Konzert in Berlin

The Specials begeistern in der Max-Schmeling-Halle

Die Band The Specials ist in der Max-Schmeling-Halle aufgetreten. Mit unverwechselbarem Sound, aber ohne Bezug zum Publikum.

The Specials in der Max-Schmeling-Halle

The Specials in der Max-Schmeling-Halle

Foto: Sebastian Blottner

Berlin.  Innerhalb von nur zwei Jahren und mit zwei entscheidenden Alben wurden The Specials 1979 bis 1981 zu einer weltweit gefeierten Kultband. Den so schnell wie verdient erlangten Ruhm können sie trotz Trennungen und Umbesetzungen bis heute ausschlachten. Es ist ganz erstaunlich, wer da alles herausgekrochen kommt, wenn sich diese Band die Ehre gibt. Zu klein wird da die Columbiahalle, also wurde das Konzert am Mittwochabend in die Max-Schmeling-Halle verlegt. Zigtausende füllen die Arena, auf den Rängen wird getanzt und im Innenraum geschwoft.

Bühnendesign simpel, aber genial

Der unverwechselbare Specials-Sound aber ist allemal original und die Technik liefert ihn in Topqualität. Das Bühnendesign ist simpel und doch recht genial. Dutzende Attrappen von Demo-Plakaten bilden eine bunte Wand, vor der die Musiker stehen. Darauf sind Slogans wie „Think!“, „Vote“, „We sell hope“ oder „Help someone“ zu lesen.

The Specials waren immer ungemein politisch und in dieser Kulisse scheint das gewitzt auf. Wenn dort steht „The Television Will Not Be Revolutionized“ ist das außerdem eine Reminiszenz an den großartigen Gill Scott-Heron, dessen Song „The Revolution Will Not Be Televised“ schon 1970 einen Slogan der Black Power-Bewegung zur Hymne machte.

Antirassismus als wesentliche Botschaft

Antirassismus war und ist eine der wesentlichen Botschaften von The Specials. Nicht nur explizit in Songs wie „Racist Friend“ (der nicht gespielt wird) oder „Doesn’t Make It Alright“, sondern im Erscheinungsbild der Band an sich.

Schwarze und weiße Musiker spielten und spielen bei The Specials zusammen, wobei sie Ska und Punkrock zu einem eigenen Genre verschmelzen. „Two Tone“ wurde stilbildend für Generationen von Skabands. Dabei ist Ska noch älter, entstand Anfang der 1960-er Jahre auf Jamaika, war Vorgänger des Reggae.

Das karibische Original besitzt mehr Groove als der Two Tone, mehr Swing als Punk. Die alten Meister würdigen The Specials nach wie vor mit Coverversionen berühmter Jamaika-Hits. Es ist bemerkenswert, dass diese die mit Abstand ekstatischsten Jubelstürme auslösen.

Viele Kassenschlager dabei

„A Message To You Rudy“ und „Enjoy Yourself“ sind Höhepunkte eines Abends, der wahrlich nicht arm ist an Kassenschlagern. Lediglich die Songs vom jüngsten Album, das mit dieser Tour auch vorgestellt wird, kann nicht jeder mitsingen. Sie können musikalisch mithalten mit den altbekannten Hits. Doch The Specials wissen, was das Publikum hören will, übertreiben es nicht mit dem unbekannten Material und streuen es unauffällig in die Abfolge ihrer Klassiker von „Rat Race“ über „Too Much Too Young“ bis „Ghost Town“ ein.

Der Wermutstropfen: Abgesehen von einem genuschelten Dank ganz am Ende, wird nicht ein Wort ans Publikum gerichtet, keine Begrüßung, keine Ansage, nichts. Eine Band, der Tausende derart zu Füßen liegen, muss das vielleicht nicht. Aber es hätte dem Abend ohne großen Aufwand den ultimativen Kick geben können.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels schrieben wir, der Sänger Terry Hall sei bei diesem Konzert erstmals seit 1981 wieder dabei gewesen. Das ist nicht korrekt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.