Neu im Kino

Brücken der Verständigung: „Monsieur Claude 2“

Die Multikulti-Komödie „Monsieur Claude“ war vor 2014 ein Erfolgsfilm. In der Fortsetzung wollen nun alle Schwiegersöhne auswandern.

Erneut werden die leidgeplagten Eltern auf Trab gehalten: Claude (Christian Clavier) und Marie Verneuil (Chantal Lauby).

Erneut werden die leidgeplagten Eltern auf Trab gehalten: Claude (Christian Clavier) und Marie Verneuil (Chantal Lauby).

Foto: Neue Visionen

Was bisher geschah: Claude (Christian Clavier) und Marie Verneuil (Chantal Lauby) aus der malerischen Kleinstadt Chinon haben vier erwachsenen Töchter. Am liebsten wären dem konservativen Claude nur weiße, katholische Schwiegersöhne.

Doch nachdem seine ersten drei Töchter einen Juden, einen Muslim und einen aus China stammenden Bankkaufmann geheiratet haben, präsentiert auch noch die jüngste Tochter den Mann ihres Lebens: den schwarzen Sohn des konservativen ehemaligen Offiziers André Koffi (Pascal N’Zonzi) von der Elfenbeinküste, der sich nicht im Geringsten als Freund der einstigen Kolonialmacht Frankreich versteht.

Bei der Kritik umstritten, beim Publikum erfolgreich

Tiefe Gräben reißen zwischen den angehenden Familienmitgliedern auf, die aber am Ende nicht zuletzt mithilfe einer Flasche Calvados zugeschüttet werden. Soweit die Handlung von „Monsieur Claude und seine Töchter“, einer bei der Kritik umstrittenen, beim europäischen Publikum aber sensationell erfolgreichen Komödie aus dem Jahr 2014.

In der Fortsetzung „Monsieur Claude 2 – Immer für eine Überraschung gut“ stellt sich nun das Eheleben der vier Töchter als gefestigt heraus. Allerdings planen alle vier Paare aufgrund des politischen und wirtschaftlichen Klimas Frankreich zu verlassen. Claude und Marie erfahren davon, als sie gerade von einer Weltreise zurückkehren, heilfroh, endlich wieder in ihrer vertrauten Heimat zu sein.

Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs

Aus Angst, allein zurückzubleiben, fern von ihren geliebten Töchtern und Enkeln, setzen sie alles daran, ihre Schwiegersöhne zum Bleiben zu überreden. Für zusätzliche Turbulenzen sorgt Schwiegerpapa Koffi, der bei der Geburt seines ersten Enkels dabei sein will.

Quasi als Reaktion auf das lesbische Coming Out seiner Tochter verletzt er sich den Fuß und bringt als bettlägeriger Gast Claude und Marie an den Rand eines Nervenzusammenbruchs.

Natürlich ist das alles sehr reißbrettartig konstruiert. Und das hier durchexerzierte Komödienrezept, nachdem zehn mittelmäßige Gags pro Minute immer noch besser sind, als zehn gute Gags pro Stunde, kann durchaus zu Ermüdungserscheinungen führen, wenn man nicht bereit ist, sein Kinovergnügen mit einigen vorab genossenen Gläsern Wein zu subventionieren.

Schwierigkeiten bei der Synchronfasssung

Für „Monsieur Claude 2“ spricht, dass hier einmal mehr rassistische Vorurteile nicht nur aus einer moralischen Haltung heraus der Lächerlichkeit Preis gegeben werden. Der Film versteht sie gewissermaßen als tragikomischen Teil der Conditio Humana, aus dem man durchaus Brücken der Verständigung zwischen den Kulturen bauen kann, die aber immer dann einstürzen, wenn man ihm allzu viel Gewicht beimisst.

So leicht, wie es de Chauverons Film nahelegt, ist der Umgang mit Rassismen allerdings beileibe nicht, was auch seine deutsche Synchronisation beweist. Während Claude im Krankenhaus sein neuestes Enkelkind im französischen Original leicht enttäuscht als „sehr sehr schwarz“ beschreibt, nennt er es, zumindest im deutschen Trailer, „sehr... besonders.“ Neben seinem erneuten Erfolg an den französischen Kinokassen dürfte also weiter genug Konfliktstoff vorhanden sein, um auch noch einen dritten „Monsieur Claude“-Film zu rechtfertigen.

Komödie F 2019 99 min., von Philippe de Chauveron, mit Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan