Eigentlich hat keiner Lust auf diesen Abend. Anton nicht, weil er den Ex seiner Frau und den leiblichen Vater seiner Tochter nicht sehen will. Und der Ex, Erik, würde auch lieber um das Zusammentreffen mit Anton herumkommen. Immerhin hat der ihm einst die Frau und auch die Tochter ausgespannt. Selbst die hat keinen Bock darauf – wegen des Rivalenkampfs der Väter und der stets nervenden Mutter. Und dann will die jetzt auch noch unbedingt ihren neuen Freund kennenlernen. Dabei ist sich Nadine gar nicht mehr so richtig sicher, ob sie noch glücklich ist mit ihm. Man ahnt also gleich zu Beginn von „Komplexe Väter“, einer Produktion der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater: Das muss in einer Katastrophe enden. Und ein bisschen stimmt das auch.
Die zwei könnte man auch ohne Skript auf die Bühne stellen
Den Stoff um die zwei alternden Väter hat sich Regisseur und Autor des Stücks, René Heinersdorff, für zwei seiner Freunde ausgedacht. Ihnen wollte er Rollen maßschneidern wie gut sitzende Anzüge: Der eine verwegen, ein bisschen machohaft auch, der andere sensibel. Der eine brachial, der andere intellektuell. Der eine ein Frauenheld, der andere treu. So stereotyp die binären Männerfiguren gelegentlich sind, so gut sind sie Heinersdorff dann doch gelungen: Denn Jochen Busse und Hugo Egon Balder spielen die Männer, die sich 25 Jahre lang hassen und sich dann doch noch annähern, mit ganz schön viel Chuzpe. So viel, dass man manchmal vermuten könnte, Heinersdorff habe gar nicht so dazuerfinden müssen. Die zwei könnte man auch ohne Skript auf eine Bühne stellen.
Wer tragikomische Kammerspiele mag, Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ zum Beispiel oder „Der Vorname“, dessen Leinwandadaption seit einigen Wochen im Kino zu sehen ist, der weiß, wie schmal der Grat ist zwischen gestelzten Witzen, vorgefertigten Pointen und echter Situationskomik. Busse und Balder gelingt es fast immer, sich Heinersdorffs Kalauer ziemlich zungenfertig zuzuspielen. Vielleicht, weil sie eben passgenau geschrieben wurden: Balder stand schon drei Mal für Heinersdorff auf der Bühne. Und auch Busse hat mit ihm zusammengearbeitet, im Stück „Der Kurschattenmann“ etwa.
Dieses Mal lässt er sie mit geballten Fäusten über die Bühne tigern. Beide belauern sich wie verfeindete Raubtiere, die um dasselbe Weibchen buhlen, um Ute (Alexandra von Schwerin). Als die beide bittet, sich doch endlich auszusöhnen, sind sie empört. „Was soll der Aussöhnungskack?“, spuckt Balder da als Erik auf die Bühne und fügt an: „Man kann doch einen Menschen auch mal ad acta legen!“ Das, macht Ute ziemlich schnell klar, ist mit ihr nicht mehr zu machen, denn sie will, dass beide Männer am Leben ihrer Tochter teilnehmen.
Dass es dann wirklich klappt mit dem „Waffenstillstand“, wie Busse sagt, das liegt dann allerdings nicht an Utes Verhandlungskünsten, sondern an Nadines neuem Freund. Der ist nämlich 25 Jahre älter als sie, hat zwei Kinder und ist dummerweise mit Eriks Affäre verheiratet: Gründe genug also, von beiden Männern gehasst zu werden.
Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater, Bismarckstr. 110. Tel. 88 59 11 88. Nächste Termine: 4., 6., 7.12., 20 Uhr.


