Flamenco-Pop

Die Band, die nicht die Gipsy Kings heißt

Hits wie „Bamboleo“ dürfen sie nicht mehr unter ihrem alten Bandnamen singen. Jetzt kommen "The Original Gypsies" nach Berlin.

Die vier Gitarristen und ihre Kollegen sind auf Tour

Die vier Gitarristen und ihre Kollegen sind auf Tour

Foto: dpa Picture-Alliance / Malte Ossowski/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin. Die Gipsy Kings („Bamboleo“) sind wieder da, dürfen sich aber nicht Gipsy Kings nennen. Sondern The Original Gypsies. Die Musik ist aber noch die gleiche. Chico Bouchikhi klopft sich kräftig mit der rechten Hand auf die Brust und sagt: „Da drin“, gemeint ist das Herz, „sind wir Menschen alle gleich. Wir haben dieselben Gefühle, dieselben Empfindungen. Und genau diese universellen Emotionen sprechen wir mit unserer Musik an.“

Bouchikhi ist 64 Jahre alt und Kopf und Seele des guten Dutzends Männer – einige wie er in den besten Jahren, andere deutlich jünger –, die sich aus rechtlichen Gründen The Original Gypsies nennen müssen. Aber eigentlich jene Gipsy Kings sind, die vor rund 30 Jahren mit ihren Flamenco-Feelgood-Liedern wie „Volare“, „Baila Me“ und „Bamboleo“ weltweit für Sommerhits und ausverkaufte Hallen sorgten. Jetzt gehen sie zum ersten Mal seit 27 Jahren in Deutschland auf Tour. „Ich habe nie aufgehört, Musik zu machen. Aber nach so langer Pause kann man von einem Comeback sprechen“, sagt Chico.

Die Gipsy Kings - Plötzlich eine Weltmarke

Chico hat im französischen Arles, seiner Geburtsstadt, ein altes Fabrikgelände gekauft und in eine Art Gipsy-Kings-Freizeitpark verwandelt. Einmal im Monat tritt er dort mit der Band auf. In einer Art Wandelgang weist Manager Ruedi Ledermann auf Gipsy-Kings-Fotos. Ob mit Helmut Kohl, dem Dalai Lama oder Romy Schneider – die Band posierte mit Berühmtheiten aller Couleur.

„Das Lebensgefühl damals war herrlich, so wunderbar frei“, schwärmt Ledermann vor einer Aufnahme, auf der die jungen Gipsy Kings mit Brigitte Bardot am Strand von Saint-Tropez posieren. Der Badeort war die Keimzelle des Gipsy-Kings-Erfolgs, hier spielten die Söhne des damals sehr bekannten Flamenco-Sängers José Reyes zusammen mit Schwiegersohn Chico für die Schönen und Reichen. „Wir waren plötzlich eine Weltmarke, aber wir haben uns finanziell ausbeuten lassen von den Leuten im Hintergrund“, so Chico.

Die Band spaltete sich - und findet wieder zusammen

Es kam zum Bruch. Die Reyes-Brüder seien zufrieden gewesen mit dem luxuriösen Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben. Für sie sei es Wertschätzung genug gewesen, Bargeld oder auch mal einen nagelneuen Mercedes von der Plattenfirma zu bekommen. Bouchikhi jedoch wollte sich nicht abspeisen lassen, sondern Abrechnungen sehen. Die bittere Folge: Sie warfen ihn aus der Band. „Chico musste bei null anfangen“, erinnert sich Ledermann.

In Frankreich gelang ihm das sehr gut. Als Chico & The Gypsies konnte er sich neu etablieren und veröffentlichte immer wieder auch neue, durchaus erfolgreiche, Alben, während die übrigen Gipsy Kings mit nachlassender Resonanz und dem alten Material vor allem durch die USA tourten. Vor Kurzem dann wechselten die drei Reyes-Brüder Patchai, Canut und Paul zu Chico – eine späte Genugtuung. „Sie haben gemerkt, dass bei uns in der Band Leben ist“, so seine Vermutung.

The Original Gypsies am 10. Oktober, 20 Uhr, Tempodrom Berlin