Konzertkritik

Pop-Ikone Kim Wilde rockt die Columbiahalle

Die 57 Jahre alte Sängerin begeisterte am Sonnabend ihre Fans mit den Hits aus den 80er-Jahren. Bei den neuen Liedern bleibt es verhalten.

Bei ihren Konzerten geht es auch um die Nostalgie: Kim Wilde

Bei ihren Konzerten geht es auch um die Nostalgie: Kim Wilde

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Berlin. Zwei E-Gitarren, ein Bass, ein Keyboard, eine Background-Sängerin und gleich zwei Schlagzeuge - fast zu viel für die Bühne in der Columbiahalle in Tempelhof. Aber Kim Wilde hatte sich etwas vorgenommen für diesen Sonnabendabend. Vor 2200 Zuschauern avancierte die "Princess of Pop" der 80er-Jahre zur "Lady Rock". Die Fans dankten es ihr lautstark - außer bei den neuen Liedern.

In einer silbernen Lederjacke und mit Sonnenbrille betrat die 57-Jährige unter erwartungsvollem Beifall die Bühne. Wie würde sie klingen? Schließlich hatte man sie in Berlin seit Jahren nicht mehr live gehört. Die Antwort: Ein bisschen tiefer mittlerweile, aber erstaunlich gut und rockig.

Zum Auftakt sang Wilde "Stereo Shot" vom neuen Album "Here come the Aliens", das dieses Jahr erschienen ist. Schon nach dem dritten Stück fragte Wilde dann aber provokant in die Menge: "Wer will hier die alten Lieder hören? Und wer ist hier für die Neuen?" Das Ergebnis war eindeutig: Der Großteil der Menschen war gekommen, um sich von Wilde noch einmal zurückversetzen zu lassen - 30, 35 Jahre. An den Anfang der 80er als Kim Wilde mit ihrem New-Wave-Sound und Liedern wie "You keep me hanging on" oder "Cambodia" durchstartete. Sie nahm es mit Fassung, legte die silberne Jacke ab und schmetterte "Cambodia" ins Mikrofon.

Auf dem Parkett löste der Klassiker bereits Luftsprünge aus, der obere Rang dagegen betrachtete das Treiben unter sich noch gemütlich sitzend. Doch das sollte sich ändern. Nach einem Mittelteil mit ruhigeren und neuen Liedern wie "Solstice", "Rosetta" und "Cyber.Nation.War." saß bei "Chequered Love" fast niemand mehr. Die zwei Schlagzeuge ließen die Luft vibrieren, die Britin die Menge tanzen und gröhlen. Es folgten "You came" und, natürlich, "You keep me hangin' on". Viele aus dem Publikum haben Kim Wildes Karriere von Tag eins an begleitet, auf diese Lieder hatten sie gewartet.

Doch Wilde wollte sich nicht nur an ihrer Vergangenheit abarbeiten. Und so schloss sie vor der Zugabe nicht mit den stehenden und ohrenbetäubenden Ovationen, sondern erklärte ihr neues Album. An einem Abend im Jahr 2009 habe sie von ihrem Garten aus zwei Lichter am Horizont gesehen, die sie seither an "intelligentes Leben" im Universum glauben lassen. "So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen", sagte Wilde, "aber keine Sorge, wenn es hier ein Alien gibt, dann beschütze ich euch."

Mit einer gezückten, bunt-flimmernden Plastikpistole performte sie anschließend gestenreich "1969". Das Lied, in dem sie von der Mondlandung und den Aliens, die uns vor der Apokalypse bewahren, singt. Musikalisch gut, aber nicht die Kim Wilde, mit der sich ihre Fans seit Jahrzehnten identifizieren. Wilde weiß das. Das letzte Lied der Zugabe und des Abends ist deshalb standesgemäß der, der vor 37 Jahren ihren Durchbruch und wohl größten Erfolg bedeutete: "Kids in America". Daran werden auch Alien nichts ändern können.

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