Früher mal in den Fünfzigern sah Klaus Hoffmann einfach nur klasse aus. Nach eigenem Bekunden war er eine Mischung aus Klaus Kinski und Barbra Streisand. Und das mit gerade mal sechs, sieben Jahren. Natürlich schrieb er damals auch schon geniale Songs am Harmonium, erinnert er sich großspurig. Bekanntlich kann man mit der eigenen Legendenbildung nie zu früh anfangen. Und so optimiert der Sänger mit viel Selbstironie und augenzwinkerndem Witz ganz zeitgemäß seine Biografie. Glücklicherweise vergisst er darüber die Musik nicht, singt seine alten und neuen Lieder. Wie seine Berlin-Hymne „Ein Leben lang mit dir“.
Der Berliner Liedermacher und Chansonnier versteht es in der Bar jeder Vernunft, nicht nur lustig zu sein, sondern auch die ernsten und stillen Momente im Leben auszuloten. Mit der Berlin-Premiere seines Konzertabends „Aquamarin“, benannt nach seinem aktuellen Album. Ein Heimspiel für Hoffmann, dem das Publikum von der ersten Sekunde an zu Füßen liegt. Viele von der Zuschauer sind langjährige Fans. Wiederholungstäter, deren Gesichter Hoffmann gut kennt. Man ist quasi unter Freunden, denen man manch lang gehütetes Geheimnis anvertrauen kann.
Eine Kiste hat er im Charlottenburger Schlossgarten vergraben
Wie das vom Aquamarin, dem Glücksstein der Seefahrer, der für Aufbruch, Ankommen und Hoffnung steht. Er begleitet Klaus Hoffmann seit seiner Kindheit. Einer dieser blauen Kristalle war in der Kiste, die er als Junge im Charlottenburger Schlossgarten vergraben hat. Mit weiteren wichtigen Lebensdinge wie Kinokarten und einem Kinderbuch. Wiedergefunden hat er die Kiste nie. Aber sie ist ein Ankerpunkt in seiner Vita. Anlass, um aus seinem Leben zu erzählen. Vor allem vom frühen Tod des Vaters, der beim Sohn eine große Lücke hinterlassen hat, die er als Künstler stets füllen wollte.
Mit dem Song „Du siehst aus wie Papa“ setzt er seinem Vater ein wunderschönes Denkmal. Mit federleichter Melodie und heiter-tiefsinnigen Versen. Hoffmann selbst spielt die Akustikgitarre. Dazu wird er virtuos am Flügel von Hawo Bleich begleitet.
Ende des Monats feiert er seinen 68. Geburtstag
Nicht nur die pointierten Erzählungen sind höchst unterhaltsam. Auch die Liedauswahl aus dem gewaltigen Werkschaffen Hoffmanns ist exzellent. Ein gelungener Querschnitt durch über vier Jahrzehnte seines Schaffens. Darunter „Blinde Katharina“, „Melancholia“ und „Für det bißchen Zärtlichkeit“. Es geht um Liebe, Abenteuer, Reisen und immer wieder um Berlin. Um die wuchtigen und die leisen Momente, die Hoffmann poetisch einfängt.
Zwischendurch kokettiert der Musiker mit seinem Alter. Ende des Monats feiert er seinen 68. Geburtstag. Da darf das Jackett ruhig etwas um die Hüfte spannen. Irgendwann fällt es dann der Hitze im Zelt zum Opfer. Und Hoffmann steht im Hemd da. Begleitet vom ironisch-frivolen Jubel der versammelten Damen. Der Sänger nimmt es gelassen. Er weiß, er sieht schließlich immer noch fantastisch aus. Fast so wie Heidi Klum, findet er. Allerdings hätte er sich früher mal inter einem Besen verstecken können. Heute, muss er zugeben, bräuchte er dafür schon eine Kehrmaschine.
Bar jeder Vernunft, Schaperstr. 24, Wilmersdorf. Tel. 8831582 Termine: 7.-9.3. um 20 Uhr, 10.3. um 19 Uhr


