Berlinale

Die Taschen werden bleiben

Babylonisches Stimmengewirr am Potsdamer Platz: Berliner und Touristen sind gleichermaßen im Berlinale-Fieber.

Und dann spielt auch noch das Wetter mit: Passanten und Berlinale-Gänger sonnen sich am Potsdamer Platz.

Und dann spielt auch noch das Wetter mit: Passanten und Berlinale-Gänger sonnen sich am Potsdamer Platz.

Foto: Reto Klar

Das angesagte Accessoire dieser Tage ist grau mit weißem Logo. Oder umgekehrt. Zumindest am Potsdamer Platz. Dort sieht man die aktuelle Berlinale-Tasche allenthalben. Auch Emily und Jacob aus Manchester haben sich die grauen Modelle schon geholt. Heiß begehrte Souvenirs für die beiden Mittdreißiger. Schließlich sind sie eigens zur Berlinale an die Spree gekommen. Sogar einige Kinotickets haben sie ergattert. „Natürlich sind die Filme für uns das Wichtigste. Wenn wir aber wieder zu Hause sind, erinnern uns die Taschen an die schöne Zeit, die wir hier verbracht haben“, erklärt Emily, bevor die beiden zum nächsten Film davoneilen.

Überall am Potsdamer Platz, speziell natürlich am Berlinale-Palast, macht sich das Filmfest bemerkbar. Auch wenn das Treiben nach dem hochtourigen Trubel der ersten Festivaltage wieder in spürbar ruhigeren Bahnen läuft. Schon von Weitem sieht man die Übertragungswagen der großen Sender und die allgegenwärtige Berlinale-Beflaggung. Und natürlich tragen wieder viele Besucher Festivalpässe an bunten Bändern um den Hals. Das babylonische Stimmengewirr: Berliner und Touristen sind gleichermaßen im Berlinale-Fieber.

Die Luft vibriert

Laura aus Friedrichshain pausiert in den Arkaden. Zwei Stunden stand sie in der Kälte, um einen Blick von Christian Bale zu erhaschen. Jetzt hat die 21-Jährige einen Schnappschuss von ihm. Ein Hauch von Hollywood auf dem Handy. Die Shopping-Arkaden sind voller als sonst. Die Luft vibriert förmlich. Nicht so sehr in den Geschäften als vielmehr in den Snackbars und Cafés. Regelrecht belagert werden der Merchandisingstand und die Ticketcounter der Berlinale. Überall stehen Leute an. Viele entspannen auch auf den Bänken. Kaum ein Platz, der nicht belegt ist.

Emanuele hat sich auf seinen Rucksack gehockt, tippt eifrig ins Smartphone. Der 24-Jährige aus Rom hat die Reise zur Berlinale als Geschenk von seinen Eltern bekommen. „Ich schicke ihnen täglich Nachrichten. Erzähle, welche Filme ich gesehen habe und was ich unternommen habe“, sagt er und zeigt Fotos von seinen Unternehmungen. Der Fernsehturm fehlt genauso wenig wie Bilder vom roten Teppich.

Überall trifft man Gleichgesinnte

Ein paar Meter weiter sitzen Anna (37) und Tom (41). Die Cineasten aus Essen schauen sich vor allem Filme im Forum an. Sie mögen die experimentelleren Independent-Produktionen der Sektion. Und es gefällt ihnen um das Charlottenburger Delphi herum eindeutig besser als am Potsdamer Platz. Zu laut, zu hektisch und zu kommerziell ist es ihnen dort. „Im nächsten Jahr werden wir uns ein Hotel in Charlottenburg nehmen. Es gibt da viele nette Lokale und kleine Läden. Es ist vor allem ruhiger“, findet Tom.

Andere wie Jan (28) aus dem schweizerischen Luzern schätzen die Möglichkeit, an einem Ort Filme und Promis gucken zu können. „Hier ist es lebendig. Man kann schnell etwas essen oder in eine Bar gehen. Überall trifft man Gleichgesinnte, mit denen man über die Berlinale reden kann“, weiß er. Egal an welchem Ort in der Stadt, die Berlinale wird auch an ihren letzten Tagen das Gesprächsthema Nummer eins sein.