Neu im Kino

Alles schon mal gesehen: Til Schweigers „Head Full Of Honey“

Til Schweiger hat seinen Erfolgsfilm „Honig im Kopf“ fürs US-Kino noch einmal gedreht. Aber wieso soll man das hier noch mal anschauen?

Famililenband: Matt Dillon als Vater, Nick Nolte als Opa und seine Tochter Sophia Lane Nolte als  Enkelin in „Head Full Of Honey"

Famililenband: Matt Dillon als Vater, Nick Nolte als Opa und seine Tochter Sophia Lane Nolte als Enkelin in „Head Full Of Honey"

Foto: dpa

Ausländische Filme haben es schwer im amerikanischen Kino. Das Publikum liest nicht gern Untertitel. Synchronisiert wird schon gar nicht. Da dreht man einen Film lieber gleich neu. Und dann auch mit den eigenen Stars. Das kommt sowieso besser an.

So hat sich Hollywood von Anbeginn an gern kreatives Fremdgut angeeignet. Die Liste von Remakes deutscher Filme ist lang, vom „Blauen Engel“ über „Der Himmel über Berlin“ bis „Bella Martha“. Die wenigsten, das darf man schon sagen, kommen dabei an das Original heran.

Die US-Presse hat den Film zerrissen

Im Fall von „Head Full Of Honey“ liegt der Fall indes ein wenig anders. Denn hier hat Til Schweiger seinen eigenen Hit „Honig im Kopf“ von 2014 einfach noch mal verfilmt. Nur eben auf Englisch, mit amerikanischen Stars.

Schweiger, in Deutschland einer der größten, wenn auch nicht unumstrittenen Filmstars, hat schon mehrfach über den Großen Teich geschielt, zumindest als Schauspieler. Jetzt hat er das auch als Regisseur gewagt.

Vielleicht auch eine Konsequenz, weil er sich im eigenen Lande nicht gebührend gewürdigt sieht. Sein gestörtes Verhältnis zur hiesigen Filmkritik ist legendär. „Head Full Of Honey“ ist nun aber auch ein Beweis, dass es da keine grundsätzliche Aversion in der Heimat gibt. Die Kritiken zum Remake, das bereits Ende November in den USA startete, erntete vernichtende Kritiken.

Die „New York Times“ nannte den Film „desaströs“, der britische „Observer“ bewertete ihn als „Fiasko“ eines „fehlgeleiteten Regisseurs“. Und an den Kassen floppte er – während „Honig im Kopf“ in Deutschland seinerzeit die Sieben-Millionen-Marke geknackt hat.

Auch damals freilich haben sich manche Kritiker gefragt, ob man das Problem Alzheimer in einer Komödie mit Anarcho-Humor erzählen kann. Die Geschichte ist eigentlich sehr rührend angelegt: Weil ein alter Mann zunehmend dement wird, nimmt ihn sein Sohn bei sich zu Hause auf, wo er allerdings ständig Chaos auslöst und die Schwiegertochter zur Weißglut bringt. Bis die minderjährige Enkelin mit ihm ausbüxt.

Til Schweiger selbst spielt eine Mini-Rolle

Im Original spielte Til Schweiger den Vater, seine leibliche Tochter Emma die Filmtochter. Den dementen Opa spielte Dieter Hallervorden, mit dem sich Schweiger dabei überworfen hat.

Nun ist Matt Dillon der gestresste Sohn, eine Vater-Tochter-Beziehung gibt es aber auch hier: der 77-jährige Nick Nolte spielt den alten Mann mit dem Honig im Kopf. Und dessen 11-jährige Tochter Sophia Lane Nolte seine Enkelin.

Die Komödie spielt jetzt nicht in Deutschland, sondern in den USA und England. Aber die Handlung ist die gleiche. Der Humor ist es auch. Und wenn schon damals nicht jeder in Deutschland über die zotigen Gags lachen konnte – die in Sachen Erziehung hochsensiblen Amerikaner reagierten offensichtlich noch verstörter auf Szenen, in denen der Alte die Küche in Brand steckt, mit der Kettensäge den Garten verwüstet, vor dem Kind mit einer Waffe schießt. Oder wenn das junge Mädchen ganz allein mit dem unzurechnungsfähigen Querkopf unterwegs ist.

Ein Malus des Originals war sicher, dass Schweigers Tochter nicht ganz so talentiert ist, wie der Papa das gerne hätte. Aber auch beim Remake suchte man bei der Rolle der Minderjährigen lieber nach Familienbanden als nach einer schauspielerisch starken Lösung.

Warum deutsche Fördergelder für ein Remake?

Wie als Pfand taucht übrigens Til Schweiger in einer Kurzrolle auf, und auch Luna Schweiger darf mal am Wegesrand winken. Sonst ist der Film reines Déjà-Vu.

Michael Haneke hat einst mal „Funny Games“ fürs US-Kino neu verfilmt. Und sich dann gewundert, warum das Remake auch ins heimische Kino kam.

Die Frage darf man sich nun auch bei „Head Full Of Honey“ stellen. Vor allem fragt man sich beim Abspann aber, warum so viele deutsche Fördergelder in ein englischsprachiges Remake fließen.

Die Erwartungen auf den Film in Deutschland scheinen gering. Bei einer Vorpremiere am Mittwoch Abend im Cinestar am Potsdamer Platz kamen nur sieben Zuschauer. Und zwei Journalisten.