Friedrichstadtpalast

Neue Show: „Vivid“ vereint Opulenz, Akrobatik und Poesie

„Vivid“ im Friedrichstadtpalast bietet einen ausgefeilten Mix zwischen glitzerndem Las-Vegas-Style und „Alice im Wunderland“.

"Vivid" im Friedrichstadtpalast

"Vivid" im Friedrichstadtpalast

Foto: Jens Kalaene/dpa

Berlin. Leise und anmutig erscheint eine verwunschene Gestalt in Rot und Gold, scheinbar den „Märchen aus 1001 Nacht“ entsprungen. Eine leuchtende Orakelkugel in den Händen, während Stimmen von überall her erklingen. Am Anfang steht Frage: „Wo bin ich? Träume ich? Ist das real?“

Und tatsächlich staunt man von der ersten Minute an über die Fantasiewelt, in die einen „Vivid“ entführt. Die Uraufführung der neuen Show des Friedrichstadt-Palastes legt dann erst richtig los. Mit großem Tänzer- und Akrobatenaufgebot in silbernen, futuristischen Roboterkostümen. Ein optisch und musikalisch starker Auftakt.

Laut Intendant Berndt Schmidt ist „Vivid“ eine Liebeserklärung an das Leben. Das spürt man in jedem Moment. Die Revue ist einfach hochenergetisch. Es gibt aber auch wunderschöne, poetische Momente. Etwa, wenn die kleine Androidin R’eye (Devi-Amanda Dahm) durch den Sternenhimmel wirbelt. Das zunächst ungelenke Robotermädchen, dessen Geschichte sich wie ein roter Faden durch den Abend zieht, verwandelt sich im Laufe der Show langsam. Bis sie ein beinahe flirrendes Wesen ist, nachdem sie die bunte Vielfalt um sich herum förmlich in sich aufzusogen hat. Darunter Tier- und Fabelwesen, denen sie begegnet ist, aber auch florale Figuren.

Nicht nur die Tänzer und Akrobaten begeistern in „Vivid“ auf höchstem Niveau, auch die Kostümkreationen bestechen durch ungeheure Extravaganz. Vor allem der verrückte Kopfschmuck von Philip Treacy, dem wohl berühmtesten Hutmacher auf unserem Globus.

Insgesamt braucht es übrigens 182 Künstler und Mitarbeiter vor und hinter der Bühne sowie im Foyer, um eine Vorstellung zu stemmen. Der Aufwand ist immens. Bespielt werden neben der weltgrößten Theaterbühne schließlich auch noch zwei Seitenbühnen und teilweise sogar der Zuschauerraum.

Standing Ovations von den Zuschauern

Ein künstlerisch, gesanglich und technisch ausgefeilter Mix. Irgendwo zwischen glitzerndem Las-Vegas-Style und „Alice im Wunderland“. Ein irrer, surrealer Trip mit immer neuen Überraschungen. Egal, ob schwindelerregende Luftakrobatik, visuell beeindruckendes Lichtdesign oder hitverdächtige Ohrwürmer. Eben allerbeste Unterhaltung. Ausgedacht haben sich die zwölf Millionen Euro teure Produktion Autorin und Regisseurin Krista Monson sowie Co-Autor und Co-Regisseur Oliver Hoppmann.

Allein die legendäre Girlreihe, die diesmal mit einem farbenwechselnden Neonkopfputz für Furore sorgt, ist schon einen Besuch wert. Genauso wie die atemberaubende Artistik auf gleich zwei meterhohen Stahlrädern von vier Artistik-Virtuosen. Eine sensationelle Weltpremiere. Standing Ovations dafür von den Zuschauern. Eine spektakuläre Show von atemberaubender Rasanz und Ästhetik.

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