Kultur

Grothum spielt das Stück „Monsieur Claude und seine Töchter“

Die Komödie von Philippe de Chauveron und Guy Laurent war 2014 ein Kinohit. Nun zeigt das Schlosspark Theater die Bühnenadaption.

Schauspielerin Brigitte Grothum steht seit mehr als 60 Jahren auf der Bühne und vor der Kamera.

Schauspielerin Brigitte Grothum steht seit mehr als 60 Jahren auf der Bühne und vor der Kamera.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Textbuch, Smartphone, eine Tasse Kaffee daneben. Brigitte Grothum wartet in der Champagnerhalle des Schlosspark Theaters in Steglitz und hat sich während eines kleinen Interview-Marathons zwischenzeitlich ein mobiles Büro eingerichtet. Trotz der vielen Proben für „Monsieur Claude und seine Töchter“, die nächste Premiere im Haus, wirkt die Schauspielerin gelassen. Eine elegante Erscheinung in Hosenanzug und T-Shirt. Ihre markanten roten Haare trägt sie immer noch lang. 83 Jahre alt ist sie mittlerweile. Doch man sieht es ihr nicht an. Sie bewegt sich immer noch graziler und geschmeidiger als viele, die nur halb so alt sind. Mit ihrer sprühenden Energie zieht sie einen sofort in ihren Bann. Etwa, wenn sie über ihre Rolle als Monsieur Claudes Frau Marie spricht.

„Das gut situierte, erzkatholische Ehepaar lebt in der französischen Provinz. Drei der Töchter haben einen Juden, einen Muslim und einen Chinesen geheiratet. Jetzt liegt die Hoffnung auf der jüngsten Tochter Laura. Sie soll einen Franzosen heiraten“, erzählt Grothum. „Das Paar jubiliert, als der zukünftige Schwiegersohn katholisch ist und Charles heißt. Da denken sie sofort an de Gaulle.“ Doch es kommt anders. Besagter Charles ist schwarz. Seine afrikanische Familie, ebenfalls erzkatholisch, hätte lieber eine schwarze Schwiegertochter. Plötzlich finden sich alle in einem interkulturellen Minenfeld wieder.

Die Komödie war im Jahr 2014 ein Hit in den Kinos

„Marie droht zu gehen, weil ihr Mann so rassistisch ist. Aber im Grunde ist sie das Bindemittel. Sie versucht zu versöhnen“, beschreibt Brigitte Grothum ihren Part. Für sie passt die Komödie gut in unsere Zeit. „Vorurteile gegenüber Fremden, die viele erst einmal haben, werden sehr witzig widerlegt“, sagt sie und fügt hinzu: „Das Stück erzählt seine ernste Botschaft humoristisch und ohne erhobenen Zeigefinger. Sie lautet: Hört euch gegenseitig zu, lernt euch kennen. Dann schaut, wie ihr euch versteht. Letztlich zählt der Mensch.“

Im Jahr 2014 war die Komödie von Philippe de Chauveron und Guy Laurent ein Kinohit. Nun zeigt das Schlosspark Theater die Bühnenadaption von Stefan Zimmermann in der Regie von Philip Tiedemann. Mit einem stattlichen 13-köpfigen Ensemble.

Brigitte Grothum hat das Stück bereits vor einigen Jahren gelesen, bevor sie den Film gesehen hat. „Ich habe sofort erkannt, das ist ein Pfund, und dachte, die Theater müssten sich darum reißen. Also habe ich es Dieter Hallervorden geschickt“, erinnert sie sich. Doch schnell war klar, dass ein relativ kleines Haus wie das Schlosspark Theater die große Personage nicht so leicht stemmen kann. „Ursprünglich wollte Hallervorden den Monsieur Claude selbst übernehmen. Aber er hat so viele Verpflichtungen, dass Peter Bause den Part nun spielt. Da hat sich Hallervorden eine Bombenrolle entgehen lassen“, findet Brigitte Grothum.

Geboren 1935 in Dessau, ist der Beruf für die Powerfrau ein Jungbrunnen. Oder ein „Lebenserhalter“, wie sie es nennt. Obwohl sie gesteht, dass ihre beiden Kinder sie davon abhalten würden, auf die Bühne zu gehen, wenn nichts mehr ginge. Sie ist aber auch schon mal mit einem gebrochenen Fuß aufgetreten. Das war 1978 im Renaissance-Theater in „Der Kurschatten“. Ihr Mann, der Orthopäde Manfred Weigert, hätte ihr lieber Ruhe verordnet. „Es ging aber. Wohl auch wegen des Adrenalins“, weiß sie noch.

Früher, gibt sie unumwunden zu, habe sie sich eine Rolle auch schon mal wegen der schönen Kleider ausgesucht. „Heute ist es mir wichtig, dass das Stück gut ist“, erklärt sie. Auf ein Fach oder eine Rolle hat sie sich in ihrer über 60-jährigen Karriere nie festlegen lassen. Sie kann Komödie ebenso wie wuchtige Dramen, Fernsehen und Film genauso wie Theater. Unvergessen ihre Magda Färber in der TV-Serie „Drei Damen vom Grill“; aber auch ihr Part als Glaube im „Jedermann“. 28 Jahre lang, von 1987 bis 2014, hat sie die Berliner „Jedermann“-Festspiele als Produzentin und Regisseurin geleitet.

„Mein halbes künstlerisches Leben lang waren die Festspiele mein drittes Kind“, sagt sie. Aufgehört habe sie altersbedingt und weil es immer schwieriger wurde, Geld für die Produktion zu bekommen. Bei Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel war ihr die Botschaft ein persönliches Anliegen: „Es geht nicht um Religion, sondern um Menschlichkeit. Und darum, dass sich nicht alles nur ums Geld dreht.“ Das Publikum war von Beginn an begeistert. Bis zum letzten Tag waren die Vorstellungen ausverkauft. Ein Riesenerfolg. Das Aus war für Brigitte Grothum schmerzhaft. „Doch dann hat mir Dieter Hallervorden den ,Geliebten Lügner‘ angeboten. Ein Stück, in das man sich hineinknien muss. Und ich war glücklich damit.“ Seither ist die Schauspielerin dem Schlosspark Theater verbunden. Jetzt freut sie sich erst einmal auf die Premiere von „Monsieur Claude und seine Töchter“. Ein Stück rund um das Anderssein. Die Angst davor sollte man ablegen. Es einfach akzeptieren, meint Brigitte Grothum. Für sie ist es eine Frage der Menschlichkeit – auf der Bühne wie im Leben.

Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz, Tel. 78 95 66 71 00, Voraufführungen 29. & 30.11. um 20 Uhr, Premiere 1.12. um 20 Uhr, Mehr Informationen im Internet unter schlossparktheater.de

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