Die schwarzen Locken hängen ihm kontrastreich im blassen Gesicht. Jack White steht am vorderen Rand der Bühne und spielt ein wütendes Gitarrensolo. Mit gekrümmtem Oberkörper entlockt er seinem Instrument kratzende und heulende Laute, die immer wieder dafür sorgen, dass gleich mehrere breitschultrige, tätowierte Männer im Publikum vor Entzücken aufkreischen.

Mit seinem berüchtigten Gitarrenspiel weihte Jack White am Freitag im Rahmen seiner aktuellen Tour die Verti Music Hall in Friedrichshain ein. Das neu errichtete Gebäude wirkt schlicht und modern. Wer mag, kann den Innenräumen einen industriellen Charme attestieren. In den hellen Gängen werden raue Betonböden und -wände von großen Lampen angestrahlt; die Decke des Konzertsaals ist hoch und unverkleidet.

Mit Jack White hat die Halle einen würdigen Künstler für ihren Eröffnungsabend gefunden. Der Musiker, der als kreativer Kopf des Duos The White Stripes bekannt wurde, arbeitete bereits mit Größen wie Bob Dylan und Elton John zusammen. Und schon im Vorfeld machte die Veranstaltung mit einem absoluten Handyverbot auf sich aufmerksam.

Um das Verbot durchzusetzen, werden die Besucher am Eingang gebeten, ihre Smartphones in kleinen verschließbaren Taschen zu verstauen, die sich erst dann öffnen lassen, wenn man sie beim Verlassen der Halle an ein spezielles Gerät hält.

Während des Konzerts zeigt diese Maßnahme durchaus Wirkung, es wird getanzt statt gefilmt. Selbst bei populären White-Stripes-Songs wie „Ball And Biscuit” nimmt einem kein Handydisplay die Sicht. Anstatt das Konzert in mittelmäßiger Qualität aufzuzeichnen, wird nun einfach die Musik genossen.

Jack White spielt dabei wie immer ohne Setlist. Welches Lied als nächstes kommt, entscheidet er spontan. Auf der Bühne sieht man immer wieder wie er den Musikern der Band, die im Halbkreis hinter ihm angeordnet sind, ein Stichwort gibt, damit sie wissen, nach welchem Lied ihm gerade der Sinn steht.

Neben den Songs seiner beiden aktuellen Bands The Raconteurs und The Dead Weather spielt er vor allem Solostücke und Nummern der White Stripes. Dabei wechselt er unzählige Male die Gitarre, teilweise mitten im Song, und für „The Hardest Button To Button“ setzt er sich sogar ans Schlagzeug.

Whites Gitarrenspiel begeistert

Für seinen Gesang stehen Jack White gleich drei nebeneinander aufgestellte Mikrofone zur Verfügung, von denen eines seine Stimme stark verzerrt wiedergibt. So wird er sowohl seinen älteren Bluesrock-Nummern als auch seinen neuen Songs wie dem experimentellen „Respect Commander“ gerecht.

Doch was vor allem begeistert, ist Jack Whites Gitarrenspiel. Fast im Minutentakt spielt der begnadete Musiker seine Soli, bei denen ihm jedes Mal die dicken schwarzen Haare zitternd das Gesicht verdecken. Und die melodischen Riffs, ohne die kaum einer seiner Songs auskommt, haben nicht nur einen hohen Wiedererkennungswert, sondern sind zudem durchaus tanzbar.

Der bekannteste unter Jack Whites Gitarrenriffs ist wohl jener aus „Seven Nation Army“, der vor Jahren die europäischen Fußballstadien erobert hat. So scheint es nur sinnvoll, dass das Konzert mit diesem Lied abschließt. Und natürlich wird der legendäre Riff vom Publikum mitgegrölt, und zwar so laut, dass Jack White schließlich sein Gitarrenspiel einfach einstellt und seinen Gesang von den Stimmen des Publikums tragen lässt.