Konzert in Berlin

Slayer geben ihr finales Berlin-Konzert ohne Rührseligkeit

Rasend schnelle Gitarrenriffs werden wie Gewehrsalven in die Mercedes-Benz-Arena gefeuert. Ein Konzert wie eine satanische Messe.

Gitarrist Kerry King

Gitarrist Kerry King

Foto: dpa

Auf der Bühne schießen Feuerbälle in die Höhe, bei deren Anblick sich die Gesichtshaut unter der Hitze spannt. Rasend schnelle Gitarrenriffs werden wie Gewehrsalven in die Mercedes-Benz-Arena gefeuert. In anderen Worten: Slayer sind in der Stadt, um ihr finales Berlin-Konzert zu geben.

Die Abschiedstour wirkt wie ein reisendes Festival. Gleich drei namhafte Bands begleiten die Mitbegründer des Thrash Metal. Während Obituary, Anthrax und Lamb Of God dem Publikum einheizen, steigen im Saal Stimmung und Alkoholpegel. Früh gleiten die ersten Crowdsurfer über das Publikum, Bierduschen werden ausgeteilt und langgezogene Slayer-Rufe hallen durch die Menge. Doch das alles ist nur ein Vorgeschmack.

Um neun Uhr ist es endlich so weit. Die Legenden von Slayer erscheinen auf der Bühne. Von Flammen begleitet, steigt die Band mit großem Tempo und dem Song „Repentless“ vom gleichnamigen Album ein. Das Publikum gerät vom ersten Takt an in Ekstase. Aus dem Headbangen werden die meisten Besucher im Laufe des Abends gar nicht mehr rauskommen, dabei ist es egal, ob der jeweilige Kopf mit einer langen Mähne oder mit einer Halbglatze bestückt ist.

Im Rücken der Band hängt ein Banner, auf dem das Albumcover zu „Repentless“ abgebildet ist. Darauf sieht man einen blutenden Jesus mit Dornenkrone und schwarzen Augen. Bezeichnend für die kontroverse Band, die aufgrund ihrer Verwendung satanischer Symbole, aber auch für Referenzen zum Nationalsozialismus, häufig in die Kritik geraten ist.

Song "Jihad" schildert 9/11 aus Terroristen-Sicht

Umstritten sind zudem viele der Liedtexte, die an diesem Abend von Sänger Tom Araya ins Mikro gebrüllt werden. Slayer spielen ein Best-of ihrer 37-jährigen Bandgeschichte. Mit dabei ist zum Beispiel der Song „Jihad“, eine Beschreibung der Geschehnisse des 11. September aus Sicht der Terroristen.

Vor der Bühne hat sich schnell ein anhaltender Moshpit gebildet, die Metal-Fans gehen ihrem äußerst körperbetonten Tanz nach. Die meisten der Besucher sind männlich und tragen die Tour-Shirts vergangener Jahre wie Trophäen am Leib. Und wer nicht mitten im Gedränge steht, darf darüber staunen, dass volltrunkene und halbnackte Männer mit unglaublicher Präzision dazu in der Lage sind, in ihrer Mitte einen beinahe perfekten Kreis zu bilden, den sie stürmen, sobald die Musik zu einer Klimax kommt.

Anders als ihr Publikum wirken die Musiker geradezu gesetzt und springen wenig auf der Bühne herum. Lediglich Gitarrist Gary Holt, der den verstorbenen Jeff Hanneman ersetzt, lässt sich hin und wieder zu ausladenden Bewegungen hinreißen.

Die spärlichen Ansprachen Arayas sind frei von Rührseligkeit. Wenn der Sänger das Wort ergreift, wirken seine Sätze holprig, was die Fans jedoch nicht daran hindert, brüllend ihre Zustimmung auszudrücken.

Für das Lied „Hell Awaits“ wird kurz vor Schluss noch einmal jede verfügbare Flamme zum Lodern gebracht. Gitarrist Kerry King schleudert wild seinen langen Bart durch die Luft. Das Konzert wirkt wie eine satanische Messe mit einer großen Portion Bierlaune. Zu jedem anderen Anlass würde der ständige Einsatz von Feuer und Nebel übertrieben wirken, doch bei diesem Abschiedskonzert scheint er vollkommen angemessen.

Insgesamt dauert der Auftritt keine 90 Minuten. Zum Abschluss spielt die Band den kontroversen Song „Angel Of Death“, der die Taten des KZ-Arztes Josef Mengele behandelt. Derweil ziert der Name des verstorbenen Gitarristen Hanneman das Banner im Rücken der Band. Nachdem das Lied vorbei ist, starrt Sänger Araya noch minutenlang in die Menge, während die Fans den Namen der Band skandieren und so den Metal-Legenden ein letztes Mal huldigen.