An Helge Schneider scheiden sich seit je die Geister. Mit der „singenden Herrentorte“ kann man entweder gar nichts anfangen oder verehrt sie beinahe kultisch. Selbstverständlich strömt am Dienstagabend letztere Fraktion ins ausverkaufte Konzerthaus am Gendarmenmarkt, wo Schneider mit seinem Programm „Ene Mene Mopel!“ zu Gast ist.
Er zieht Verehrer jeglicher Couleur an, von tätowierten Jugendlichen, die im Konzerthaus „noch nie drin waren“ oder „höchsten einmal mit der Oma ganz oben gesessen“ haben, über elegante Bohemiens bis hin zu schlumpigen Jazzconnaisseurs. Ja, sogar Leute mit Helge Schneider-Pappmasken nehmen auf den Rängen Platz. Und da erscheint auch schon die Band.
Die Combo ist seit Jahren gut eingespielt. Henrik Freischlader an der Gitarre, Rudolf Olbrich am Bass und Peter Thoms am Schlagzeug - letzterer häufig Ziel von Helges Frotzeleien - musizieren auf höchstem Niveau und müssen die Jazzpolizei nicht fürchten. Auf dieses Trio kann sich Schneider verlassen, der „an Gesang und zahlreichen Instrumenten“ die Show managt.
Zum Einstieg orgelt Schneider astreinen Jazz im Stil eines Jimmy Smith oder Jack McDuff herunter, gleichzeitig bringt er das Publikum bereits mit wenigen ulkig übersteigerten Gesten zum Lachen. Beim folgenden Titel „Texas“ aus dem gleichnamigen Film schmeißt es sich bereits völlig weg. Schneider legt seinen skurrilen Altherrentanz hin, der genial-alberne Text tut sein übriges.
Schneiders abstruse Texte und Anekdoten sind natürlich wesentlicher Teil seiner Kunst. Er füllt das Programm gern mit dahingeflachsten Kommentaren oder längeren Geschichten, wie zum Beispiel der über Duke Ellington. Lang und breit gibt er zum Besten, wie er ihn einmal in einem Berliner Bus traf, es am Ende aber gar nicht Ellington war.
Hinter den lässigen Improvisationen steckt harte Arbeit
Am großartigsten sind seine musikalischen Parodien. Der Saal lacht sich schief, wenn er am Flügel sitzt und ganz allein ein absurdes Duett mit Udo Lindenberg aufführt, den er unglaublich gut nachahmt. Oder wenn er mit einem irrsinnig-witzigen Kauderwelsch und Gitarre auf dem Knie die wehmütigen Songs spanischer Barden imitiert. Aus einem lupenreinen Blues „I Was Born“ macht Schneider einen Riesen-Gag, indem er ihn textlich einfach völlig entkernt. Und dann wieder kann er sich das Tenorsaxofon schnappen und ohne jede Komik eine superbe Jazzballade hindurchhauchen.
Satire auf Instrumenten ist etwas, das nur sehr wenige Menschen beherrschen. Helge Schneider ist einer von ihnen und dafür gebührt ihm größte Anerkennung. Man muss es erst einmal schaffen, mit einem einzigen Tastenanschlag, einem einzigen dahingefurzten Minimoog-Synthieton einen ganzen Saal in Gelächter zu versetzen. Eine hörenswerte Vibraphoneinlage nahtlos in die Zeitlupen-Karikatur eines exaltierten Musikers münden zu lassen. Oder mit dem bestimmt besten schlechtesten Gitarrensolo aller Zeiten einen nur allzu bekannten Musikertypus brüllend komisch zu persiflieren.
Wie bei jedem ernst zu nehmenden Clown steckt hinter all den vermeintlich hemdsärmeligen Intermezzi und lässigen Improvisationen Helge Schneiders sehr viel harte Arbeit. Sein breitgefächertes musikalisches Können und sein komische Begabung sind ganz erstaunlich. Wird beides kombiniert, kommen Hits wie „Fitze Fitze Fatze“ oder „Katzeklo“ heraus, die auf der Setliste nicht fehlen dürfen und als Ohrwürmer mit nach Hause genommen werden.


