Eben noch herrschte in der kleinen Dachgeschosswohnung eitel Sonnenschein. Doch dann ist Richards Überraschung noch vor dem Champagner wie eine Bombe detoniert. Jetzt ist alles anders. Weil er seinen exorbitanten Lottogewinn nicht einstreichen möchte.

Statt des erwarteten Lobs ist das Geschrei groß. Die Hysterie auch. Das Geschirr wird auf den Boden geschmettert. Die Salatschüssel fliegt hinterher. Und der Wodka landet in Richards Gesicht.

So hatte sich der Architekt und frischgebackene Vater den Abend nicht vorgestellt. Es sollte ein gemütliches Essen im Kreise seiner Liebsten werden. Mit Frau Claire, seiner Mutter und seinem besten Freund Etienne. Aber nun kochen die Emotionen hoch.

Auf kluge Weise gezeigt, wozu Geld die Menschen treibt

Mit der deutschsprachigen Erstaufführung von Flavia Costes „Nein zum Geld“ bringt das Renaissance-Theater eine so kurzweilige wie rabenschwarze Komödie auf die Bühne. Regisseurin Tina Engel, die am Haus schon mehrfach inszeniert hat und selbst auf der Bühne stand, zeigt dabei auf kluge Weise, wozu Geld die Menschen treibt.

Richard hat sich viele Gedanken über seinen Gewinn gemacht. Es allerdings verabsäumt, seinem Umfeld auch die Gelegenheit dafür zu geben. Und nicht bedacht, wie die anderen auf seine Entscheidung reagieren.

TV-Star Hans-Werner Meyer gibt den heiter-aufgeräumten Richard, der völlig mit sich im Reinen ist, ganz ohne Gutmenschen-Nimbus. Er trägt seine Kapitalismuskritik nüchtern vor, ohne die Vehemenz von Weltverbesserern. Findet die Summe obszön. Hat sich gefragt, was da auf ihn zurollt. Nie wieder arbeiten, Dauerparty? Für ihn wird dem Geld zuviel Bedeutung beigemessen. Die logische Konsequenz sei ein „Nein“ dazu.

Charaktere lustig, aber nicht sympathisch

Im ersten Schockzustand fallen die Reaktionen in der engen Wohnküche nicht allzu milde aus. Etienne (Michael Rotschopf) schimpft ihn einen Vollidioten, der seine 162 Millionen Euro nicht abholt. Mutter Rose (Erika Skrotzki) würde ihn am liebsten umbringen. Gattin Claire (Sarah Bauerett) trägt sich lauthals mit Scheidungsgedanken und fühlt sich verraten von diesem „peinlichen Wicht“.

Lustig, aber nicht einen Deut sympathisch wirken die Charaktere in diesem Moment. Man ahnt, warum Richard sich gegen die Millionen entschieden hat. Warum sein Leben, mit dem er so zufrieden ist, aus der Kurve geflogen wäre. Doch auch er wird demontiert.

Claire verdient als Lehrerin das Geld, von dem er lebt. Etienne hat sein Haus verpfändet, damit Richard sich mit hochfliegenden Plänen als Architekt verwirklichen kann. Rose schließlich umsorgt ihn als Mutter heute noch. Schenkt ihm mal eben ein Carbonfahrrad im Wert eines Kleinwagens, damit er kein schweres Rad die Treppe hochschleppen muss.

Wortgefechte in Screwball-Manier

Grabenkämpfe und Heulkrämpfe steigern sich regelrecht zur Farce. Wortgefechte fliegen in Screwball-Manier durch die Luft. Während Richard lässig bleibt und nach dem Baby schaut, lassen die anderen die zivilisierten Masken fallen.

Herrlich barbarisch mutet die Szene an, in der sie ein Huhn mit den Händen zerreißen und sich bar jeglicher Manieren in den Mund stopfen.

Dann entdeckt Claire den Lottoschein am Kühlschrank. Und die drei müssen entscheiden, ob die Moral flöten geht und Geld tatsächlich sprichwörtlich den Charakter verdirbt.