Philharmonie

Marek Janowski interpretiert Beethoven klassisch

Mit dem WDR Sinfonieorchester machte der Dirigent auf einer kleinen Tournee auch in der Philharmonie Station.

„Das Wesentliche ist die Musik“: Marek Janowski mit dem WDR Sinfonieorchester.

„Das Wesentliche ist die Musik“: Marek Janowski mit dem WDR Sinfonieorchester.

Foto: imago stock / imago/Lumma Foto

Zweimal Beethoven, und das war’s dann auch schon? Solch ein schnörkelloses Konzertprogramm ist typisch für Altmeister wie Herbert Blomstedt und Bernard Haitink, aktuell 91 und 89 Jahren alt. Oder auch für Marek Janowski, der seit Montag vergangener Woche ebenfalls der Dirigentengeneration 80+ angehört. Und der jetzt mit zwei dritten Werken von Beethoven in der Philharmonie gastiert: mit dem c-Moll-Klavierkonzert op. 37 und der „Eroica“-Sinfonie op. 55.

Diesmal allerdings spielt nicht das Rundfunk-Sinfonieorchester, das Janowski von 2002 bis 2015 als Chefdirigent geleitet hat. Es sind auch nicht die Berliner Philharmoniker, die ihn seit Anfang 2017 wiederholt eingeladen haben. Nein, am heutigen Abend gibt ihm das WDR Sinfonieorchester die Ehre. Und zwar im Rahmen einer kleinen Geburtstags-Tournee mit den Stationen Köln, Bielefeld, Berlin und zum Abschluss Wuppertal – dort also, wo Janowski aufgewachsen ist. Feierlich allerdings geht es in der Philharmonie nun nicht zu.

Äußerlichkeiten sind ihm unwichtig

Im Gegenteil sogar: Vermutlich wäre niemand auf die Idee kommen, dass Janowskis 80. Geburtstag der Anlass für dieses Konzert ist. Auch das Programmheft schweigt sich passenderweise darüber aus. Denn Janowskis ablehnende Haltung gegenüber Äußerlichkeiten ist wohlbekannt. Viel wichtiger als sich selbst nimmt Janowski nämlich den Komponisten Beethoven – treu nach seinem Leitspruch „Das Wesentliche ist die Musik“. Und alles andere ist unwesentlich, könnte man hinzufügen.

Paradoxerweise enthält Beethovens „Eroica“-Sinfonie dann aber doch ziemlich viel Janowski. Den nüchternen Handwerker Janowski nämlich, den geerdeten Qualitätsarbeiter, der stets kühlen Kopf bewahrt. Zügig seine Tempi, transparent die Harmonik und Formgestaltung. Es ist ein klassisch-traditioneller Beethoven des gesunden Menschenverstands – weniger ein Beethoven, der zu neuen Ufern aufbricht. Und schon gar kein Beethoven, der den Moden der historischen Aufführungspraxis folgt. Das WDR Sinfonieorchester macht dabei einen durchweg erfahrenen Eindruck, und das ist auch kein Wunder: Vor kurzem erst hat es einen kompletten Beethoven-Zyklus unter Jukka-Pekka Saraste erarbeitet und online in seiner Mediathek veröffentlicht.

Betörender Schönklang

Mindestens ebenso viel Erfahrung schwingt zuvor auch bei Beethovens c-Moll-Klavierkonzert mit. Doch hier kommt noch der betörende Schönklang des Pianisten Seong-Jin Cho hinzu. Ein Schönklang, von dem sich auch das Orchester inspirieren lässt. Nur vordergründig schlüpft der Südkoreaner Cho dabei ab und zu ins Kostüm des gewichtigen, schicksalhaften Beethoven. Ergreifend wahrhaftig dagegen die Momente, in denen er Beethovens Musik nach intimer Chopin-Poesie klingen lässt.