Neu im Kino

Huch, ich glaub’, ich seh doppelt: Der Filmthriller „Wir“

„Get Out“ war ein Hit. In Jordan Peels neuem Thriller „Wir“ hat jeder einen Doppelgänger – der es auf sein Pendant abgesehen hat.

Gabe (Winston Duke) und seine Tochter Zora (Shahadi Wright Joseph) erkennen schockiert, dass die Eindringlinge wie sie aussehen

Gabe (Winston Duke) und seine Tochter Zora (Shahadi Wright Joseph) erkennen schockiert, dass die Eindringlinge wie sie aussehen

Foto: dpa

Gleich für sein Debüt, die höchst gelungene Horror-Satire „Get Out“, wurde der Regisseur Jordan Peele vor zwei Jahren vier Mal für den Oscar nominiert. Er erhielt die Trophäe in der Kategorie Bestes Drehbuch. Nun kommt mit „Wir“ sein zweiter Film in die Kinos, mit dem sich der einstige TV-Komiker einmal mehr als Meister des klugen Horrors beweist.

Und das, obwohl er diesmal weniger stringent als in seinem Erstling zu Werke geht und seine wunderbar abstruse Geschichte mit einen Berg von gesellschaftskritischen Anmerkungen, biblischen Zitaten und verstörenden Verweisen auf den American Way Of Life überfrachtet.

Wenn keiner dir glauben mag

„Wir“ beginnt mit einer Rückblende ins Jahr 1986. Es ist das Jahr von „Hands Across America“, jener historischen US-Benefizaktion, die sich in einer Menschenkette von der West- bis an die Ostküste manifestierte. Das Mädchen Adelaide (Madison Curry) ist mit den Eltern auf einem Rummel am Strand von Santa Cruz.

Es landet in einem mysteriösen Spiegelkabinett und macht dort eine höchst erschreckende Entdeckung: Adelaide trifft auf ihre eigene Doppelgängerin. Doch niemand will ihr glauben. Jahrelang ist sie in psychologischer Behandlung. Nach diesem Vorspiel landen wir im Heute. Adelaide Wilson (Lupita Nyong‘o) ist inzwischen verheiratet mit Gabe (Winston Duke) und Mutter von Zora (Shahadi Wright Joseph) und Jason (Evan Alex).

Gemeinsam machen sich die Wilsons auf zu einem Familienausflug in ein Ferienhaus am Strand des kalifornischen Santa Cruz, wobei Adelaide die Reise mit gemischten Gefühlen antritt. Nach einem Treffen am Beach mit ihren neureichen Freunden (Elisabeth Moss und Tim Heidecker) beschließen sie, einen ruhigen Abend im Strandhaus zu verbringen.

Leben in der finsteren Unterwelt

Da stehen plötzlich vier unheimliche Gestalten in der Toreinfahrt, in roten Overalls, mit einem Lederhandschuh an der rechten Hand und bewaffnet mit einer Schere. Es sind die derangierten Doppelgänger der Wilsons. Und sie haben es auf die Familie abgesehen.

Warum, wird erst langsam klar. Und Jordan Peele hat für seine Doppelgänger-Gruselmär, in der schon bald auch jede Menge Blut fließt, eine etwas sperrige Auflösung ausgetüftelt. Jeder in diesem Film hat seinen Doppelgänger. Und jeder Doppelgänger hat es auf sein Pendant abgesehen.

Bereits im Vorspann erklärt eine Schrifttafel, dass Amerika flächendeckend untertunnelt ist, von vergessenen Gängen, verlassenen Grubenschächten, still gelegten U-Bahn-Tunnels. Peele bringt Leben in diese finstere Unterwelt. Er lässt ihre Bewohner auf die Menschheit los.

Und er schafft es, zwei Stunden lang mit großartigen Bildern (Kamera: Mike Gioulakis), fantastischen Darstellern (allen voran die überragende Lupita Nyong‘o) und immer neuen Anspielungen auf die so gar nicht heile amerikanische Lebenswelt eine knisternde Atmosphäre zu beschwören.

Thriller USA 2019 117 min., von Jordan Peele, mit Lupita Nyong’o, Winston Duke, Elisabeth Moss.