sagt er etwa, dass das derzeitig sonnige Wetter für den Vorverkauf sehr gut sei. Bei einer Frotzelei über das Programmangebot nicken sich beide Chefs wissend an. Es passiere immer wieder, sagt Kämpfe, dass Leute für ein Konzert Karten kaufen wollen und deshalb fragen, an welchem Abend das große Feuerwerk stattfinde.

Die First Night ist eine Liebeserklärung an Berlin

Traditionell findet das Feuerwerk am Ende der „First Night“ statt. Der erste Abend ist in diesem Jahr „Berlin, Berlin!“ überschrieben. Kämpfe nennt es eine Liebeserklärung an die Hauptstadt, 200 Jahre Musikgeschichte werden sich in dem Programm des Deutschen Filmorchesters Babelsberg spiegeln. In der Moderation von Kim Fisher treten Künstler wie Angelika Milster, Klaus Hoffmann, die Band Culcha Candela und aus der Klassik Leute wie Carsten Sabrowski, Stephan Rügamer und Jennifer Riedel auf. Anna Loos stellt den Titel ihres neuen Soloalbums „Werkzeugkasten“ vor. Sie erklärt ihre Songs als eine Reise durch ihr Leben – und es seien „nicht immer die glücklichsten Erlebnisse“ gewesen. Zuletzt war Anna Loos als Sängerin von Silly auf dem Gendarmenmarkt zu erleben. Aber seit Dezember geht man offiziell getrennte Wege.

Zum Berlin der 20er-Jahre gehörten viele jüdische Künstler, was im Eröffnungsprogramm eine musikalische Rolle spielt. Auch da ist Kämpfe ein Kenner. Namen wie Karsten Troyke, Sharon Brauner, Ilja Richter und die Swing-Familie Hermlin, die zur „First Night“ gehören, tauchen auch bei den von Gerhard Kämpfe geleiteten Jüdischen Kulturtagen in Berlin auf. In diesem November wird erstmals der Geigenvirtuose Yury Revich dabei sein.

Wie man Bach mit der Muttermilch einsaugt

Das Finale am 8. Juli ist den Prinzen plus Sinfonieorchester vorbehalten. Die Leipziger Popband mit Hits wie „Alles nur geklaut“, „Ich wäre so gerne Millionär“ oder „Küssen verboten“ ist an diesem Montag durch Tobias Künzel und Sebastian Krumbiegel vertreten. Letzterer ist eindeutig der Wortführer. Den 1991 gegründeten Prinzen gehören vier ehemalige Leipziger Thomaner und ein Dresdner Kruzianer an. Krumbiegel erklärt, wie es ist, wenn man „Bach mit der Muttermilch eingesaugt hat“. Er erteilt aber der Trennung in E- und U-Musik eine klare Absage. Es gäbe keinen elitären Anspruch auf Musik, sagt er, und keiner dürfe ausgeschlossen werden. Beiläufig zitiert Krumbiegel gleich noch seinen Vater: „Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.“ Was die orchestralen Grenzgänge zwischen den Musikstilen angeht, darüber scheinen sich alle Teilnehmer des Podiums einig zu sein. „Es ist ein toller Einstieg in die Klassik“, sagt Anna Loos. Und alle nicken.

Das Programm von Classic Open Air

Mit der „First Night – Berlin, Berlin!“ wird am 4. Juli das Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt eröffnet. Moderiert von Kim Fisher spielt das Deutsche Filmorchester Babelsberg. Dabei sind Anna Loos, Angelika Milster, Klaus Hoffmann und Culcha Candela. Der Abend endet mit einem großen Feuerwerk.

Im Programm „Highlights der Klassik“ am 5. Juli spielt unter anderem der Geiger Yury Revich. Am 6. Juli folgt das vom Philharmonischen Orchester Vorpommern präsentierte Programm „Opera Italiana“. Die Klaviervirtuosen Joja Wendt, Sebastian Knauer, Axel Zwingenberger und Martin Tingvall präsentieren am 7. Juli ihr Erfolgsprogramm „Vier Pianisten – ein Konzert“. Die Prinzen singen am 8. Juli ihre größten Hits und werden dabei vom Orchester der Musikalischen Komödie Leipzig begleitet. Zu Gast ist Sängerin Christina Stürmer.
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