Ein Trommelwirbel und Standing Ovations für eine der ganz Großen des Showgeschäfts. Auf den Arm eines Begleiters gestützt betritt Nana Mouskouri die Bühne des fast ausverkauften Admiralspalasts. Und beginnt gleich zu singen. Man hört ihr die Jahre mittlerweile an. Das Vibrato ist zuweilen stark, die Mehroktavenstimme recht dünn. Doch das Publikum ist trotzdem begeistert. Schließlich ist die Mouskouri eine Legende. Und sie nimmt es mit herrlichem, augenzwinkerndem Humor: "Guten Abend. Vielen Dank, dass Sie da sind und den Mut hatten, zu kommen."
In einem Interview mit einem Schweizer Magazin in diesem Jahr gab Nana Mouskouri unumwunden zu, dass sie sich nach ihrer Abschiedstournee 2008 zuhause gelangweilt und Gründe gesucht hat, um wieder auf der Bühne stehen zu dürfen. Das Publikum dankt es ihr, beklatscht jedes bekannte Lied schon bei den ersten Tönen. Auch, wenn der Gesang zuweilen etwas schaumgebremst ist.
Die ersten Takte des Abends sind allerdings volltönend und auf Griechisch. Und sie kommen vom Band. Untermalen die Bilder einer Weltkarriere. Aber sie zeigen auch das humanitäre Engagement von Nana Mouskouri für UNICEF.
Wie auf der Leinwand ist die Sängerin natürlich auch auf der Bühne eine elegante Erscheinung. Im bodenlangem, schwarzen Kleid mit weißem Schal über der Schulter. Dazu das schwarze Haar und die eckige schwarze Hornbrille, die ebenso ihre Markenzeichen sind wie die „Weißen Rosen aus Athen“. Jener Hit, mit dem sie 1961 ihren internationalen Durchbruch feierte.
Geboren 1934 auf Kreta, absolvierte Nana Mouskouri eine Ausbildung am Athener Konservatorium. Sie studierte klassischen Gesang, Harmonielehre und Klavier. Nebenher hatte sie aber auch ein Faible für Jazz und begann ihre Laufbahn 1958 als Sängerin eines Jazz-Quartetts in den kleinen Clubs Athens. Bald darauf lernte sie den Komponisten Manos Hadjidakis kennen. Mit seinen Lieder avancierte sie rasch zur beliebtesten Sängerin Griechenlands.
Im Laufe ihrer Karriere hat sie 1550 Titel gesungen. Und zwar in den unterschiedlichsten Sprachen: Auf Griechisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch. Manchmal sogar auf Niederländisch, Portugiesisch, Japanisch, Russisch, Wallonisch und Hebräisch.
Heute kann die 84-Jährige mit Wohnsitzen in Genf, Athen und Paris auf eine über 50-jährige Karriere zurückblicken. Für ihre unzähligen Erfolge wurde sie mit über 300 Goldenen, Platin- und Diamantenen Schallplatten ausgezeichnet. Mit über 250 Millionen verkauften Alben ist sie übrigens nach Madonna die erfolgreichste Sängerin aller Zeiten.
Für ihr Berliner Konzert hat sie ein abwechslungsreiches Programm zusammen gestellt. Sie singt ihre Hits wie "La Provence", Coversongs wie "Liebe ist", die deutsche Version von Bette Middlers "The Rose", aber auch Traditionals wie "Scarbarough Fair". Natürlich mehrsprachig. Und sie stimmt den Titelsong ihrer Tour an: Bob Dylans "Forever Young". Der klingt bei ihr wunderbar trotzig und teils richtig rau. Ihre vierköpfige Band dreht dabei sogar verhalten auf.
Zum Repertoire gehört auch ein Song von Amy Winehouse. Das fantastische "Love Is A Losing Game", bei dem Nana Mouskouri plötzlich jazzig klingt. Wie damals ganz zu Beginn ihrer Karriere.
Die Sängerin erzählt auch von ihrer großen Liebe zu Berlin. Aber auch zu Marlene Dietrich, der berühmten Tochter der Stadt. Als Hommage singt sie "Lili Marleen". Und bekennt zudem musikalisch "Ich hab noch einen Koffer in Berlin".
Die Mischung aus Schlagern, Weltmusik Pop und Chanson im sanften Mouskouri-Sound kommt bestens an. Die Zuschauer zollen der großartigen Künstlerin immer wieder mit stürmischem Applaus Respekt, sind glücklich, sie tanzen noch einmal erleben zu dürfen. Als letzten Song nach zwei Stunden gibt es selbstredend "Weiße Rosen aus Athen". Und noch einmal nicht enden wollende Standing Ovations für die fabelhafte Nana Mouskouri.

