Sonntag ist für Nick Großeltern-Tag. Dann besucht er Aida und Frank in New Jersey. Zum Essen gesellen sich auch die Großeltern väterlicherseits, Emma und Nunzio, hinzu. Oma Aida verwöhnt ihren Enkel dabei stets mit seinem Lieblingsessen. Auch, wenn er gar keine Lust auf Pasta hat. Gegen ihre Überfürsorglichkeit ist er einfach machtlos. Viel zu melden hat Nick bei dem Quartett ohnehin nicht, obwohl er 24 Jahre alt ist. Meistens reden die Generationen aneinander vorbei. Doch diesmal hat Nick etwas Wichtiges mitzuteilen: Er wird befördert mit einer neuen Stelle in Seattle. Auf der anderen Seite des Kontinents.
Freunde kann man sich aussuchen, die Familie nicht. Letztere kann ziemlich anstrengend sein. Wie nun die Premiere von Joe DiPietros Tragikomödie „Was zählt, ist die Familie!“ im Schlosspark Theater zeigte. Eine knapp zweistündige Inszenierung in der Regie von Anatol Preissler, die einen trotz des emotionalen Themas wenig berührt.
Für die Großeltern geht es um familiären Zusammenhalt, für Nick um persönliche Freiheit. Um ihn zum Bleiben zu bewegen, arrangieren die alten
Herrschaften beim Sonntagsessen ein Blind Date mit der hübschen Caitlin. Für Nick eine peinliche Angelegenheit, während die vier Großeltern fröhlich Anekdoten aus seiner Kindheit erzählen. In Caitlin könnte er sich allerdings verlieben. Johannes Hallervorden gefällt in der Rolle des Nick. Die Einmischung in sein Leben setzt ihn so stark unter Druck, dass er eine Panikattacke erleidet. Davon erholt er sich ausgerechnet auf dem orangefarbenen Sofa bei Aida (Anita Kupsch) und Frank (Herman von Ulzen). Zwischen zweierlei Mustertapeten, einem Esstisch und Schwarzweißfotos. Dazwischen Grant Woods berühmtes Gemälde „American Gothic“ mit dem puritanischen Farmerpaar. Für US-Schriftstellerin Gertrude Stein war das Porträt eine Satire auf das amerikanische Kleinstadt- und Landleben.
Doch wenngleich die Produktion durchaus mit pointierten Dialogen punkten kann, ist sie mitnichten richtig komisch oder gar satirisch. Der überdrehte Clash zwischen den Helikopter-Großeltern und dem flügge gewordenen Enkel wirkt wie aus der Zeit gefallen. Obwohl aus dem Jahr 1996, scheint das Stück über kleinbürgerlich-konservative Familienwerte aus den Fünfzigern zu kommen.
Die Großeltern werfen ihrem Enkel vor, sie schnöde im Stich zu lassen. Nach allem, was sie für ihn getan haben. Von innerer Größe keine Spur. Familie first, statt einen jungen Mann ziehen zu lassen, der seine eigenen Erfahrungen sammeln muss. Von Emma (Dagmar Biener) gedrängt, soll Nunzio (Holger Petzold) schließlich noch ein letztes Ass ziehen. Denn Nick hadert selbst mit seinem Weggang.
Über das altbackene Stück kann man nur den Kopf schütteln. Die Schauspieler indes sind wunderbar und sorgen für manchen Schmunzler.
Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz, Tel. 78 95 66 71 00, 22.10., 5.–8.11. um 20 Uhr, 11.11. um 16 Uhr


