Schlosspark Theater

„Charlys Tante“ bietet puren, krachenden Klamauk

René Heinersdorff legt am Schlosspark Theater eine neue Fassung des unverwüstlichen Travestie-Klamauks vor.

Markus Majowski (Mitte) in „Charlys Tante“ am Schlosspark Theater.

Markus Majowski (Mitte) in „Charlys Tante“ am Schlosspark Theater.

Foto: DERDEHMEL/Urbschat

Berlin. Wenn es um seine Töchter Aishe und Sema geht, kennt Herr Spittigül kein Erbarmen. Nicht mit ihnen und erst recht nicht mit jungen Männern, die sich den Mädchen in amourösen Absichten nähern. Der türkische Geschäftsmann („Import, Export, Elektrowaren“) ist durch und durch ein Mann der Ehre. Kratzt jemand die seine oder die seiner Töchter an, jault er mit türkischem Akzent dramatisch auf: „Mein Herz blütet.“ Zwei andere Herzen stehen derweil in Flammen, die von Jack und Charly nämlich, die sich schwer in die türkischen Schwestern verguckt haben. Aber Spittigül glaubt, die Sache im Griff zu haben.

Nicht gerechnet hat er dabei mit „Charlys Tante“. Als der Autor Brandon Thomas sie vor rund 125 Jahren erfand, spielte Spittigül dabei noch keine Rolle. Inzwischen wurde der unverwüstliche Travestie-Klamauk in über 100 Sprachen übersetzt und vielfach überarbeitet, für die Bühne und auch für den Film. Peter Alexander steckte einst ebenso im Tanten-Fummel wie Heinz Rühmann.

Eine weitere Version legt nun René Heinersdorff vor und inszenierte sie, mit Markus Majowski in der Titelrolle, auch gleich selbst. Im Schlosspark Theater modifiziert er dabei den Komödien-Kern sehr clever.

Purer, krachender, ehrlicher Klamauk

Die ganze verwickelte Chose hat ihren Ursprung ja darin, dass zwei junge Frauen ihre Verehrer nicht ohne Anstandsdame treffen dürfen. Zeitgemäß ist das nicht mehr. Außer vielleicht in sehr konservativen, traditionell geprägten Familienstrukturen. Auftritt Herr Spittigül. Der erlaubt das Stelldichein nur unter Aufsicht. Praktischerweise hat sich Charlys millionenschwere Tante aus Brasilien angekündigt. Unpraktischerweise verspätet sie sich, so dass schnell Ersatz hermuss.

Da das Stelldichein im Gewächshaus des Zoos stattfinden soll, wird Hausmeister Babbs flott zur Dame umdekoriert. Es kommt zu Verwicklungen, es knallen die Türen, es fliegen die Herzen vom einen zum anderen. Dazu zwitschern die Vögel, kreischen die Affen im von Thomas Pekny auf die Bühne gestellten gläsernen Gewächshaus.

Was hier zu sehen ist, will nichts anderes sein als purer, krachender, ehrlicher Klamauk. Der braucht allerdings ein Tempo, bei dem nicht alle im Ensemble gleichermaßen mithalten konnten.

Markus Majowski steht die Rolle der falschen Tante fabelhaft

Dass es trotzdem ziemlich lustig wurde, lag zuvorderst an Markus Majowski, dem die Rockrolle als falsche Tante fabelhaft steht. Wie er kiekst und gurrt, wie er halbelegant eine Ohnmacht hinplumpst und sehr elegant mit trockenen Kommentaren sich erst in diverse pikante Situationen rein- und dann gleich wieder rausquatscht, das überzeugt. Dem Charme der wackeren Wuchtbrumme erliegt selbst Spittigül. Den macht Aykut Kayacik mit viel Gespür fürs richtige Timing zur zweiten Hauptfigur des Abends, ein selbstbewusster Patriarch, ein feuriger Heißsporn ist er, der allerdings beim von ihm angebeteten falschen Tantchen butterweich wird. Der Macho und die lebenslustige Matrone, sie sind ein echtes Dreamteam und spielen mit Verve über die eine oder andere Holprigkeit des Abends hinweg. Großer Applaus.

Schlosspark Theater, Schloßstr. 48. Kartentel.: 789 56 67 100. Nächste Termine: 8.4. sowie 8. bis 19.5.